Das Kochbuch des Balthasar Staindl (Ein künstlichs vnd nutzlichs Kochbuch, vormahlens nie so leicht Mann vnd Frawen personen von jnen selbst zülernen ...)
Hechtsuppe mit Ingwer und Zimt
Moderne Übersetzung
Nimm den Hecht, teile ihn in Stücke und siede ihn in Wasser. Schmecke die Brühe ab und salze nach, falls nötig. Sobald der Fisch gar ist, seihe die Brühe ab, gib die Butter hinein und lass alles gut miteinander sieden. Würze kräftig mit Ingwer und Zimtstangen. Nach Belieben etwas Pfeffer hinzufügen. Ziehe dem Hecht anschließend sorgfältig die Haut ab. Gieße die Suppe mit der Butter wieder dazu und lass sie noch eine kurze Weile sieden, etwa so lange, wie zwei Eier brauchen. Gieße die Suppe auf gebähte Semmelschnitten, lege die Hechtstücke ringsum darauf und würze nach. Dann ist sie bereit.
Zutaten
| Original | Modern | Mengenangabe | Wo kaufen | Alternative |
|---|---|---|---|---|
| Hoͤchten / dieldoͤchten | Hecht | - | Fischhändler, Wochenmarkt | Zuchtzander |
| waſſer | Wasser | - | - | - |
| ſaltz | Salz | - | - | - |
| butter | Butter | - | - | - |
| Ingber | Ingwer | - | - | - |
| Zimmetroͤꝛn | Zimtstangen | - | - | Gemahlener Zimt |
| pfeffer | Pfeffer (optional) | - | - | - |
| baͤte Semel ſchnitten | Gebähte Semmelschnitten | - | - | Geröstete Weißbrotscheiben |
Zubereitungshinweis
Welches Gericht ist das? Eine klare Hechtbrühe, gewürzt mit Ingwer, Zimtstangen und wahlweise Pfeffer, heiß über geröstete Weißbrotscheiben gegossen, die Hechtstücke obenauf. Das Prinzip - heiße, gewürzte Brühe kurz vor dem Servieren über geröstetes Brot gießen - ist die Grundform des ganzen achten Buchs. Die Würzung dagegen ist heute fremd: Zimt und Ingwer an einer Fischbrühe haben in der süddeutschen Küche keine Fortsetzung gefunden. Wo dieses Geschmacksbild überlebt hat, dann östlich davon - der schlesisch-polnische Karpfen in Lebkuchensauce verbindet bis heute Fischsud mit Zimt, Ingwer, Nelken, Mandeln und Rosinen und gehört dort zum Weihnachtsessen.
Erstes Sieden: Gargrad des Fisches. Der Text benennt nur das Ergebnis (‚recht gesotten‘), keine Zeit. Verlässlicher ist das Merkmal: Das Fleisch löst sich leicht vom Knochen und zeigt keine glasigen Stellen mehr, bevor die Brühe abgeseiht wird - je nach Stückgröße real etwa 10 bis 20 Minuten.
Zweites Sieden: die Eier-Zeitmarke. Nach dem Abseihen, Buttern und Würzen kommt der gehäutete Fisch zurück in die Brühe und soll nur noch kurz mitziehen, ‚so lang als zwey ayer‘ brauchen. Da der Fisch bereits gar ist, dient dieses zweite Sieden nur dem Erhitzen und dem Aufnehmen der Würze - ein weiches Ei (knapp 3 bis 4 Minuten) trifft diese Absicht besser als ein hartes.
Die Würzung als Pulver. Der Text verwendet für das Einbringen von Ingwer und Zimtstangen das Verb ‚stüpfen‘ (mit feinem Pulver bestäuben) - dieselbe Verbform, mit der das Korpus sonst gestoßenen Pfeffer beschreibt. Das spricht dafür, Ingwer und Zimt hier bereits gestoßen beziehungsweise gemahlen in die Brühe einzurühren, statt sie als ganze Stücke mitzukochen und wieder herauszunehmen.
Praxis. Hechtstücke in Salzwasser gar sieden, bis sich das Fleisch vom Knochen löst (10-20 Minuten). Brühe abseihen, Butter einrühren, mit gestoßenem Ingwer und gestoßenen Zimtstangen kräftig würzen, nach Belieben etwas gestoßenen Pfeffer dazugeben. Fisch häuten, mit der gewürzten Butterbrühe wieder vereinen und knapp 3 bis 4 Minuten ziehen lassen. Über gebähten Semmelschnitten anrichten, Hechtstücke obenauf verteilen, final abschmecken.
Vollständige Version mit Originaltext, Glossar und Anmerkungen: fyndling.de/rezepte/std-270/
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