Ein Köstlich new Kochbuch Von allerhand Speisen/ an Gemüsen/ Obs/ Fleisch/ Geflügel/ Wildpret/ Fischen vnd Gebachens. Nicht allein vor Gesunde: sondern auch vnd fürnemlich vor Krancke ... auch Schwangere Weiber/ Kindbetterinnen/ vnd alte schwache Leut · Amberg (Oberpfalz) · 1598
Eine andere Suppe für die Kranken, ein Güsselein genannt: Wenn du eine gute Fleischbrühe hast, setze sie in einem Töpfchen ans Feuer. Siedet sie schon, ist es gut. Wenn nicht, lass sie sieden, aber weit vom Feuer entfernt, damit sie nicht schmalzig wird. Gerade bei Kranken muss man darauf besonders achten, denn das verdirbt den Magen schändlich, und die Kranken werden sehr damit verdorben, ebenso vom Anbrennen.
Die meisten Leute, die doch geschickt sein sollten oder wollen, haben die Gewohnheit, dass ihr ganzes Kochen im Feuer stehen muss, sodass das Holz bisweilen über Topf und Deckel hinausbrennt. Manchmal ist gar kein Deckel darauf, und dann muss es sieden, sodass niemand weiß, ob es Fußwasser oder Suppe wird. Von solchem Kochen wird manchem Gesunden, geschweige denn dem Kranken, der Magen verdorben, und es folgen vielerlei Schwächen und Krankheiten. Dazu helfen auch die unbehobelten Töpfe, die keine Füße haben.
Damit es den Kranken nützt und das vermieden wird, nimm fein gerieben weißes Brot, je nachdem, wie viel Süppchen du für einen Menschen machen willst, so viel wie ein oder zwei Eier brauchen. Es soll etwas dünner sein als ein Straubenteig. Schneide gute Kräuter hinein, nämlich Majoran, Thymian, Petersilie, eines allein oder alle drei, wie du willst, auch Safran, Muskatblüte und Rosinen, wie es nötig ist.
Wenn dann die Brühe siedet, gib es hinein. Lass es behutsam auf einer Glut zugedeckt sieden. Dann siedet alles zu einem Klumpen zusammen, und die Brühe wird schön klar. Wenn der Kranke kein Brot und nichts anderes isst, gib ihm die klare Brühe. Isst er aber, dann zerdrücke das Zusammengesottene zu kleinen Stücken in der Größe von Nüssen und lege sie ihm in die Brühe. Das ist sehr kräftig.
Ebenso, wenn du keine Fleischbrühe hast, mach in einem Töpfchen Schmalz heiß und gieße siedendes Wasser dazu. Schabe reichlich Petersilienwurzel hinein und lass sie sieden, bis sich die Wurzel gut greifen lässt, doch nicht ganz auf ihren Stand gesotten. Habe vorher deine Zurichtung bereit, wie oben gelehrt, und bereite es ebenso. Salze auch die Brühe, weil es Wasser ist. Diese Brühe ist sehr köstlich, um Harn und Grieß zu treiben.
| Original | Modern | Mengenangabe | Wo kaufen | Alternative |
|---|---|---|---|---|
| ein gute fleiſchbruͤh | Fleischbrühe | - | - | - |
| rein gerieben weiß brot | Fein geriebenes Weißbrot | - | - | - |
| Majoran/ Thumion/ Peterlein | Majoran, Thymian, Petersilie | - | - | - |
| Saffran/ Muſcattenbluͤt/ Weinbeer | Safran, Muskatblüte, Rosinen | - | - | - |
| ſchmaltz | Schmalz | - | - | - |
| Peterleinwurtzel | Petersilienwurzel | - | - | - |
| ſaltz | Salz | - | - | - |
| ein Ey od’ zwey | Ein oder zwei Eier | - | - | - |
Praxis. Brühe in einem kleinen Topf mit Deckel auf ruhiger Glut leise sieden lassen, nicht im offenen Feuer. Fein geriebenes Weißbrot mit gehackten Kräutern zu einer Masse etwas dünner als Straubenteig anrühren, in die siedende Brühe geben, zudecken und sieden lassen, bis die Masse zu einem Klumpen zusammengezogen und die Brühe klar ist (Richtwert, nicht überliefert: 10 bis 20 Minuten). Mengen nennt der Text nicht; als moderne Hilfe eine Suppenschale Brühe und eine Handvoll Brot je Person.
