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Grober Rosenhonig

Wolfenbüttel, Herzog-August-Bibliothek, Cod. Guelf. 42.3-5. Aug. 4° · Entstehungsort unbekannt · 1543

Gewürz / SauceGewürz / SauceLagerkücheLagerküche-tauglichLesartViel InterpretationsspielraumEinfachKorrekturBearbeitungsstand 8/10
Zubereitungszeit20 Min.Portionenca. 1-1,5 Liter (mehrere kleine Büchslein)BuchWolfenbüttel, Herzog-August-Bibliothek, Cod. Guelf. 42.3-5. Aug. 4° (~1543)

Einen groben Rosenhonig herzustellen:

Nimm 300 Kohlrosenknospen und stoße sie klein in einem Mörser. Nimm danach ein Maß Honig und kläre ihn sauber (schäume ihn ab). Gib die gestoßenen Rosen hinein und lass es so lange sieden, wie ein hartes Ei kocht. Gib es danach in ein Büchslein.

OriginalModernMengenangabeWo kaufenAlternative
300 kolrosen knopff Kohlrosenknospen 300 Garten, Bio-Laden andere ungespritzte Rosenknospen
ein Mass honig ein Maß Honig - - -

Welches Gericht/Konfekt ist das?

Ein mit Honig gebundenes, grob gestoßenes Rosenkonfekt: Rosenknospen werden im Mörser zerstoßen, in geklärten Honig eingerührt, kurz aufgekocht und in ein Büchslein gefüllt - kein Kochgericht im engeren Sinn, sondern ein haltbares Konfekt beziehungsweise Präparat. Verwandt ist der heutige Rosenhonig/Rosenblütenhonig aus dem Bio-/Reformhandel sowie, weiter entfernt, die orientalische Tradition der Rosenblütenkonfitüre (etwa Gulkand) - Rosenblätter oder -knospen in Zucker oder Honig eingekocht.

Was sind 'kolrosen knopff'?

Wir lesen die Zutat als Knospen der Kohlrose (Rosa centifolia), einer alten, dichtblättrigen Rosensorte - das ist die von Grimm belegte Hauptbedeutung, gestützt durch den Rezepttitel 'Rosenhonig' (nicht 'Mohnhonig') und durch den Text selbst: wenige Worte später nennt er dieselben zerstoßenen Knospen 'die gestossen rosen' statt 'mon' (dem zeitgenössischen Wort für Mohn) - der Schreiber löst die Frage damit praktisch selbst auf. Daneben belegt Pritzels botanisches Wörterbuch 'kolrosen' auch als Klatschmohn (Papaver rhoeas); diese Nebenbedeutung bleibt angesichts des textinternen Rückverweises die deutlich schwächere Lesart.

Was heißt 'verfaimb'?

'Verfaimb' heißt 'abschäumen' beziehungsweise 'klären'. Im selben Buch findet sich in einem anderen Rezept fast dieselbe Formel - 'nimm ein Maß Honig ... und schäume es gut ab' -, was diese Lesart stark stützt; ebenso Schmellers Wörterbuchbeleg 'den kessel verfaimen' (den Kessel vom Schaum reinigen).

Praxis.

Rosenknospen im Mörser fein zerstoßen - das vergrößert die Oberfläche, damit beim Sieden mehr vom Aroma in den Honig übergeht. Honig in einem Topf erhitzen und den aufsteigenden Schaum abschöpfen, bis er klar ist. Die zerstoßenen Knospen einrühren und etwa 8 bis 10 Minuten köcheln lassen - so lange, wie ein Ei zum Hartkochen braucht. Nicht länger sieden, sonst dickt der Honig zu stark ein. Heiß in ein sauberes Glas oder Büchslein füllen; ein 'Maß' Honig (etwa 1 bis 1,5 Liter) ergibt entsprechend viel fertigen Rosenhonig.

Wo bekomme ich Kohlrosenknospen?

Kohlrosenknospen findest du am besten im eigenen Garten, wenn du ungespritzte Rosen hast. Alternativ kannst du auch andere ungespritzte Rosenknospen verwenden oder in gut sortierten Bio-Läden nach essbaren Rosenprodukten suchen.

