Ein köstlich new Kochbuch (Ein Köstlich new Kochbuch Von allerhand Speisen/ an Gemüsen/ Obs/ Fleisch/ Geflügel/ Wildpret/ Fischen vnd Gebachens. Nicht allein vor Gesunde: sondern auch vnd fürnemlich vor Krancke ... auch Schwangere Weiber/ Kindbetterinnen/ vnd alte schwache Leut)
Güsselein, Krankensuppe mit Brotklumpen und Kräutern
Moderne Übersetzung
Eine andere Suppe für die Kranken, ein Güsselein genannt: Wenn du eine gute Fleischbrühe hast, setze sie in einem Töpfchen ans Feuer. Siedet sie schon, ist es gut. Wenn nicht, lass sie sieden, aber weit vom Feuer entfernt, damit sie nicht schmalzig wird. Gerade bei Kranken muss man darauf besonders achten, denn das verdirbt den Magen schändlich, und die Kranken werden sehr damit verdorben, ebenso vom Anbrennen.
Die meisten Leute, die doch geschickt sein sollten oder wollen, haben die Gewohnheit, dass ihr ganzes Kochen im Feuer stehen muss, sodass das Holz bisweilen über Topf und Deckel hinausbrennt. Manchmal ist gar kein Deckel darauf, und dann muss es sieden, sodass niemand weiß, ob es Fußwasser oder Suppe wird. Von solchem Kochen wird manchem Gesunden, geschweige denn dem Kranken, der Magen verdorben, und es folgen vielerlei Schwächen und Krankheiten. Dazu helfen auch die unbehobelten Töpfe, die keine Füße haben.
Damit es den Kranken nützt und das vermieden wird, nimm fein gerieben weißes Brot, je nachdem, wie viel Süppchen du für einen Menschen machen willst, so viel wie ein oder zwei Eier brauchen. Es soll etwas dünner sein als ein Straubenteig. Schneide gute Kräuter hinein, nämlich Majoran, Thymian, Petersilie, eines allein oder alle drei, wie du willst, auch Safran, Muskatblüte und Rosinen, wie es nötig ist.
Wenn dann die Brühe siedet, gib es hinein. Lass es behutsam auf einer Glut zugedeckt sieden. Dann siedet alles zu einem Klumpen zusammen, und die Brühe wird schön klar. Wenn der Kranke kein Brot und nichts anderes isst, gib ihm die klare Brühe. Isst er aber, dann zerdrücke das Zusammengesottene zu kleinen Stücken in der Größe von Nüssen und lege sie ihm in die Brühe. Das ist sehr kräftig.
Ebenso, wenn du keine Fleischbrühe hast, mach in einem Töpfchen Schmalz heiß und gieße siedendes Wasser dazu. Schabe reichlich Petersilienwurzel hinein und lass sie sieden, bis sich die Wurzel gut greifen lässt, doch nicht ganz auf ihren Stand gesotten. Habe vorher deine Zurichtung bereit, wie oben gelehrt, und bereite es ebenso. Salze auch die Brühe, weil es Wasser ist. Diese Brühe ist sehr köstlich, um Harn und Grieß zu treiben.
Zutaten
| Original | Modern | Mengenangabe | Wo kaufen | Alternative |
|---|---|---|---|---|
| ein gute fleiſchbruͤh | Fleischbrühe | - | - | - |
| rein gerieben weiß brot | Fein geriebenes Weißbrot | - | - | - |
| Majoran/ Thumion/ Peterlein | Majoran, Thymian, Petersilie | - | - | - |
| Saffran/ Muſcattenbluͤt/ Weinbeer | Safran, Muskatblüte, Rosinen | - | - | - |
| ſchmaltz | Schmalz | - | - | - |
| Peterleinwurtzel | Petersilienwurzel | - | - | - |
| ſaltz | Salz | - | - | - |
| ein Ey od’ zwey | Ein oder zwei Eier | - | - | - |
Zubereitungshinweis
Praxis. Brühe in einem kleinen Topf mit Deckel auf ruhiger Glut leise sieden lassen, nicht im offenen Feuer. Fein geriebenes Weißbrot mit gehackten Kräutern zu einer Masse etwas dünner als Straubenteig anrühren, in die siedende Brühe geben, zudecken und sieden lassen, bis die Masse zu einem Klumpen zusammengezogen und die Brühe klar ist (Richtwert, nicht überliefert: 10 bis 20 Minuten). Mengen nennt der Text nicht; als moderne Hilfe eine Suppenschale Brühe und eine Handvoll Brot je Person.
Die Eier. Ob „so vil ein Ey od’ zwey beduͤrffen“ ein oder zwei Eier als Bestandteil meint oder nur die Brotmenge am Ei misst, bleibt offen. Mit Eiern angerührt ergibt sich die verlangte dünne Masse; wer das Ei nur als Maß liest, rührt das Brot als moderne Hilfe mit etwas Brühe aus dem Topf an.
Vollständige Version mit Originaltext, Glossar und Anmerkungen: fyndling.de/rezepte/wec-199/
fyndling.de/rezepte/wec-199/