Wien, Österr. Nationalbibl., Cod. 2897
Gebratene oder gesottene Neunaugen
Moderne Übersetzung
Von den Neunaugen: In derselben Art der Zubereitung kannst du gebratene oder gesottene Neunaugen oder andere Fische zubereiten.
Zutaten
| Original | Modern | Mengenangabe | Wo kaufen | Alternative |
|---|---|---|---|---|
| Neunaugen / newnuaugen | Neunaugen | - | ⚠ In Deutschland und der EU streng geschützt, nicht erhältlich. | Welsfilet oder Räuchermakrele (für ähnliche Textur und Fettgehalt) |
| ander visch | anderer Fisch | - | - | - |
Zubereitungshinweis
Welches Gericht ist das? Ein Kurzrezept, das komplett auf ein vorangehendes Verfahren verweist: Neunaugen (Lamprete) sollen "nach derselben Art" gebraten oder gesotten werden wie zuvor beschrieben, ohne dass der Text die Methode hier wiederholt. Neunaugen waren im Mittelalter eine verbreitete Delikatesse; in Deutschland ist der Fisch heute kulinarisch vergessen, weil er streng geschützt ist, nicht weil sich der Geschmack gewandelt hätte - in Portugal (lampreia à moda do Minho) und im Südwesten Frankreichs (lamproie à la bordelaise) wird er bis heute regional gekocht.
Die Wendung "in der selbem materi" bleibt für sich genommen doppeldeutig - sie könnte auch "in derselben Masse/Zutat" heißen. Die Parallelhandschrift B4 überliefert exakt dieselbe Stelle ("in den selben Materien") und übersetzt sie als "auf dieselbe Weise" - das entscheidet für die Lesart als Zubereitungsmethode.
Praxis. Neunaugen sind in Deutschland und der EU streng geschützt und dürfen nicht gefangen oder gehandelt werden - dieses Rezept ist nicht nachkochbar. Für einen Versuch mit einem anderen Fisch (der Text selbst nennt "ander visch" als Alternative) gilt nur, was ausdrücklich dasteht: braten in Schmalz oder Öl, oder sieden in Wasser, Wein oder Brühe.
Vollständige Version mit Originaltext, Glossar und Anmerkungen: fyndling.de/rezepte/w1-205/
fyndling.de/rezepte/w1-205/