Ein köstlich new Kochbuch (Ein Köstlich new Kochbuch Von allerhand Speisen/ an Gemüsen/ Obs/ Fleisch/ Geflügel/ Wildpret/ Fischen vnd Gebachens. Nicht allein vor Gesunde: sondern auch vnd fürnemlich vor Krancke ... auch Schwangere Weiber/ Kindbetterinnen/ vnd alte schwache Leut)
Maienmus aus Ziger und Butter
Moderne Übersetzung
Nimm einen solchen Ziger, wie oben beschrieben. Wenn die Molke gut davon abgelaufen ist, rühre ihn glatt und gut. Nimm danach gute süße Butter und rühre sie ebenfalls nach und nach darunter.
Merke: Wenn du etwas machst, worunter du süße Butter rührst, wie gewöhnlich bei Maienmusen, so gib sie nicht auf einmal hinein, sondern in Maßen. Tu sie auf eine kleine Platte oder in eine Schüssel und lass sie über heißem Wasser gut weich werden. Rühre sie immer ein wenig ein, bis es genug ist. Von der Butter muss gewöhnlich mehr sein als vom Ziger, je nachdem, wie du es bereiten willst und ob die Masse locker oder fest sein soll. Was man hoch aufstellt, braucht gewöhnlich mehr als das, was liegt. Auf keinen Fall aber soll die Butter allzu sehr hervortreten, doch etwas schon.
Wenn es gut gerührt ist, so dass es recht schön ist, so zuckere es reichlich. Willst du, gib Rosenwasser dazu, es ist gut und gesund darin. Den Zucker aber immer zuletzt, denn danach lässt es sich nicht mehr gern rühren.
Aus diesem Mus mache dann, was dir gefällt: einen Igel, ein Lamm oder einen Adler. Oder spritze es durch die Spritze, wie man die Butter auf den Tisch zu geben pflegt. Oder drücke es zu Würmlein durch ein Sieb oder setze es in Häufchen, wie du es kannst. Denn dies alles zu beschreiben, würde gar zu viel Zeit nehmen und wäre doch umsonst. Dazu muss man einen besonderen Kopf zum Entwerfen haben, sonst wird es keiner so bald ungesehen nach der Beschreibung nachmachen. Das Gewöhnlichste ist durch die Spritze.
Mache also eine Form, wie du sie hier von dem Berg hast. Den mache mit einem Messer oder glatten Schäufelchen, die du immer in warmes Wasser tauchst, schön geschwungen und glatt. Danach nimm zwei oder drei Löffel, einen größer als den anderen, und mache damit Rinnen wie an einem Tannenzapfen. Den größten brauche zuerst, bis hin zum kleinsten.
Du kannst es auch in eine Seihpfanne tun und mit dem Kochlöffel, der ziemlich groß sein soll, über einer Platte darin herumrühren. So fällt es herab wie viele Würmlein. Halte es dabei so, dass es schön gehäuft aufeinander zu liegen kommt.
Zutaten
| Original | Modern | Mengenangabe | Wo kaufen | Alternative |
|---|---|---|---|---|
| ſolchen zuͤger | Ziger, wie im Rezept davor | - | - | - |
| gute ſuͤſſe butter | Gute süße Butter | - | - | - |
| zuckers wol | Zucker | - | - | - |
| wiltu Roſenwaſſer | Rosenwasser (optional) | - | gut sortierter Supermarkt, Online-Gewürzhandel | - |
Zubereitungshinweis
Praxis. Den gut abgetropften Ziger glatt rühren. Die Butter in einer Schüssel über heißem, nicht kochendem Wasser nur weich werden lassen und portionsweise einrühren. Der Text verlangt mehr Butter als Ziger, nennt aber keine Mengen; als Anhalt etwa das Anderthalb- bis Doppelte des Zigergewichts (Praxiswert). Zucker nach Geschmack erst zuletzt, Rosenwasser sparsam. Messer, Schäufelchen und Löffel zum Glätten und Rinnenziehen immer in warmes Wasser tauchen.
Bergform. Mit dem „Berg“ ist vermutlich die Form aus dem Mandelberg (wec-059) gemeint: unten breit, nach oben spitz und glatt gestrichen.
Vollständige Version mit Originaltext, Glossar und Anmerkungen: fyndling.de/rezepte/wec-062/
fyndling.de/rezepte/wec-062/