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Wien, Österr. Nationalbibl., Cod. 2897

Wien, vermutlich Augustiner-Chorherrenstift St. Dorothea (Besitzvermerke 15. Jh. auf Bl. 1r, 15r, 28v, 54v, 91v), Mitte 15. Jh. (Teil I) · Frühneuhochdeutsch (bairisch-österreichisch)

Kondiment mit gebratenen Hühnern

Moderne Übersetzung

Mache ein gutes Kondiment aus Wein und Honig. Gib Gewürze hinzu. Zerteile darin die gebratenen Hühner und gib sie hin.

Zutaten

OriginalModernMengenangabeWo kaufenAlternative
wein Wein - - -
honig Honig - - -
gwurcz Gewürze - - -
gepratne huner Gebratene Hühner - Metzger, Supermarkt -

Zubereitungshinweis

Welches Gericht ist das?

Eine gewürzte Wein-Honig-Sauce (ein Kondiment), in die Stücke von bereits gebratenen Hühnern eingelegt und mit angerichtet werden - die eigentliche Zubereitung im Text ist reine Saucenherstellung, die Hühner kommen fertig gebraten hinzu. Die Kombination erinnert an eine süß-würzige Wein-Honig-Glasur zu Geflügel, wie sie heute etwa zu Ente oder Wildgeflügel gereicht wird; historisch gehört das Rezept zur breiteren Familie mittelalterlicher Gewürzweinsaucen, unterscheidet sich von der Sauce-Cameline-Tradition aber durch die Süßung mit Honig statt Essigschärfe und ohne Brot-Binder.

Die Hühner werden zerteilt.

Der knappe Text nennt drei Handlungen: die Sauce ansetzen, das Gewürz hinzufügen, und dann die bereits gebratenen Hühner zerteilen (bairisch ‚cze-’ für ‚zer-’: ‚zergliedern’). Die Hühner sind laut Text schon durchgebraten, bevor sie zerteilt und mit der Sauce angerichtet werden - sie garen nicht in der Sauce nach, anders als bei einem Blankett.

Praxis.

Wein und Honig verrühren und mit den Gewürzen abschmecken; ob die Mischung dabei erhitzt oder kalt verwendet wird, sagt der Text nicht - eine erhitzte, leicht eingekochte Fassung ergibt eine sämigere Sauce, eine kalte bleibt dünnflüssiger. Die Hühner getrennt am offenen Feuer braten, dann in Stücke zerteilen und mit der Sauce anrichten oder übergießen. Der Text nennt keine Säurekomponente wie Essig - eine reine Wein-Honig-Mischung kann dadurch süß statt ausgewogen ausfallen; das bleibt eine offene Stelle des Quelltexts, keine hinzugefügte Zutat.

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