Ein künstlichs vnd nutzlichs Kochbuch, vormahlens nie so leicht Mann vnd Frawen personen von jnen selbst zülernen ... · Augsburg (Druckort); Autor aus Dillingen · 1545
Schneide Rosen, wie für Rosat, stoße sie nur klein und drücke den Saft durch ein schönes weißes Tüchlein. Nimm schön gestoßenen Zucker und rühre ihn darein, bis er musig wird. Fülle es in ein Glas, binde es mit einem Tuch zu und setze es drei Tage an die Sonne.
Stoße etliche schöne Rosenblüten klein gehackt darunter und rühre sie ein. Lasse es nur sieben Tage an der Sonne stehen und rühre es jeden Tag durcheinander. Dies ist auch für eine Labung gut. Man kann auch schöne Rosenblätter von den dicken Rosen hineintun, ehe man es an die Sonne setzt.
Zucker-Zeltlein: Ebenso macht man aus Muskat, Nelken oder Zimt Zucker-Zeltlein, genau wie die Ingwer-Zeltlein zuvor. Dabei nimmst du immer auf ein Pfund Zucker ein Lot von dem jeweiligen Gewürz.
| Original | Modern | Mengenangabe | Wo kaufen | Alternative |
|---|---|---|---|---|
| Roſen | Rosenblüten | - | Wochenmarkt, Bio-Laden (ungespritzt) | - |
| ſchoͤn geſtoſſen zucker | Zucker, fein gestoßen | - | - | - |
| etlich ſchoͤn Roͤßlen | etliche schöne Rosenblüten (klein gehackt) | - | Wochenmarkt, Bio-Laden (ungespritzt) | - |
| ſchoͤne Roſenbletter / der dicken Roſen | schöne Rosenblätter der dicken Rosen | - | Wochenmarkt, Bio-Laden (ungespritzt) | - |
| Muſcat | 1 Lot Muskatnuss, grob gestoßen | 15 g | gut sortierter Supermarkt, Online-Gewürzhandel | - |
| Naͤgelen | 1 Lot Gewürznelken, grob gestoßen | 15 g | gut sortierter Supermarkt, Online-Gewürzhandel | - |
| Zimetroͤꝛen | 1 Lot Zimt, grob gestoßen | 15 g | gut sortierter Supermarkt, Online-Gewürzhandel | - |
| ein pfund zu⸗cker | Zucker | 500 g | - | - |
Welches Gericht ist das? Ein zweiteiliges Vorratsrezept aus dem Vorratshaltungs-Kapitel des Staindl. Der erste Teil ist ein sonnengereifter Rosensirup: ausgepresster Rosensaft wird mit Zucker vermischt und mehrere Tage in der Sonne ausgereift - ein Vorläufer heutiger Rosensirupe (vergleichbar mit persischem Sharbat-e Gol oder historischen Rosenkonfitüren). Der kurze zweite Absatz gehört inhaltlich zum vorangehenden Rezept: Er zeigt, wie man aus Muskat, Nelken oder Zimt dieselben Zucker-Zeltlein herstellt, die dort bereits für Ingwer beschrieben sind - keine eigenständige "Gewürzzucker"-Mischung mit Lebkuchen als Zutat.
Rosensaft: wie die Sonne arbeitet. Rosenblüten werden zerstoßen, der Saft durch ein Tuch gepresst und mit gestoßenem Zucker vermischt, bis die Masse musig (breiig) wird. Beim mehrtägigen Stehen in der Sonne wandelt der hohe Zuckeranteil den Ansatz in eine haltbare, sirupartige Masse; tägliches Umrühren verteilt die Feuchtigkeit gleichmäßig und verhindert Schimmel an der Oberfläche.
Zucker-Zeltlein: drei weitere Geschmacksrichtungen. Der Anschluss "gleich wie die Ingwer" verweist auf das vorangehende Rezept, in dem Zucker mit Rosenwasser aufgekocht, zu Täfelchen ausgegossen und mit Gewürz vermischt wird. Für Muskat-, Nelken- und Zimt-Zeltlein gilt dieselbe Machart und dasselbe Verhältnis: ein Lot des jeweiligen Gewürzes auf ein Pfund Zucker.
Praxis. Presse den Rosensaft durch ein sauberes Passiertuch und rühre gestoßenen Zucker ein, bis die Masse breiig wird. Decke das Glas nur mit einem Tuch ab, statt es luftdicht zu verschließen - bei zehn Tagen Sonnenwärme kann der Ansatz leicht gären, und ein Tuch lässt entstehende Gärungsluft entweichen. Für die Zeltlein-Variante: Muskat, Nelken oder Zimt grob stoßen und im Verhältnis 1 Lot Gewürz auf 500 g geschmolzenen Zucker einrühren (Herstellung wie beim Ingwer-Zeltlein: Zucker mit wenig Rosenwasser aufkochen, auf einer Marmorplatte ausgießen, vor dem Erstarren das Gewürz untermischen).
