Das Kochbuch des Balthasar Staindl (Ein künstlichs vnd nutzlichs Kochbuch, vormahlens nie so leicht Mann vnd Frawen personen von jnen selbst zülernen ...)
Eingerührte Küchlein mit Rosinen
Moderne Übersetzung
Ein Eingerührtes zubereiten: dazu ein wenig Wasser geben, wie sonst bei einem Eingerührten üblich. Eine geriebene Semmel nehmen und ein wenig Mehl darunter mischen, würzen, Rosinen hineingeben. Die Masse in heißes Schmalz schlagen und daraus kleine Küchlein backen.
Die Küchlein trocken servieren, oder etwas darüber anrichten: ein Süppchen oder ein gutes Pfeffersößchen.
Zutaten
| Original | Modern | Mengenangabe | Wo kaufen | Alternative |
|---|---|---|---|---|
| ain wenig waſſer | Wasser | - | Leitung | - |
| ain geribne ſemel | geriebene Semmel | 1 | - | - |
| ain wenig ſtüblin mehls | Mehl | - | - | - |
| weinbeerlen | Rosinen | - | - | - |
| haiß ſchmaltz | Schmalz | - | - | Butterschmalz |
| ain ſüpplin oder ain guts pfefftelin | Süppchen oder Pfeffersößchen | - | - | - |
Zubereitungshinweis
Welches Gericht ist das? Ein einfacher Rührteig-Fritter: geriebene Semmel und Mehl werden mit ein wenig Wasser zu einer Masse gerührt, mit Rosinen versetzt und in heißem Schmalz zu kleinen Küchlein gebacken - trocken serviert oder mit einer süßen Suppe bzw. einer würzigen Pfeffersauce angerichtet. Die schwäbische Dialektbezeichnung Kiechle für kleine ausgebackene Teigstücke ist ein direkter Nachfahre von „Küchlein“; strukturell nah an Rosinenfritters oder an heutigen Rosinenknödeln mit Rosinen, ohne dass sich das Rezept damit gleichsetzen lässt.
Im sechsten Buch steht std-206 nah bei std-205 („Gebackene Mörser-Küchlein“): beide verwenden dieselbe Grundmasse aus Eingerührtem, geriebener Semmel und Weinbeerlein. Sie sind aber kein Zwillingspaar im Sinne desselben fertigen Gerichts - std-205 wird im glühenden Mörser mit Deckel und Glut obenauf gebacken (eine Puff-Technik mit eigenem Gargefäß), std-206 dagegen schlicht küchleinweise in der Pfanne in heißem Schmalz gebacken. Eine Formvariante derselben Grundmasse, kein doppelt geführtes Rezept.
Die Weinbeerlein sind als getrocknete Weinbeeren, also Rosinen, gelesen - der Korpus verwendet den Begriff überwiegend für die getrocknete Handelsware, frische kleine Trauben blieben ohne ausdrücklichen Marker die unwahrscheinlichere Lesart.
Das als Anrichte-Alternative genannte „Pfefftelin“ ist keine Portion Pfefferkörner, sondern eine kleine, würzig-dickliche Sauce - ein „Pfeffer“-Gericht im Sinn des 16. Jahrhunderts. Die Parallelstellung mit dem süßen „Süpplin“ als zweite, gleichrangige Anrichte-Option stützt diese Lesart.
Praxis. Semmel reiben, mit wenig Mehl und so viel Wasser verrühren, dass ein fester, formbarer Teig entsteht, der beim Eingeben ins Fett nicht zerläuft - ein dünnerer, gießbarer Teig wie beim Mörserküchlein-Nachbarrezept ist im Text nicht ausgeschlossen, aber auch nicht benannt. Rosinen unterrühren, löffelweise in mittelheißes Schmalz (etwa 170-180°C) geben und goldbraun und durchgebacken ausbacken; sehr heißes Fett bräunt die feste Masse außen, bevor sie innen durchgart. Trocken servieren oder mit einer süßen Suppe bzw. einer würzigen Pfeffersauce anrichten.
Vollständige Version mit Originaltext, Glossar und Anmerkungen: fyndling.de/rezepte/std-206/
fyndling.de/rezepte/std-206/