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Rosenhonig zubereiten

Ein künstlichs vnd nutzlichs Kochbuch, vormahlens nie so leicht Mann vnd Frawen personen von jnen selbst zülernen ... · Augsburg (Druckort); Autor aus Dillingen · 1545

RezeptSonstigesLesartViel InterpretationsspielraumMittelKorrekturBearbeitungsstand 9/10
Zubereitungszeit90 Min.Portionenca. 1 LiterBuchDas Kochbuch des Balthasar Staindl (~1545)

Nimm ein Maß destilliertes Rosenwasser. Setze es in einer gut bedeckten Kanne in siedendes Wasser.

Sobald es gut heiß ist, gib ein halbes Pfund rote Rosenblätter hinein. Lasse es mit den Rosen gut sieden. Presse das Wasser von den Rosen ab und wirf die Rosen weg. Gib dann andere Rosen hinein, so viel wie zuvor. Dies tue fünfmal.

Darnach nimm zu dem Rosenwasser drei Kannen Honig, der schön gesotten und gefeimt ist. Mische alles untereinander und setze es wieder auf, bis es dick wird, wie der Honig zuvor gewesen ist.

Dieser Rosenhonig ist für viele Dinge nützlich und gut, besonders für den, der unter Hitzebeschwerden leidet, auch innerlich angewendet, sowie für den, der an der Bräune leidet. Man kann es auch nur halb so viel machen.

OriginalModernMengenangabeWo kaufenAlternative
ein maß gedıſtelierts Roſenwaſſer 1 Liter destilliertes Rosenwasser 1 l gut sortierter Supermarkt, Apotheke -
ein halbpfund rote Roſenbleter rote Rosenblätter 250 g Wochenmarkt, Bio-Laden, Online-Handel (getrocknet) Getrocknete Rosenblätter (Menge anpassen)
dꝛey kandel honig 3 Liter Honig 3 l - -

Welches Gericht ist das? Rosenhonig (Rhodomel) ist ein Vorrats-Honigpräparat, kein Dessert im modernen Sinn: destilliertes Rosenwasser wird in fünf Durchgängen mit frischen roten Rosenblättern aufgekocht und jeweils abgepresst, der Auszug anschließend mit geklärtem Honig eingedickt. Verwandte Zubereitungen - Kräuter oder Blüten mehrfach in einer Flüssigkeit ausziehen und mit Honig eindicken - reichen als Oxymel/Melitum bis in die antike und arabische Pharmazie zurück und leben als Rosenhonig oder Rosenblätter-Sirup bis heute in der Hausmittel-Tradition fort.

Die fünf Durchgänge. Jede der fünf Chargen frischer Rosenblätter gibt neues Aroma an dasselbe Rosenwasser ab; die ausgelaugten Blätter werden abgepresst und verworfen, bevor die nächste frische Charge hinzukommt - eine Anreicherungstechnik, keine bloße Wiederholung. Das Wasserbad (die bedeckte Kanne im siedenden Wasser) hält die Temperatur unter der des offenen Feuers und schont das flüchtige Rosenaroma.

Zur Menge. Der Text nennt ein halbes Pfund (rund 250 Gramm) frische Rosenblätter pro Durchgang, fünfmal wiederholt - macht in Summe rund 1,25 Kilogramm für den Einkauf, aber nie ein Kilogramm auf einmal in der Kanne.

Praxis. Destilliertes Rosenwasser in einer bedeckten Kanne im Wasserbad erhitzen. Rund 250 g frische (oder getrocknete, Menge anpassen) rote Rosenblätter einlegen und aufkochen lassen, dann abpressen und die ausgelaugten Blätter verwerfen. Den Vorgang viermal mit frischen Blättern wiederholen, insgesamt fünf Durchgänge. Anschließend mit geklärtem, abgeschäumtem Honig verrühren und bei mäßiger Hitze einkochen, bis die ursprüngliche Honigdicke wieder erreicht ist.

Was ist eine ‚Kandel‘?

Eine Kandel war ein mittelalterliches Gefäß, das als Maßeinheit diente. Das Volumen konnte regional variieren, lag aber oft bei etwa 1 bis 2 Litern. Für dieses Rezept wurde eine Kandel mit 1 Liter angesetzt.

Wofür wurde Rosenhonig verwendet?

Der Text nennt den Rosenhonig nützlich für den, der unter Hitzebeschwerden leidet, für die innerliche Anwendung sowie gegen die Bräune (eine Halskrankheit). Das folgt der zeitgenössischen Diätetik, in der Rosenpräparate als kühlend-lindernd bei solchen Leiden galten - eine historische Quellenaussage, kein geprüftes Heilmittel. Zudem diente Rosenhonig als Süßungsmittel und zur Aromatisierung von Speisen.

Ist dieses Rezept für die Lagerküche geeignet?

Nein. Der Text stellt den Rosenhonig ausdrücklich als innerlich eingenommenes Mittel gegen Beschwerden vor, nicht als reine Speise - eine solche Anwendung geben wir nicht als Anleitung zur Selbstmedikation weiter. Die Zutaten selbst (Rosenwasser, Rosenblätter, Honig) sind unbedenklich; betroffen ist allein die Rahmung als Heilmittel.

Aus welcher Zeit und woher stammt dieses Rezept?

