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Rosensaft und Zucker-Zeltlein

Ein künstlichs vnd nutzlichs Kochbuch, vormahlens nie so leicht Mann vnd Frawen personen von jnen selbst zülernen ... · Augsburg (Druckort); Autor aus Dillingen · 1545

Gewürz / SauceGewürz / SauceLesartViel InterpretationsspielraumMittelKorrekturBearbeitungsstand 8/10
Zubereitungszeit30 Min.Portionenca. 500 ml Rosensirup und, je Gewürzsorte, ca. 500 g Zucker-Zeltlein (Muskat, Nelken oder Zimt)BuchDas Kochbuch des Balthasar Staindl (~1545)

Schneide Rosen, wie für Rosat, stoße sie nur klein und drücke den Saft durch ein schönes weißes Tüchlein. Nimm schön gestoßenen Zucker und rühre ihn darein, bis er musig wird. Fülle es in ein Glas, binde es mit einem Tuch zu und setze es drei Tage an die Sonne.

Stoße etliche schöne Rosenblüten klein gehackt darunter und rühre sie ein. Lasse es nur sieben Tage an der Sonne stehen und rühre es jeden Tag durcheinander. Dies ist auch für eine Labung gut. Man kann auch schöne Rosenblätter von den dicken Rosen hineintun, ehe man es an die Sonne setzt.

Zucker-Zeltlein: Ebenso macht man aus Muskat, Nelken oder Zimt Zucker-Zeltlein, genau wie die Ingwer-Zeltlein zuvor. Dabei nimmst du immer auf ein Pfund Zucker ein Lot von dem jeweiligen Gewürz.

OriginalModernMengenangabeWo kaufenAlternative
Roſen Rosenblüten - Wochenmarkt, Bio-Laden (ungespritzt) -
ſchoͤn geſtoſſen zucker Zucker, fein gestoßen - - -
etlich ſchoͤn Roͤßlen etliche schöne Rosenblüten (klein gehackt) - Wochenmarkt, Bio-Laden (ungespritzt) -
ſchoͤne Roſenbletter / der dicken Roſen schöne Rosenblätter der dicken Rosen - Wochenmarkt, Bio-Laden (ungespritzt) -
Muſcat 1 Lot Muskatnuss, grob gestoßen 15 g gut sortierter Supermarkt, Online-Gewürzhandel -
Naͤgelen 1 Lot Gewürznelken, grob gestoßen 15 g gut sortierter Supermarkt, Online-Gewürzhandel -
Zimetroͤꝛen 1 Lot Zimt, grob gestoßen 15 g gut sortierter Supermarkt, Online-Gewürzhandel -
ein pfund zu⸗cker Zucker 500 g - -

Welches Gericht ist das? Ein zweiteiliges Vorratsrezept aus dem Vorratshaltungs-Kapitel des Staindl. Der erste Teil ist ein sonnengereifter Rosensirup: ausgepresster Rosensaft wird mit Zucker vermischt und mehrere Tage in der Sonne ausgereift - ein Vorläufer heutiger Rosensirupe (vergleichbar mit persischem Sharbat-e Gol oder historischen Rosenkonfitüren). Der kurze zweite Absatz gehört inhaltlich zum vorangehenden Rezept: Er zeigt, wie man aus Muskat, Nelken oder Zimt dieselben Zucker-Zeltlein herstellt, die dort bereits für Ingwer beschrieben sind - keine eigenständige "Gewürzzucker"-Mischung mit Lebkuchen als Zutat.

Rosensaft: wie die Sonne arbeitet. Rosenblüten werden zerstoßen, der Saft durch ein Tuch gepresst und mit gestoßenem Zucker vermischt, bis die Masse musig (breiig) wird. Beim mehrtägigen Stehen in der Sonne wandelt der hohe Zuckeranteil den Ansatz in eine haltbare, sirupartige Masse; tägliches Umrühren verteilt die Feuchtigkeit gleichmäßig und verhindert Schimmel an der Oberfläche.

Zucker-Zeltlein: drei weitere Geschmacksrichtungen. Der Anschluss "gleich wie die Ingwer" verweist auf das vorangehende Rezept, in dem Zucker mit Rosenwasser aufgekocht, zu Täfelchen ausgegossen und mit Gewürz vermischt wird. Für Muskat-, Nelken- und Zimt-Zeltlein gilt dieselbe Machart und dasselbe Verhältnis: ein Lot des jeweiligen Gewürzes auf ein Pfund Zucker.

