Das Kochbuch des Balthasar Staindl (Ein künstlichs vnd nutzlichs Kochbuch, vormahlens nie so leicht Mann vnd Frawen personen von jnen selbst zülernen ...)
Rosensaft und Zucker-Zeltlein
Moderne Übersetzung
Schneide Rosen, wie für Rosat, stoße sie nur klein und drücke den Saft durch ein schönes weißes Tüchlein. Nimm schön gestoßenen Zucker und rühre ihn darein, bis er musig wird. Fülle es in ein Glas, binde es mit einem Tuch zu und setze es drei Tage an die Sonne.
Stoße etliche schöne Rosenblüten klein gehackt darunter und rühre sie ein. Lasse es nur sieben Tage an der Sonne stehen und rühre es jeden Tag durcheinander. Dies ist auch für eine Labung gut. Man kann auch schöne Rosenblätter von den dicken Rosen hineintun, ehe man es an die Sonne setzt.
Zucker-Zeltlein: Ebenso macht man aus Muskat, Nelken oder Zimt Zucker-Zeltlein, genau wie die Ingwer-Zeltlein zuvor. Dabei nimmst du immer auf ein Pfund Zucker ein Lot von dem jeweiligen Gewürz.
Zutaten
| Original | Modern | Mengenangabe | Wo kaufen | Alternative |
|---|---|---|---|---|
| Roſen | Rosenblüten | - | Wochenmarkt, Bio-Laden (ungespritzt) | - |
| ſchoͤn geſtoſſen zucker | Zucker, fein gestoßen | - | - | - |
| etlich ſchoͤn Roͤßlen | etliche schöne Rosenblüten (klein gehackt) | - | Wochenmarkt, Bio-Laden (ungespritzt) | - |
| ſchoͤne Roſenbletter / der dicken Roſen | schöne Rosenblätter der dicken Rosen | - | Wochenmarkt, Bio-Laden (ungespritzt) | - |
| Muſcat | 1 Lot Muskatnuss, grob gestoßen | 15 g | gut sortierter Supermarkt, Online-Gewürzhandel | - |
| Naͤgelen | 1 Lot Gewürznelken, grob gestoßen | 15 g | gut sortierter Supermarkt, Online-Gewürzhandel | - |
| Zimetroͤꝛen | 1 Lot Zimt, grob gestoßen | 15 g | gut sortierter Supermarkt, Online-Gewürzhandel | - |
| ein pfund zu⸗cker | Zucker | 500 g | - | - |
Zubereitungshinweis
Welches Gericht ist das? Ein zweiteiliges Vorratsrezept aus dem Vorratshaltungs-Kapitel des Staindl. Der erste Teil ist ein sonnengereifter Rosensirup: ausgepresster Rosensaft wird mit Zucker vermischt und mehrere Tage in der Sonne ausgereift - ein Vorläufer heutiger Rosensirupe (vergleichbar mit persischem Sharbat-e Gol oder historischen Rosenkonfitüren). Der kurze zweite Absatz gehört inhaltlich zum vorangehenden Rezept: Er zeigt, wie man aus Muskat, Nelken oder Zimt dieselben Zucker-Zeltlein herstellt, die dort bereits für Ingwer beschrieben sind - keine eigenständige "Gewürzzucker"-Mischung mit Lebkuchen als Zutat.
Rosensaft: wie die Sonne arbeitet. Rosenblüten werden zerstoßen, der Saft durch ein Tuch gepresst und mit gestoßenem Zucker vermischt, bis die Masse musig (breiig) wird. Beim mehrtägigen Stehen in der Sonne wandelt der hohe Zuckeranteil den Ansatz in eine haltbare, sirupartige Masse; tägliches Umrühren verteilt die Feuchtigkeit gleichmäßig und verhindert Schimmel an der Oberfläche.
Zucker-Zeltlein: drei weitere Geschmacksrichtungen. Der Anschluss "gleich wie die Ingwer" verweist auf das vorangehende Rezept, in dem Zucker mit Rosenwasser aufgekocht, zu Täfelchen ausgegossen und mit Gewürz vermischt wird. Für Muskat-, Nelken- und Zimt-Zeltlein gilt dieselbe Machart und dasselbe Verhältnis: ein Lot des jeweiligen Gewürzes auf ein Pfund Zucker.
Praxis. Presse den Rosensaft durch ein sauberes Passiertuch und rühre gestoßenen Zucker ein, bis die Masse breiig wird. Decke das Glas nur mit einem Tuch ab, statt es luftdicht zu verschließen - bei zehn Tagen Sonnenwärme kann der Ansatz leicht gären, und ein Tuch lässt entstehende Gärungsluft entweichen. Für die Zeltlein-Variante: Muskat, Nelken oder Zimt grob stoßen und im Verhältnis 1 Lot Gewürz auf 500 g geschmolzenen Zucker einrühren (Herstellung wie beim Ingwer-Zeltlein: Zucker mit wenig Rosenwasser aufkochen, auf einer Marmorplatte ausgießen, vor dem Erstarren das Gewürz untermischen).
Vollständige Version mit Originaltext, Glossar und Anmerkungen: fyndling.de/rezepte/std-228/
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