Dieses Rezept stammt aus „Das Kochbuch des Balthasar Staindl“ (Augsburg - Druckort). Das erste gedruckte Kochbuch dieser Sammlung, das sich ausdrücklich an Leute ohne Küchenmeister im Haus richtet: 1545 in Augsburg bei Hainrich Stainer erschienen, verfasst von Balthasar Staindl aus Dillingen. Acht Bücher mit 294 Rezepten - von Mandelspeisen über Fisch, Fleisch und Gebäck bis zu Suppen, dazu ein Anhang über Wein und Essig. Es lief so gut, dass bis 1596 neun Auflagen folgten, alle in Augsburg. Damit steht es neben dem Kochbuch der Sabina Welserin (1553) und dem der Maria Stenglerin (1554): dieselbe Stadt, dasselbe Jahrzehnt, aber ein bürgerlicher Haushalt statt eines Patrizierhauses.

Roſen honig zuͦ machen. cexliv. Nimb ein maß gedıſtelierts Roſenwaſſer / ſetz es inn einer wolbedeckten kandel inn ain ſiedens waſſer, ſo es nun wol haiß iſt / ſo thuͤ ein halbpfund rote Roſenble⸗ ter darein / laß es mit den Roſen wol ſieden / bꝛeß das waſ⸗ ſer von den Roſen / wirff die Roſen hinweck / thuͦ ander Ro ſen darein / ſouil als voꝛ / das thuͤ fünffmal / darnach nimb zuͦ dem Roſenwaſſer dꝛey kandel honig / das ſchoͤn geſotte vnd Das ſibendt Buͦch. XLV vnd gefaimt iſt / miſch vnder einander / vnd ſetz biß wider dick wirt / wie das honig / voꝛ geweſen iſt / diß Roſen honig iſt gar zuͦuil dingen nutz / vnd guͦt / ſonderlich wem wee im haiß iſt / vnd auch fñwendig / auch wer die bꝛeine hat / ma mag es wol halbmig ſouil machen.
gedıſtelierts Roſenwaſſer

Destilliertes Rosenwasser, oft als Heilmittel oder zur Aromatisierung verwendet.

kandel

Ein Gefäß, das je nach Region und Zeit unterschiedliche Volumina haben konnte, oft aber im Bereich von 1-2 Litern lag. Hier als Maßeinheit verwendet, geschätzt auf 1 Liter pro Kandel.

geſotte vnd gefaimt

Gekocht und abgeschäumt, um Verunreinigungen zu entfernen und den Honig zu klären.

wee im haiß

Wörtlich "weh im heiß" - eine Formulierung der zeitgenössischen Humoralpathologie für hitzebedingte Beschwerden, nicht "Hals": dieselbe Schreibung "haiß" erscheint wenige Zeilen zuvor im selben Rezept eindeutig für "heiß" ("ſo es nun wol haiß iſt").

fñwendig

Eine Abkürzung für „innwendig“, also innerlich.

bꝛeine

Die Bräune, eine Halskrankheit (Angina, Diphtherie) - nicht „Brände“ oder Verbrennungen. Dieselbe Wortform erscheint im Korpus als Verb „bräunen“ (std-034).

Uim

Die Vorlage ist am Rezeptanfang an dieser Stelle beschädigt; wie jedes Rezept dieses Buchs beginnt der Text mit „Nimb“ (Nimm).

chuͦ and

Die Vorlage ist an dieser Stelle schwer lesbar; richtig muss es „thuͦ ander“ (tu andere) heißen - dasselbe Verb erscheint wenige Zeilen zuvor im Rezept korrekt als „thuͤ“.

Druck
Ein künstlichs vnd nutzlichs Kochbuch, vormahlens nie so leicht Mann vnd Frawen personen von jnen selbst zülernen ...
Teil
Das siebte Buch: Vorratshaltung
Folio
Fol. 044v
Sprache
Frühneuhochdeutsch (schwäbisch/augsburgisch, Mitte 16. Jh.)
Entstehung
Augsburg (Druckort); Autor aus Dillingen, 1545

Normdaten der Zutaten

Zuordnung der historischen Zutatennamen zu Wikidata-Konzepten, auf Grundlage des CoReMA-Zutatenindex. Mehrere Konzepte bedeuten: die Lesart ist nicht entschieden.

dꝛey kandel honighoney Q10987

Originalwerk (~1545) gemeinfrei.

Bildquelle
Fol. 044v (gedruckte Blattzählung XLIV verso), Rezept läuft bis 045r, Regensburg, Staatliche Bibliothek, 999/Philos.1921/1922; bereitgestellt durch die Bayerische Staatsbibliothek München (bsb11110687) - NoC-NC 1.0 Quelle öffnen
Transkription
Eigenes Kraken-OCR (german_print.mlmodel, 112 Scans) - das BSB-Bibliotheks-OCR war zu fehlerhaft. Link öffnen
Übersetzung & Anmerkungen
CC BY-SA 4.0 fyndling.de
LagerkücheLagerküche
Nein: Der Text präsentiert den Rosenhonig ausdrücklich als innerlich eingenommenes Mittel gegen Hitzebeschwerden und die Bräune, nicht als reine Kochanweisung - wir geben keine Anleitung zur Selbstmedikation weiter. Die Zutaten selbst (Rosenwasser, Rosenblätter, Honig) sind unbedenklich; das Verbot betrifft allein die Rahmung als Heilmittel, nicht eine Gefahr im Stoff.
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Stand dieser Fassung: 11.09.2026. Wir überarbeiten die Übersetzungen laufend; beim Zitieren bitte das Datum mit angeben.