Praxis. Presse den Rosensaft durch ein sauberes Passiertuch und rühre gestoßenen Zucker ein, bis die Masse breiig wird. Decke das Glas nur mit einem Tuch ab, statt es luftdicht zu verschließen - bei zehn Tagen Sonnenwärme kann der Ansatz leicht gären, und ein Tuch lässt entstehende Gärungsluft entweichen. Für die Zeltlein-Variante: Muskat, Nelken oder Zimt grob stoßen und im Verhältnis 1 Lot Gewürz auf 500 g geschmolzenen Zucker einrühren (Herstellung wie beim Ingwer-Zeltlein: Zucker mit wenig Rosenwasser aufkochen, auf einer Marmorplatte ausgießen, vor dem Erstarren das Gewürz untermischen).

Was ist ein 'Lot' und wie viel ist das?

Ein Lot war eine historische Maßeinheit, die je nach Region variierte. Im süddeutschen Raum, wie hier in Augsburg, entsprach ein Lot etwa 15 bis 16 Gramm.

Was ist mit 'Labung' gemeint?

Eine Labung ist eine Stärkung oder Erfrischung. Im Kontext dieses Rezepts bedeutet es, dass der Rosensaft als belebendes oder durstlöschendes Mittel dienen kann.

Was sind 'Zeltlen' in diesem Rezept?

'Zeltlen' (Zeltlein) sind hier keine Zutat, sondern das fertige Produkt: kleine, feste Zuckertäfelchen, die mit Rosenwasser angesetzt und mit Gewürz aromatisiert werden - genau wie die Ingwer-Zeltlein im vorangehenden Rezept. Aus Muskat, Nelken oder Zimt entstehen so weitere Geschmacksvarianten desselben Konfekts.

Ist dieses Rezept für die Lagerküche / das Mittelaltermarkt-Lager geeignet?

Nein - Dieses Rezept erfordert eine mehrtägige Exposition an der Sonne (insgesamt 10 Tage), um den Rosensaft zu ziehen und zu konservieren. Dies ist für die kurze Dauer eines Mittelaltermarktes nicht praktikabel.

Aus welcher Zeit und woher stammt dieses Rezept?

Dieses Rezept stammt aus „Das Kochbuch des Balthasar Staindl“ (Augsburg - Druckort). Das erste gedruckte Kochbuch dieser Sammlung, das sich ausdrücklich an Leute ohne Küchenmeister im Haus richtet: 1545 in Augsburg bei Hainrich Stainer erschienen, verfasst von Balthasar Staindl aus Dillingen. Acht Bücher mit 294 Rezepten - von Mandelspeisen über Fisch, Fleisch und Gebäck bis zu Suppen, dazu ein Anhang über Wein und Essig. Es lief so gut, dass bis 1596 neun Auflagen folgten, alle in Augsburg. Damit steht es neben dem Kochbuch der Sabina Welserin (1553) und dem der Maria Stenglerin (1554): dieselbe Stadt, dasselbe Jahrzehnt, aber ein bürgerlicher Haushalt statt eines Patrizierhauses.

Roſenſafft zuͦmachen. ccvpviij. eSchneid Roſen / wie zum Roſat / ſtoß nur klain / drucks durch ein ſchoͤns weiß tuͤchlen / den ſafft dar auß / nimb ſchoͤn geſtoſſen zucker / ruͤrs darein / biß er muͤß⸗ let werd / thuͦ in in ain glaß / verbinds / ſetz dꝛey tag an ein Suñ / ſtoß etlich ſchoͤn Roͤßlen darunder / muͤſſen klein ge hackt ſein / ruͤrs darunder / laß nur ſiben tag an der Sunn ſteen / ruͤr in all tag durch einander / iſt auch für ain labung man mag wol ſchoͤne Roſenbletter / der dicken Roſendar ein thuͦn / eh mans an die Suñ ſetzt. Item man macht von Muſcat / Naͤgelen / Zimetroͤꝛen Zeltlen / gleich wie die Ingber / allweg auff ein pfund zu⸗ cker / ain lot gewirtz.
Roſat

