Augspurger Kochbuoch, worinnen enthalten fürtreffliche Rezepte für Frawen & Junckfrawen · Augsburg · 1554
Nimm die weißen Rosenblätter und zerstoße sie fein in Wasser. Gib die Masse dann in ein Tuch und drücke den Saft in einer Presse heraus. Koche diesen Saft anschließend mit Zucker ein, wie sonst üblich.
| Original | Modern | Mengenangabe | Wo kaufen | Alternative |
|---|---|---|---|---|
| weiſſen Roſen pletlen | Weiße Rosenblätter | - | Garten, Bio-Laden (frisch) | - |
| waſſer | Wasser | - | Leitung | - |
| zucker | Zucker | - | - | - |
Welches Gericht ist das? Ein Rosensirup: Frische weiße Rosenblätter werden im Wasser fein zerstoßen, der Saft durch ein Tuch in einer Presse ausgedrückt und anschließend mit Zucker eingekocht. Im Stenglerin-Buch steht das Rezept nicht allein - Rosenhonig, Weinbeersaft und Veilchensaft folgen demselben Press-und-Einkoch-Muster, dem Grundwortschatz der Vorratshaltung eines Patrizierhaushalts. Die lebende Verwandtschaft reicht bis heute: Rosensirup beziehungsweise Rosenwassersirup gehört als Sharbat-e Gol oder Sirop de rose noch immer zum Repertoire.
Praxis. Die Blütenblätter werden mit wenig Wasser im Mörser fein zerstoßen, bis Aromen und Farbstoffe aus dem Pflanzenmaterial gelöst sind. Anschließend presst man die Masse durch ein Tuch, damit nur der klare Saft übrigbleibt und die festen Blattreste verworfen werden. Diesen Saft kocht man mit Zucker ein, bis er die gewünschte Sirupdicke erreicht - Mengenverhältnis und Kochdauer nennt das Rezept nicht, weil es als bekanntes Handwerk vorausgesetzt wird ("wie sunst"). Frische weiße Rosenblüten sind saisongebunden, und eine Presse führt nicht jedes Lager mit; ein straff ausgewrungenes Tuch tut es ebenso. Der fertige Sirup hält sich dank des Zuckers gut.
Ja, gut geeignet. Die Zutaten sind robust, und die Zubereitung erfordert nur grundlegendes Equipment wie Mörser, Tuch, Presse und einen Topf am Feuer. Das Einkochen kann etwas Zeit in Anspruch nehmen.
Diese Formulierung ist typisch für historische Kochbücher und verweist auf eine allgemein bekannte Zubereitungsweise. Hier ist gemeint, dass der Saft mit Zucker so lange eingekocht wird, bis er die gewünschte Sirup- oder Latwergen-Konsistenz erreicht hat.
Dieses Rezept stammt aus „Das Kochbuch der Maria Stenglerin“. Kochbuch mit Besitzvermerk „Das Kochbuoch Gehört der Junckfraw Maria Stenglerin zu. 1554." Die Originalhandschrift gilt als unauffindbar - weder Thomas Glonings eigene Bibliographie (germcook.pdf) noch der Handschriftencensus noch Wikidata nennen eine Bibliothek oder Signatur, obwohl Glonings Liste bei anderen Handschriften-Kochbüchern die Signatur durchgängig mitführt. Verfügbar ist nur ein 1886 gedruckter Neudruck (Augsburg: Gebr. Reichel, 20 Bl., Fraktur-Neusatz mit Faksimile-Titelblatt der Besitzinschrift), digitalisiert von der Bayerischen Staatsbibliothek. Medium ist deshalb als "druck" gesetzt - Eigenschaft des tatsächlich erhaltenen Exemplars, nicht des verlorenen Originals. Ein Jahr vor Sabina Welserins Kochbuch (saw-*, ebenfalls Augsburg, Handschrift dort bekannt: Staats- und Stadtbibliothek Augsburg, 4° Cod 137) entstanden - starker Twin-Kandidat fürs Review. Eine weitere, grundsätzliche Unsicherheit bleibt: Da die Handschrift verschollen ist, lässt sich bei ungeklärten Hapax-Wörtern (z.B. mst-136 "Fiſchpersperlin", mst-137 "ſechdiſtel") nicht mehr feststellen, ob ein Fehler schon in der Handschrift selbst stand, beim Lesen durch den Herausgeber 1886 entstand oder beim Neusatz - anders als bei reinen OCR-Fehlern lässt sich das nicht gegen ein Referenzbild prüfen. Lesungen bei unbelegten Hapax sollten deshalb als Konjektur markiert bleiben, nicht stillschweigend geglättet werden.
Blättchen, hier speziell Rosenblätter.
Eine Presse zum Ausdrücken von Saft. Dies kann auch ein Tuch sein, das fest ausgewrungen wird.
Einkochen mit Zucker, bis die gewünschte Sirup- oder Latwergen-Konsistenz erreicht ist. Die genaue Menge Zucker und die Kochzeit sind nicht spezifiziert, da dies als allgemeines Wissen vorausgesetzt wird.
Zuordnung der historischen Zutatennamen zu Wikidata-Konzepten, auf Grundlage des CoReMA-Zutatenindex. Mehrere Konzepte bedeuten: die Lesart ist nicht entschieden.
| waſſer | water Q283 |
| zucker | unrefined cane sugar Q57656231 |
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Stand dieser Fassung: 16.09.2026. Wir überarbeiten die Übersetzungen laufend; beim Zitieren bitte das Datum mit angeben.