Das Kochbuch des Balthasar Staindl (Ein künstlichs vnd nutzlichs Kochbuch, vormahlens nie so leicht Mann vnd Frawen personen von jnen selbst zülernen ...)
Geschnittene Nudeln mit Käse und Schmalz
Moderne Übersetzung
Mache einen Teig mit kaltem Wasser an, wenn du es gern haben möchtest: Nimm auf einen Tisch ein oder zwei Eier und arbeite daraus einen schön festen Teig. Walze ihn dünn aus, lege drei oder vier der Teigblätter aufeinander und schneide sie mit einem scharfen Messer in feine Streifen.
Gib die Streifen in siedendes Wasser und lasse sie eine gute Weile kochen. Schütte sie dann auf ein kleines Sieb und schwemme sie mit warmem Wasser ab. Gib sie auf eine Schüssel, streue einen milden Käse darüber und gieße heißes Schmalz darauf.
Zutaten
| Original | Modern | Mengenangabe | Wo kaufen | Alternative |
|---|---|---|---|---|
| eins oder zway ayr | Ei | 1 | - | auch 2 Eier möglich, dann wird der Teig fester |
| Mehl | - | - | - | |
| mit eim kalten waſſer | Kaltes Wasser | - | Leitung | - |
| ſiedend waſſer | Wasser zum Kochen | - | Leitung | - |
| warmem waſſer | Warmes Wasser | - | Leitung | - |
| ain linden kaͤß | Milder Käse | - | - | milder Frischkäse oder junger Bergkäse |
| hayß ſchmaltz | Heißes Schmalz | - | - | Butterschmalz |
Zubereitungshinweis
Welches Gericht ist das? Selbstgemachte, mit dem Messer geschnittene Bandnudeln aus einem ungesäuerten Ei-Wasser-Teig: dünn ausgewalzt, gestapelt, in feine Streifen geschnitten, in siedendem Wasser gegart, abgeseiht, mit warmem Wasser abgeschwemmt, mit mildem Käse bestreut und mit heißem, geschmolzenem Schmalz übergossen. Die nächste lebendige Verwandtschaft ist die südwestdeutsch-alpine Familie der Käsespätzle: frisch gekochter Nudelteig, mit mildem Käse bestreut, mit heißer Butter oder heißem Schmalz übergossen - dieselbe Abfolge aus Kochen, Abschütten, Käse, heißem Fett, nur mit geschnittenen Bandnudeln statt geschabten Spätzle-Tropfen.
Woher kommt das Mehl? Der Originaltext nennt für den Teig nur kaltes Wasser und ein bis zwei Eier - Mehl fällt an keiner Stelle. Für einen vesten, also festen Teig ist Mehl aber unverzichtbar, und Kochbücher dieser Zeit setzen es bei dieser Mulden-Technik (Mehl auf den Tisch häufen, Ei und Wasser einarbeiten) oft stillschweigend voraus, statt es eigens zu nennen. Wahrscheinlicher als eine echte Textlücke ist also ein unausgesprochener Standardschritt.
Beilage oder eigene Speise? Das Kapitel führt das Gericht als Beilage, passend zu den unmittelbaren Nachbarrezepten dieses Teigwaren-Abschnitts. Der Text selbst sagt nicht, ob es beigestellt oder als eigene kleine Speise serviert wurde - beides ist mit den einfachen Zutaten Wasser, Ei, Mehl, milder Käse und Schmalz vereinbar.
Praxis. Aus ca. 100-150 g Mehl pro Ei, dem kalten Wasser und den Eiern einen festen, nicht klebrigen Teig kneten, dünn auswalzen, mehrere Teigblätter übereinanderlegen und mit einem scharfen Messer in feine Streifen schneiden. In reichlich siedendem Wasser eine gute Weile garen, abseihen und mit warmem Wasser abschwemmen - das spült überschüssige Stärke ab, damit die Nudeln nicht verkleben, eine bis heute übliche Praxis bei frischer Eiernudel. Mit mildem Käse bestreuen und sofort mit heißem, geschmolzenem Schmalz übergießen.
Vollständige Version mit Originaltext, Glossar und Anmerkungen: fyndling.de/rezepte/std-217/
fyndling.de/rezepte/std-217/