Wien, Österr. Nationalbibl., Cod. 2897
Gefüllter Trappenhals oder Vogelhals
Moderne Übersetzung
Fülle den Hals der Trappe oder eines anderen Vogels. Nimm Schweinefleisch, hartgekochte Eier, Salbei und Kraut, hacke das alles zusammen und fülle den Hals damit.
Siede ihn, bis er gar gekocht ist. Dann lege ihn so heiß auf den Rost. Bestreiche ihn mit Eiern oder mit Eierteig und beträufle ihn mit Schmalz.
Dann nimm Safran, Petersilie und Fenchel, zermahle das zu einem Kondiment, so du es am besten machst, und serviere es.
Zutaten
| Original | Modern | Mengenangabe | Wo kaufen | Alternative |
|---|---|---|---|---|
| trappem hals oder ander vogel | Hals einer Großtrappe (oder anderer Vogel) | - | ⚠ Großtrappen sind streng geschützt und nicht erhältlich. Als Alternative: Hals einer großen Gans oder Pute vom Geflügelhändler. | Hals einer Gans oder Pute |
| sweinen vleisch | Schweinefleisch | - | - | - |
| herte ayr | Hartgekochte Eier | - | - | - |
| salua | Salbei | - | - | - |
| kraut | Kräuter | - | - | - |
| ayren oder mit ayrtaig | Eier oder Eierteig | - | - | - |
| smalcz | Schmalz | - | - | - |
| saffran | Safran | - | gut sortierter Supermarkt, Online-Gewürzhandel | - |
| petersil | Petersilie | - | - | - |
| phenich | Fenchel | - | - | - |
Zubereitungshinweis
Welches Gericht ist das? Ein gefüllter, gesottener und dann auf dem Rost gebratener Vogelhals - historisch die Großtrappe, ersatzweise Gans oder Pute -, bestrichen mit Eierteig, beträufelt mit Schmalz und begleitet von einer safrangelben Kräutersauce aus Petersilie und Fenchel. Die Technik, eine Füllung in Haut oder Hals zu stopfen, zu sieden und danach zu rösten, ist eine Vorstufe dessen, was später als eigenständiges Wurst- und Rollbraten-Handwerk auftritt; sie erinnert an die Tradition des gefüllten Gänsehalses ("Helzel"), wie sie in der aschkenasisch-jüdischen Küche bis heute lebt. Ein direkter Bezug zu diesem konkreten Rezept lässt sich daraus nicht ableiten - die Verwandtschaft liegt in der gemeinsamen Grundtechnik.
Der Text nennt nicht, wie der gefüllte Hals vor dem Sieden verschlossen wird, damit die Füllung nicht austritt. Das Verschließen (Zunähen oder Abbinden) ist praktisch notwendig, aber Sache der Nachkochenden - die Quelle setzt es stillschweigend voraus.
Praxis. Rohes Schweinefleisch, hartgekochte Eier, Salbei und Kräuter fein hacken und mischen, in die Halshaut füllen und die Öffnung verschließen (zunähen oder mit Küchengarn abbinden). Den gefüllten Hals in Wasser oder Brühe sieden, bis er durchgegart ist. Noch heiß auf den Rost legen, mit verquirltem Ei oder dünnem Eierteig bestreichen und mit Schmalz beträufeln, bis die Oberfläche Farbe angenommen hat - das Sieden hat bereits gegart, der Rost dient nur noch der Bräunung. Für das Kondiment gemahlenen Safran mit gehackter Petersilie und Fenchel(-kraut) verrühren und kalt dazureichen.
Vollständige Version mit Originaltext, Glossar und Anmerkungen: fyndling.de/rezepte/w1-244/
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