Ein Lot war eine historische Maßeinheit, die je nach Region variierte. Im süddeutschen Raum, wie hier in Augsburg, entsprach ein Lot etwa 15 bis 16 Gramm.
Eine Labung ist eine Stärkung oder Erfrischung. Im Kontext dieses Rezepts bedeutet es, dass der Rosensaft als belebendes oder durstlöschendes Mittel dienen kann.
'Zeltlen' (Zeltlein) sind hier keine Zutat, sondern das fertige Produkt: kleine, feste Zuckertäfelchen, die mit Rosenwasser angesetzt und mit Gewürz aromatisiert werden - genau wie die Ingwer-Zeltlein im vorangehenden Rezept. Aus Muskat, Nelken oder Zimt entstehen so weitere Geschmacksvarianten desselben Konfekts.
Nein - Dieses Rezept erfordert eine mehrtägige Exposition an der Sonne (insgesamt 10 Tage), um den Rosensaft zu ziehen und zu konservieren. Dies ist für die kurze Dauer eines Mittelaltermarktes nicht praktikabel.
Dieses Rezept stammt aus „Das Kochbuch des Balthasar Staindl“ (Augsburg - Druckort). Das erste gedruckte Kochbuch dieser Sammlung, das sich ausdrücklich an Leute ohne Küchenmeister im Haus richtet: 1545 in Augsburg bei Hainrich Stainer erschienen, verfasst von Balthasar Staindl aus Dillingen. Acht Bücher mit 294 Rezepten - von Mandelspeisen über Fisch, Fleisch und Gebäck bis zu Suppen, dazu ein Anhang über Wein und Essig. Es lief so gut, dass bis 1596 neun Auflagen folgten, alle in Augsburg. Damit steht es neben dem Kochbuch der Sabina Welserin (1553) und dem der Maria Stenglerin (1554): dieselbe Stadt, dasselbe Jahrzehnt, aber ein bürgerlicher Haushalt statt eines Patrizierhauses.
Ein Rosat ist ein historisches Präparat aus Rosenblüten und Zucker (Rosenzucker), oft zu einer Paste oder zu kleinen Pillen verarbeitet und als Stärkungsmittel verwendet.
Ein tuͤchlen ist ein kleines Tuch (Tüchlein), durch das der Saft gepresst bzw. abgeseiht wird.
Bedeutet, dass die Masse dickflüssig, breiig oder musig wird.
"Verbinden" meint hier: das Glas mit einem Tuch abdecken und zubinden, nicht luftdicht verschließen. So kann beim mehrtägigen Stehen in der Sonne entstehende Gärungsluft entweichen.
Eine Labung ist eine Stärkung oder Erfrischung, oft in Form eines Getränks oder einer kleinen Speise, die Kraft gibt oder den Durst löscht.
Zimtröhren sind Zimtstangen - die gerollte, getrocknete Rinde des Zimtbaums. Für die Zeltlein in diesem Rezept werden sie grob gestoßen unter den Zucker gemischt, nicht im Ganzen verwendet.
Zeltlen (Zeltlein) sind kleine, feste Zuckertäfelchen, die mit Rosenwasser angesetzt und mit Gewürz aromatisiert werden - die Ingwer-Variante ist im vorangehenden Rezept beschrieben. Hier entstehen aus Muskat, Nelken oder Zimt weitere Geschmacksvarianten desselben Konfekts.
Zuordnung der historischen Zutatennamen zu Wikidata-Konzepten, auf Grundlage des CoReMA-Zutatenindex. Mehrere Konzepte bedeuten: die Lesart ist nicht entschieden.
| Roſen | rose Q34687 |
| etlich ſchoͤn Roͤßlen | rose Q34687 |
| Muſcat | nutmeg Q83165 |
| ein pfund zu⸗cker | unrefined cane sugar Q57656231 |
Mediävistische Texte sind oft mehrdeutig. Hier die Stellen, an denen wir uns für eine Lesart entscheiden mussten - mit den plausiblen Alternativen.
Zubereitung der Gewürze (Muskat, Nelken, Zimt)
Gewählte Lesart: Grob gestoßen, wie im vorangehenden Rezept für die dortigen Zeltlein-Gewürze angegeben ("magst stoßen grob").
Andere mögliche Lesart:
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Stand dieser Fassung: 10.09.2026. Wir überarbeiten die Übersetzungen laufend; beim Zitieren bitte das Datum mit angeben.