Die Eier. Ob „so vil ein Ey od’ zwey beduͤrffen“ ein oder zwei Eier als Bestandteil meint oder nur die Brotmenge am Ei misst, bleibt offen. Mit Eiern angerührt ergibt sich die verlangte dünne Masse; wer das Ei nur als Maß liest, rührt das Brot als moderne Hilfe mit etwas Brühe aus dem Topf an.
Ja. Ein kleiner Topf mit Deckel und eine ruhige Glut genügen; Wecker warnt ausdrücklich davor, den Topf ins Feuer zu stellen. Ohne Fleischbrühe reicht die Fassung mit Schmalz, Wasser und Petersilienwurzel.
Dieses Rezept stammt aus „Ein köstlich new Kochbuch“ (Amberg - Oberpfalz). Erstes gedrucktes deutschsprachiges Kochbuch einer Frau: Anna Wecker, Witwe eines Colmarer Stadtarztes, schrieb es 1596 vor allem als Kost für Kranke, Schwangere, Wöchnerinnen und alte Leute. 483 Rezepte in vier Teilen (Mandel/Gerste/Gemüse, Obst, Fleisch, Fisch/Sülzen/Soßen), süß und mandelbetont, mit diätetischen Hinweisen zu einzelnen Krankheiten. Erstausgabe 1597, transkribiert ist die zweite Auflage Amberg 1598.
Der Name ist sonst nur in Glossaren greifbar: Lexer verzeichnet nach Diefenbach „jusselin, jussel, gussel vel brue“ für lateinisch jus, Brühe. Danach wäre das Güsselein ein Brühsüppchen; eine Ableitung von „gießen“ ist nicht belegt.
Das Verb ist im Druck unvollständig; sinngemäß zu „verdirbt“ ergänzt.
Besonders dünner Teig für Strauben; hier nur Vergleichsmaßstab für die Konsistenz.
Wohl: bis ganz gar. Die Wendung ist wörtlich wiedergegeben, ein Wörterbuchbeleg fehlt.
Zurichtung, Zubereitung, wie in wec-087/089. „Wie oben vorgelehrt“ meint wahrscheinlich die Brot-Kräuter-Masse dieses Rezepts selbst.
Harn und Harngrieß, also feiner Sand im Harn.
Zuordnung der historischen Zutatennamen zu Wikidata-Konzepten, auf Grundlage des CoReMA-Zutatenindex. Mehrere Konzepte bedeuten: die Lesart ist nicht entschieden.
| ein gute fleiſchbruͤh | meat stock Q67860017 |
| ſchmaltz | animal fat Q1423543 |
| ſaltz | table salt Q11254 |
Mediävistische Texte sind oft mehrdeutig. Hier die Stellen, an denen wir uns für eine Lesart entscheiden mussten - mit den plausiblen Alternativen.
ſo vil ein Ey od’ zwey beduͤrffen
Gewählte Lesart: Wörtlich belassen („so viel wie ein oder zwei Eier brauchen“). Grammatisch liegt nahe, dass ein oder zwei Eier in die Masse gehören und das Brot nach ihnen bemessen wird: Sonst nennt der Text keine Flüssigkeit für eine Masse, die dünner sein soll als Straubenteig.
Andere mögliche Lesart:
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Stand dieser Fassung: 23.10.2026. Wir überarbeiten die Übersetzungen laufend; beim Zitieren bitte das Datum mit angeben.