Ist dieses Rezept für die Lagerküche / das Mittelaltermarkt-Lager geeignet?

Ja, Goldstandard. Die Zubereitung ist einfach und schnell am offenen Feuer oder auf einem Kocher möglich. Honig ist sehr lagerstabil, und die Rosenknospen können frisch gesammelt oder getrocknet mitgebracht werden.

Was bedeutet 'ein Maß' im Rezept?

Ein ‚Maß‘ ist eine historische Volumeneinheit, die regional und zeitlich variierte. Typischerweise entsprach ein Maß etwa 1 bis 1,5 Litern. Für dieses Rezept kannst du dich an dieser Größenordnung orientieren.

Was bedeutet 'verfaimb' im Rezept?

'Verfaimb' heißt 'abschäumen' beziehungsweise 'klären': Honig schäumt beim Erhitzen auf, und das Abschöpfen ergibt ein saubereres Produkt - genau das verlangt der Text mit dem Zusatz 'sauber' auch ausdrücklich. Im selben Buch (Wolfenbütteler Kunst- und Artzneibuch) taucht in einem anderen Rezept fast dieselbe Formulierung auf: 'nimm ein Maß Honig ... und schäume es gut ab' - das stützt diese Lesart zusätzlich.

Aus welcher Zeit und woher stammt dieses Rezept?

Dieses Rezept stammt aus dem Wolfenbüttel, Herzog-August-Bibliothek, Cod. Guelf. 42.3-5. Aug. 4° (Entstehungsort unbekannt). CoReMA-Handschrift Wo10 (Wolfenbüttel, Herzog-August-Bibliothek, Cod. Guelf. 42.3-5 Aug. 4°): "Kunst- und Artzneibuch von Ludwigen Neer zusamengetragenn. Anno 1543" - ein 1543 datiertes Kunst- und Arzneibuch mit Kochrezept-Anteil. Enthält ein gewürztes Met-Rezept ("Wie man ain Met sieden soll") mit ganzer Muskatnuss und Zimtstangen, im Wasser eingekocht und mit geläutertem Honig fertiggestellt.

Ein grob Rosenhonig zumachen Nimb 300 kolrosen knopff stoss sie klain In ainem Morser vnd nim darnach ein Mass honig vnd verfaimb es sau= ber vnnd thue die gestossen rosen dar= ein vnnd lass sieden als lanng als ain hortt Ay vnnd thus dar= nach In ain buchslin
kolrosen knopff

Die ‚Kohlrose‘ (Rosa centifolia) ist eine alte, dichtblättrige Rosensorte - nach Grimms Wörterbuch die Hauptbedeutung von ‚Kolrose‘, gestützt durch den Rezepttitel ‚Rosenhonig‘. Verwendet werden hier die Knospen. Der Text selbst löst die Frage zudem auf: wenige Worte später bezeichnet er dieselben zerstoßenen Knospen als ‚die gestossen rosen‘ - der Schreiber greift also selbst auf ‚rosen‘ zurück, nicht auf ‚mon‘ (das zeitgenössische Wort für Mohn). Daneben ist ‚Kolrose‘ regional auch als Bezeichnung für Klatschmohn (Papaver rhoeas) belegt (Pritzel); diese Nebenbedeutung bleibt angesichts des textinternen Rückverweises die deutlich schwächere Option.

ein Mass

Ein ‚Maß‘ war eine historische Volumeneinheit, deren Größe regional variierte, typischerweise zwischen 1 und 1,5 Litern.

hortt Ay

Die Kochzeit ‚als lang als ain hortt Ay‘ (so lange wie ein hartes Ei) ist eine im Korpus verbreitete mittelalterliche Zeitangabe, die etwa 8-10 Minuten bedeutet.

buchslin

Ein ‚Büchslein‘ ist ein kleines Gefäß oder eine Dose, die zur Aufbewahrung des Honigs dient.

grob

Der Titel ‚grob‘ bezieht sich vermutlich auf die ungeseihte, stückige Endkonsistenz des fertigen Honigs, nicht auf den Zerkleinerungsgrad der Knospen - die werden laut Anweisung ausdrücklich fein (‚klain‘) im Mörser gestoßen.

