Das Kochbuch des Balthasar Staindl (Ein künstlichs vnd nutzlichs Kochbuch, vormahlens nie so leicht Mann vnd Frawen personen von jnen selbst zülernen ...)
Rosenhonig und Rosen-Latwerge
Moderne Übersetzung
Ein anderer Rosenhonig, mit weniger Mühe zu machen: Nimm sehr schöne rote Rosen und siede sie in einem schönen, klaren Honig, nicht zu lange. Lass es abkühlen. Gieße es dann in ein Glas und setze es in die Sonne, so destilliert es sich. Es soll als Arznei sehr nützlich sein: bei Halsschmerzen, bei Mundschmerzen, für kleine Kinder. Ich, die Mutter, habe es oft selbst erprobt.
Latwerge von roten Rosen, mache so: Nimm rote Rosen und siede sie in rotem Wein. Nimm gewürzten Lebkuchen und ein wenig schön gesottenen, geschäumten Honig dazu. Siede es gut durcheinander. Schlage es durch ein enges, haariges Sieb. Tue es in ein Glas oder Krüglein, so ist es gesund und gut.
Zutaten
| Original | Modern | Mengenangabe | Wo kaufen | Alternative |
|---|---|---|---|---|
| gar ſchoͤn rott roſen | Rote Rosenblätter | - | Wochenmarkt, Bio-Laden | - |
| aine ſchoͤne lautere honig | Klarer Honig | - | - | Milder Waldhonig oder Wildblütenhonig |
| rott Roſen | Rote Rosenblätter | - | Wochenmarkt, Bio-Laden | - |
| rottem wein | Rotwein | - | - | - |
| lezelten der gewirtzt ſey | Gewürz-Lebkuchen | - | Supermarkt, Bäckerei | Gewürzspekulatius oder selbstgemachter Lebkuchen |
| ein wenig ſchoͤn geſottenn / gefaimbt honig | Geschäumter Honig | - | - | Klarer Honig, selbst geschäumt |
Zubereitungshinweis
Welches Gericht ist das?
Zwei getrennte Vorratszubereitungen aus roten Rosenblättern: ein Rosenhonig, bei dem die Rosen kurz in klarem Honig gesotten und die abgekühlte Mischung anschließend in der Sonne nachreift, und eine Rosen-Latwerge, bei der Rosen in Rotwein gesotten und mit gewürztem Lebkuchen zu einer streichfähigen Paste gebunden werden. Rosenhonig als Hals- und Mundpflege existiert bis heute fast unverändert; die Latwerge entspricht dem historischen Electuarium e rosis der frühneuzeitlichen Apothekenpharmazie, ihr nächster heutiger Verwandter ist ein Rosenmus - allerdings ohne den damaligen Arznei-Anspruch.
Die Kochdauer des Honigs ist im Text nur mit „nicht zu lang" angegeben, ohne Zeitmaß. Ein kurzes Aufkochen von wenigen Minuten ist die naheliegende Lesart, damit der Honig nicht karamellisiert oder bitter wird; ein längeres, ruhiges Sieden nach Augenmaß ist textlich ebenso vertretbar.
Auch die Sonnenreifung bleibt offen: weder Dauer noch Abdeckung werden genannt. Ein abgedecktes Glas, das einige Tage in der Sonne steht und danach kühl und dunkel gelagert wird, ist die hygienisch nähere Lesart; ein offen über Tage oder Wochen stehendes Glas wäre die wörtlichere, aber bedenklichere.
Auch die Honigmenge in der Latwerge - „ein wenig ... honig darzu" - bleibt unbeziffert; eine kleine, dosierte Menge neben dem bereits süßen Lebkuchen ist die naheliegende Lesart.
Praxis.
Für den Rosenhonig: rote Rosenblätter kurz in klarem Honig aufkochen, sofort vom Herd nehmen und abkühlen lassen, dann in ein Glas füllen und abgedeckt einige Tage an einem sonnigen Fensterplatz nachreifen lassen. Für die Latwerge: Rosenblätter in Rotwein weich kochen, gewürzten Lebkuchen und etwas geschäumten Honig dazugeben, gemeinsam durchkochen, bis eine gebundene Masse entsteht, und die Masse durch ein feines Sieb streichen, um Blatt- und Krumenreste zu entfernen.
Vollständige Version mit Originaltext, Glossar und Anmerkungen: fyndling.de/rezepte/std-251/
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