Back ArrowZurück zum Rezept ÜbersetzenTranslate

Tegernseer Speisenbuch (Tegernseer Wirtschaftsbüchlein (Speisenbuch))

Kloster Tegernsee, Bayern, 1453-1534 · Frühneuhochdeutsch (Ostmittelbairisch, 15./16. Jh.)

Klösterliche Milchsuppe

Moderne Übersetzung

Bringe die Milch in einem Topf zum Köcheln, sie darf nicht kochen, sonst schäumt sie über. Schneide das altbackene Brot in kleine Würfel oder reibe es grob. Rühre das Brot in die heiße Milch und lass es etwa 5 Minuten einweichen, bis es weich ist. Salze nach Geschmack oder süße alternativ mit etwas Honig. Heiß servieren - die einfachste und wärmendste Fastenspeise des Klosteralltags.

Hinweis: Das Tegernseer Original nennt nur den Speisennamen in der Speiseordnung; die ausführliche Zubereitung ist hier nachkochbar rekonstruiert.

Zutaten

OriginalModern / MengeWo kaufenAlternative
milch 1 Liter Vollmilch - Mandelmilch (period-gerechter Milchersatz für die strenge Fastenzeit; Hafermilch als moderne, günstigere Nachkoch-Alternative)
brot 3 Scheiben altbackenes Weißbrot oder Semmel vom Vortag - Roggenbrot (ergibt eine würzigere Suppe)
Saltz Salz nach Geschmack - -
honig 1-2 EL Honig (für süße Variante) - -

Zubereitungshinweis

Welches Gericht ist das? Eine Brotsuppe auf Milchbasis - eingeweichtes altbackenes Brot in heißer Milch. Lebende Verwandtschaft: die bayerische Milchsuppe und die "Brotsuppe" leben bis heute; verwandt mit Grießbrei und Porridge, nur mit Brot statt Korn gebunden.

Milchsuppen steht in der Speiseordnung als eine der Grund-Fastenspeisen. Milch war zwar tierisch, im 15. Jh. aber in vielen Klöstern an normalen Fasttagen (Freitage, Vigilien) erlaubt, nur nicht in der strengen 40-tägigen Fastenzeit vor Ostern. Die Menüzeile trennt ayrsuppen oder milchsuppen - Ei- und Milchsuppe sind dort ausdrücklich zwei verschiedene Speisen.

Die Milch darf nie kochen, nur köcheln: zu starke Hitze lässt sie aufschäumen und überlaufen, und sie setzt am Boden an.

Praxis. Milch leicht köcheln, gewürfeltes oder grob geriebenes altbackenes Brot einrühren, 5 Minuten weichziehen lassen, salzen oder mit Honig süßen. Für die strenge Fastenzeit ist Mandelmilch der period-gerechte Ersatz. Ein Eigelb macht die Suppe cremiger - das ist aber eine moderne, nicht quellengedeckte Anreicherung (und die Quelle trennt Ei- und Milchsuppe ja bewusst): dann den Topf von der Hitze nehmen, das Eigelb mit etwas heißer Milch verquirlen, zügig unterrühren und nicht mehr aufkochen, sonst gerinnt es zu Flocken.

fyndling.de/rezepte/teg-007/