Ein Rosat ist ein historisches Präparat aus Rosenblüten und Zucker (Rosenzucker), oft zu einer Paste oder zu kleinen Pillen verarbeitet und als Stärkungsmittel verwendet.

tuͤchlen

Ein tuͤchlen ist ein kleines Tuch (Tüchlein), durch das der Saft gepresst bzw. abgeseiht wird.

muͤßlet werd

Bedeutet, dass die Masse dickflüssig, breiig oder musig wird.

verbinds

"Verbinden" meint hier: das Glas mit einem Tuch abdecken und zubinden, nicht luftdicht verschließen. So kann beim mehrtägigen Stehen in der Sonne entstehende Gärungsluft entweichen.

labung

Eine Labung ist eine Stärkung oder Erfrischung, oft in Form eines Getränks oder einer kleinen Speise, die Kraft gibt oder den Durst löscht.

Zimetroͤꝛen

Zimtröhren sind Zimtstangen - die gerollte, getrocknete Rinde des Zimtbaums. Für die Zeltlein in diesem Rezept werden sie grob gestoßen unter den Zucker gemischt, nicht im Ganzen verwendet.

Zeltlen

Zeltlen (Zeltlein) sind kleine, feste Zuckertäfelchen, die mit Rosenwasser angesetzt und mit Gewürz aromatisiert werden - die Ingwer-Variante ist im vorangehenden Rezept beschrieben. Hier entstehen aus Muskat, Nelken oder Zimt weitere Geschmacksvarianten desselben Konfekts.

Druck
Ein künstlichs vnd nutzlichs Kochbuch, vormahlens nie so leicht Mann vnd Frawen personen von jnen selbst zülernen ...
Teil
Das siebte Buch: Vorratshaltung
Folio
Fol. 041r
Sprache
Frühneuhochdeutsch (schwäbisch/augsburgisch, Mitte 16. Jh.)
Entstehung
Augsburg (Druckort); Autor aus Dillingen, 1545

Normdaten der Zutaten

Zuordnung der historischen Zutatennamen zu Wikidata-Konzepten, auf Grundlage des CoReMA-Zutatenindex. Mehrere Konzepte bedeuten: die Lesart ist nicht entschieden.

Roſenrose Q34687
etlich ſchoͤn Roͤßlenrose Q34687
Muſcatnutmeg Q83165
ein pfund zu⸗ckerunrefined cane sugar Q57656231

Lesarten

Mediävistische Texte sind oft mehrdeutig. Hier die Stellen, an denen wir uns für eine Lesart entscheiden mussten - mit den plausiblen Alternativen.

LesartZubereitung der Gewürze (Muskat, Nelken, Zimt)

Gewählte Lesart: Grob gestoßen, wie im vorangehenden Rezept für die dortigen Zeltlein-Gewürze angegeben ("magst stoßen grob").

Andere mögliche Lesart:

  • Fein gerieben bzw. gemahlen, wie moderne Gewürzpulver. - An dieser Stelle nennt der Text selbst kein Zubereitungsverb; die Lesart "grob gestoßen" stützt sich auf die Parallelanweisung im vorangehenden Rezept, nicht auf einen eigenen Beleg in diesem Absatz.

Originalwerk (~1545) gemeinfrei.

Bildquelle
Fol. 041r (gedruckte Blattzählung XLI recto), Regensburg, Staatliche Bibliothek, 999/Philos.1921/1922; bereitgestellt durch die Bayerische Staatsbibliothek München (bsb11110687) - NoC-NC 1.0 Quelle öffnen
Transkription
Eigenes Kraken-OCR (german_print.mlmodel, 112 Scans) - das BSB-Bibliotheks-OCR war zu fehlerhaft. Link öffnen
Übersetzung & Anmerkungen
CC BY-SA 4.0 fyndling.de
LagerkücheLagerküche
Nein - Dieses Rezept erfordert eine mehrtägige Exposition an der Sonne (insgesamt 10 Tage), was im Lager nicht praktikabel ist. Es handelt sich um eine Vorratsspeise zur Konservierung.
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Stand dieser Fassung: 10.09.2026. Wir überarbeiten die Übersetzungen laufend; beim Zitieren bitte das Datum mit angeben.