Handschrift
Wolfenbüttel, Herzog-August-Bibliothek, Cod. Guelf. 42.3-5. Aug. 4°
Folio
Fol. 259v
Sprache
Frühneuhochdeutsch
Entstehung
Entstehungsort unbekannt, 1543
CoReMA-Handschrift

Normdaten der Zutaten

Zuordnung der historischen Zutatennamen zu Wikidata-Konzepten, auf Grundlage des CoReMA-Zutatenindex. Mehrere Konzepte bedeuten: die Lesart ist nicht entschieden.

ein Mass honighoney Q10987

Lesarten

Mediävistische Texte sind oft mehrdeutig. Hier die Stellen, an denen wir uns für eine Lesart entscheiden mussten - mit den plausiblen Alternativen.

Lesartverfaimb

Gewählte Lesart: Wir lesen 'verfaimb' als 'abschäumen/klären' (Honig vom aufsteigenden Schaum befreien). Das ist stark belegt: im selben Buch findet sich in einem anderen Rezept die fast wortgleiche Formel 'nimb ... ein mass honig ... vnd verfaimbs wol' - dort ausdrücklich als 'schäume es gut ab' übersetzt. Schmeller belegt zudem 'den kessel verfaimen' (den Kessel vom Schaum reinigen).

Andere mögliche Lesart:

  • 'verfeinern' - Weniger spezifisch als 'abschäumen' und erklärt das nachfolgende 'sauber' schlechter; angesichts der fast wortgleichen Parallele im selben Buch ('verfaimbs wol' = 'schäume gut ab') ist diese Lesart nicht vorzuziehen.

Lesartkolrosen knopff

Gewählte Lesart: Wir übersetzen 'kolrosen' als Kohlrose (Rosa centifolia), eine alte, dichtblättrige Rosensorte - nach Grimms Wörterbuch die Hauptbedeutung, gestützt durch den Rezepttitel 'Rosenhonig' (nicht 'Mohnhonig') UND durch einen textinternen Rückverweis: der Transkript-Satz nennt dieselben zerstoßenen Knospen wenige Worte später 'die gestossen rosen' - der Schreiber selbst identifiziert sie also als Rosen, nicht mit dem ihm verfügbaren Wort 'mon' (Mohn).

Andere mögliche Lesart:

  • Pritzels botanisches Wörterbuch listet 'kolrosen' auch als Papaver rhoeas (Klatschmohn); Grimm nennt daneben eine niederdeutsche Nebenbedeutung 'Klatschrose' in dieselbe Richtung. - Diese Lesart stünde im Widerspruch zum Titel ('Rosenhonig' aus Mohnknospen wäre inkonsistent) UND zum textinternen Rückverweis auf 'rosen' - bleibt deshalb eine schwache, am Wort allein isoliert nicht auszuschließende, aber im Rezeptkontext nicht gestützte Nebenbedeutung.

Originalwerk (~1543) gemeinfrei.

Bildquelle
Fol. 259v, Wolfenbüttel, Herzog-August-Bibliothek, Cod. Guelf. 42.3-5. Aug. 4°; bereitgestellt durch CoReMA - Cooking Recipes of the Middle Ages, Universität Graz
Transkription
CoReMA - Cooking Recipes of the Middle Ages (Uni Graz), Wo10 (Wolfenbüttel, Herzog-August-Bibliothek, Cod. Guelf. 42.3-5. Aug. 4°), CC BY 4.0 Link öffnen
Übersetzung & Anmerkungen
CC BY-SA 4.0 fyndling.de
LagerkücheLagerküche · ⭐ Gold - vollständig lagerküchentauglich
Im Topf am Feuer in kurzer Zeit fertig, robuste Zutaten ohne Kühlbedarf. Die Rosenknospen können frisch gesammelt oder getrocknet mitgebracht werden.
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Stand dieser Fassung: 20.08.2026. Wir überarbeiten die Übersetzungen laufend; beim Zitieren bitte das Datum mit angeben.