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Eingelegte Berberitzen

Augspurger Kochbuoch, worinnen enthalten fürtreffliche Rezepte für Frawen & Junckfrawen · Augsburg · 1554

DessertNachspeiseLagerkücheLagerküche-tauglichEinfachKorrekturBearbeitungsstand 8/10
Zubereitungszeit15 Min.Portionen1 Glas (ca. 500 ml)BuchDas Kochbuch der Maria Stenglerin (~1554)

Nimm gut reife Berberitzen und schneide sie auf. Tue die Kerne alle heraus. Gib sie in ein Glas, immer eine Lage Zucker, danach eine Lage Berberitzen.

OriginalModernMengenangabeWo kaufenAlternative
wol zeitig erbſich Reife Berberitzen - Spezialitätenhandel (türkisch/persisch), Gewürzhandel, online - frisch ggf. aus eigener Hecke -
zucker Zucker - - -

Welches Gericht ist das? Berberitzen (Berberis vulgaris, auch Sauerdorn genannt) werden hier roh geschichtet mit Zucker im Glas haltbar gemacht - eine kochlose Zucker-Konservierung für kleine, säuerliche Beeren. Die nächste lebendige Verwandtschaft ist damit kandiertes Beerenkonfekt, wie es etwa in der persischen Küche bis heute mit Berberitzen (dort als Zereshk) gemacht wird.

Wie viel Zucker? Der Text nennt nur »ein gelegt« (eine Lage) ohne Mengenangabe. Für ein stabiles Konservat empfiehlt sich eine großzügige Schicht, mindestens im Verhältnis 1:1 zur Frucht - sonst zieht zu wenig Sirup und das Glas kann schimmeln oder gären.

Praxis. Reife Berberitzen putzen, aufschneiden und die kleinen Kerne herauslösen. Im Glas abwechselnd eine Lage Zucker und eine Lage Berberitzen schichten, bis das Glas voll ist, dann fest verschließen. Kühl und dunkel lagern und mehrere Tage bis Wochen ziehen lassen, bis sich ausreichend Sirup gebildet hat - erst dann ist die Konserve stabil und genießbar. Kein Kochschritt nötig.

Welche Frucht ist mit 'erbſich' gemeint?

Erbſich bezeichnet die Berberitze (Berberis vulgaris), auch Sauerdorn genannt - eine kleine, säuerliche Beere. Trotz der lautlichen Nähe zu 'Erbse' ist damit keine Hülsenfrucht gemeint, sondern ein eigener Fruchtname; im selben Kochbuch trägt ein Berberitzensaft-Rezept denselben Namen. Die zahlreichen kleinen Kerne, die laut Rezept vor dem Einlegen entfernt werden, passen zu den vielen winzigen Samen der Berberitze.

Ist dieses Rezept für die Lagerküche / das Mittelaltermarkt-Lager geeignet?

Eingeschränkt: Die Zubereitung selbst dauert nur wenige Minuten, aber die fertige Konserve braucht Tage bis Wochen im Glas, bis genug Sirup gezogen ist und sie stabil und genießbar wird. Das ist eher Vorbereitung zuhause vor dem Markt als eine Live-Vorführung am Feuer. Kühle, dunkle Lagerung danach ist wichtig.

Was bedeutet 'ein gemacht' im Rezepttitel?

'Ein gemacht' heißt Eingemachtes - hier eine rohe Zucker-Konservierung von Früchten, keine Sauce oder Beilage.

Aus welcher Zeit und woher stammt dieses Rezept?

Dieses Rezept stammt aus „Das Kochbuch der Maria Stenglerin“. Kochbuch mit Besitzvermerk „Das Kochbuoch Gehört der Junckfraw Maria Stenglerin zu. 1554." Die Originalhandschrift gilt als unauffindbar - weder Thomas Glonings eigene Bibliographie (germcook.pdf) noch der Handschriftencensus noch Wikidata nennen eine Bibliothek oder Signatur, obwohl Glonings Liste bei anderen Handschriften-Kochbüchern die Signatur durchgängig mitführt. Verfügbar ist nur ein 1886 gedruckter Neudruck (Augsburg: Gebr. Reichel, 20 Bl., Fraktur-Neusatz mit Faksimile-Titelblatt der Besitzinschrift), digitalisiert von der Bayerischen Staatsbibliothek. Medium ist deshalb als "druck" gesetzt - Eigenschaft des tatsächlich erhaltenen Exemplars, nicht des verlorenen Originals. Ein Jahr vor Sabina Welserins Kochbuch (saw-*, ebenfalls Augsburg, Handschrift dort bekannt: Staats- und Stadtbibliothek Augsburg, 4° Cod 137) entstanden - starker Twin-Kandidat fürs Review. Eine weitere, grundsätzliche Unsicherheit bleibt: Da die Handschrift verschollen ist, lässt sich bei ungeklärten Hapax-Wörtern (z.B. mst-136 "Fiſchpersperlin", mst-137 "ſechdiſtel") nicht mehr feststellen, ob ein Fehler schon in der Handschrift selbst stand, beim Lesen durch den Herausgeber 1886 entstand oder beim Neusatz - anders als bei reinen OCR-Fehlern lässt sich das nicht gegen ein Referenzbild prüfen. Lesungen bei unbelegten Hapax sollten deshalb als Konjektur markiert bleiben, nicht stillschweigend geglättet werden.

