Das Kochbuch des Balthasar Staindl (Ein künstlichs vnd nutzlichs Kochbuch, vormahlens nie so leicht Mann vnd Frawen personen von jnen selbst zülernen ...)
Ochsenaugen
Moderne Übersetzung
Schlage ein Ei in eine Schüssel und salze es. Stäube ein wenig Mehl darüber.
Erhitze in einer Pfanne etwas Schmalz, bis es ganz heiß ist. Gib das Ei hinein und backe es. Wende es um, damit es braun wird.
Gib es trocken auf den Tisch, oder reiche dazu ein Gescherb von Äpfeln.
Zutaten
| Original | Modern | Mengenangabe | Wo kaufen | Alternative |
|---|---|---|---|---|
| ain ay | Ei | 1 | - | - |
| ſaltz | Salz | - | - | - |
| ain wenig mehl | Mehl | - | - | - |
| ein ſchmaltz | Schmalz | - | - | Butterschmalz |
| geſcherb von oͤpffeln | Äpfel | - | - | - |
Zubereitungshinweis
Welches Gericht ist das? Ochsenaugen ist der traditionelle süddeutsch-österreichische Name für ein in der Pfanne gebratenes Ei - der Ausdruck ist bis heute lebendig, ganz ähnlich dem italienischen occhio di bue. Anders als beim heutigen, ungewendeten Spiegelei verlangt Staindls Rezept, das Ei mit wenig Mehl zu bestäuben und beim Braten zu wenden - näher an einem dünnen, beidseitig gebratenen Eierfladen als am unberührten modernen Spiegelei.
Wie weit das Wenden geht, lässt der Text offen: ob der Dotter dabei möglichst ganz bleibt oder das Ei wie ein kleiner Fladen komplett durchgebraten wird, sagt die Anweisung „wende es um, damit es braun wird“ nicht.
Am Ende empfiehlt Staindl, die Ochsenaugen trocken zu servieren oder mit einem Gescherb von Äpfeln zu reichen. Das Wort bezeichnet in Scheiben geschnittenes, vermutlich geröstetes Obst, keinen Brei und keine Teighülle (siehe Annotation zu „gescherb von öpffeln“). Im selben Buch taucht der Begriff mehrfach als feste Beilage-Bezeichnung wieder auf.
Praxis. Ei in eine Schüssel schlagen, salzen und mit wenig Mehl bestäuben. Schmalz in der Pfanne stark erhitzen, das Ei hineingeben und braten, bis die Unterseite gestockt ist, dann vorsichtig wenden, bis es Farbe annimmt. Trocken servieren oder mit gerösteten, in Scheiben geschnittenen Äpfeln.
Vollständige Version mit Originaltext, Glossar und Anmerkungen: fyndling.de/rezepte/std-208/
fyndling.de/rezepte/std-208/