Ein gemacht Erbsich. Item nimb wol zeitig erbſich, vnd ſchneids auf, thu die kerelen allen herauſs, thus jn ain glaſs, allwegen ain gelegt zucker, darnach ain aelegt Erbſich.
Ein gemacht

Eingemachtes - hier eine rohe Zucker-Konservierung von Früchten, keine Sauce oder Beilage.

erbsich

Berberitze (Berberis vulgaris), auch Sauerdorn genannt - eine kleine, säuerliche Beere. Der Name klingt an 'Erbse' an, meint aber eine eigene Frucht.

kerelen

Kernlein - Diminutiv zu 'Kern', die kleinen Samen der Frucht. Passt zu den zahlreichen winzigen Kernen der Berberitze.

aelegt

Eine Lage, eine Schicht.

Druck
Augspurger Kochbuoch, worinnen enthalten fürtreffliche Rezepte für Frawen & Junckfrawen
Teil
Hausmittel und Eingemachtes
Sprache
Frühneuhochdeutsch (schwäbisch/augsburgisch, Mitte 16. Jh.)
Entstehung
Augsburg, 1554
Neudruck
1886 (Originalhandschrift verschollen)

Normdaten der Zutaten

Zuordnung der historischen Zutatennamen zu Wikidata-Konzepten, auf Grundlage des CoReMA-Zutatenindex. Mehrere Konzepte bedeuten: die Lesart ist nicht entschieden.

wol zeitig erbſichbarberry Q158563
zuckerunrefined cane sugar Q57656231

Lesarten

Mediävistische Texte sind oft mehrdeutig. Hier die Stellen, an denen wir uns für eine Lesart entscheiden mussten - mit den plausiblen Alternativen.

Lesartkerelen

Gewählte Lesart: Kernlein (kleine Fruchtkerne). Passt zum Kontext des Aufschneidens der Frucht und des Herauslösens harter Bestandteile, und zur Vielzahl kleiner Samen der Berberitze.

Andere mögliche Lesart:

  • Ein sonst nicht belegtes Wort (Hapax). - Kein Wörterbuch führt 'kerelen' als eigenständiges Nomen; die Deutung als Diminutiv zu 'Kern' stützt sich auf Kontext und Lautbild, nicht auf einen direkten Beleg.

Lesartain gelegt (Zuckermenge)

Gewählte Lesart: Der Text nennt keine Mengenangabe, nur 'eine Lage'. Für die Praxis empfiehlt sich eine großzügige Schicht (mindestens im Verhältnis 1:1 zur Frucht), damit sich genug Sirup bildet und die Konserve nicht schimmelt oder gärt.

Andere mögliche Lesart:

  • Eine dünnere, sparsamere Zuckerschicht ist historisch nicht ausgeschlossen - der Text legt sich auf keine Menge fest. - Ohne Mengenangabe im Original lässt sich eine geringere historische Zuckermenge nicht ausschließen, auch wenn sie die Konservierung unsicherer macht.

Originalwerk (~1554) gemeinfrei.

Bildquelle
Seite 034, München, Bayerische Staatsbibliothek, 4 Oecon. 207 h (bsb00076173) - CC BY-NC-SA 4.0 Quelle öffnen
Transkription
Bayerische Staatsbibliothek (MDZ), Digitalisat des Neudrucks 1886 - kein Bibliotheks-OCR vorhanden (api.digitale-sammlungen.de/ocr/bsb00076173 liefert 404), eigenes Kraken-OCR nötig Link öffnen
Übersetzung & Anmerkungen
CC BY-SA 4.0 fyndling.de
LagerkücheLagerküche
Eingeschränkt: Die Zubereitung selbst dauert nur wenige Minuten, aber die fertige Konserve braucht Tage bis Wochen im Glas, bis genug Sirup gezogen ist und sie stabil und genießbar wird - das ist eher Vorbereitung zuhause vor dem Markt als eine Live-Vorführung am Feuer. Kühle, dunkle Lagerung danach ist wichtig.
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Stand dieser Fassung: 16.09.2026. Wir überarbeiten die Übersetzungen laufend; beim Zitieren bitte das Datum mit angeben.