Worlidge: Britischer Weingarten (Getränke) (Vinetum Britannicum, or a Treatise of Cider, and other Wines and Drinks extracted from Fruits growing in this Kingdom (London 1676))
Neue und muffige Fässer herrichten
Moderne Übersetzung
Man hat auch beobachtet, dass ein neues Fass aus Eichenholz jeder Flüssigkeit anfangs eine braune Farbe gibt. Deshalb ist es ratsam, deine neuen Fässer gründlich mit siedendem Wasser zuzurichten, bevor du deinen Cider hineinfüllst. In diesem Wasser kannst du, wenn du magst, Apfeltrester kochen.
So zugerichtet sind sie allen gebrauchten Fässern vorzuziehen, außer solchen, in denen Canary-, Malaga- oder Sherrywein gelegen hat, oder Metheglin. Diese heben Farbe und Geschmack deines Ciders sehr.
Fässer aber, aus denen kürzlich Starkbier oder Ale gezapft wurde, sind zu verwerfen, es sei denn, sie sind gründlich ausgebrüht und zugerichtet wie oben; dann taugen sie leidlich. Denn nichts verträgt sich schlechter mit Cider als Malz: Aus Cider oder Wasser-Cider, gekocht und zu Malz gegeben, hat man ein Getränk gemacht, das gar nicht angenehm war. Fässer von Dünnbier sind, gut ausgebrüht, nicht übel. Fässer von Weißwein oder Rheinwein mögen für baldiges Trinken taugen oder für einen schwer süßen Cider; sonst verursachen sie leicht eine allzu starke Gärung.
Wenn dein Fass muffig ist: Koche Pfeffer in Wasser, im Verhältnis von einer Unze auf ein Hogshead. Fülle dein Fass damit siedend heiß und lass es so zwei oder drei Tage stehen.
Oder sonst: Nimm zwei oder drei Stücke Branntkalk oder mehr auf sechs oder sieben Gallonen Wasser. Gib das in ein Hogshead, verschließe es dicht und wälze es hin und her, bis der Kalk ganz gelöscht ist.
Zutaten
| Original | Modern | Mengenangabe | Wo kaufen | Alternative |
|---|---|---|---|---|
| ſcalding water | Siedendes Wasser zum Ausbrühen | - | - | - |
| Apple-pumis | Apfeltrester (nach Belieben) | - | - | - |
| Pepper | Pfeffer auf ein Hogshead Wasser | 1 Unze | - | - |
| Quick-lime | Zwei oder drei Stücke Branntkalk oder mehr | - | - | - |
| ſix or ſeven gallons of Water | Sechs oder sieben Gallonen Wasser | - | - | - |
Zubereitungshinweis
Was ist das? Kellerarbeit aus Worlidges Kapitel über die Fässer für Cider: erst wie ein neues Fass vor dem ersten Befüllen zugerichtet wird, dann welche gebrauchten Fässer taugen, zuletzt zwei Mittel gegen ein muffiges Fass. Wie viel Wasser er zum Ausbrühen nimmt, wie lange es im Fass bleibt und was nach der Kur mit dem Fass geschieht, sagt er nicht.
Das neue Fass. Worlidges Grund ist die braune Farbe, die frisches Eichenholz an jede Flüssigkeit abgibt. Das siedende Wasser zieht sie heraus, bevor der Cider hineinkommt. ſeaſon heißt bei Ludwig 1706 „zurichten, bequem machen“: Das Holz wird für seinen Inhalt vorbereitet. Den Apfeltrester im Brühwasser stellt Worlidge frei; welchen Zweck er hat, sagt er nicht.
Gebrauchte Fässer. Fässer von Süßwein und Metheglin gelten ihm als Gewinn für Farbe und Geschmack, Fässer von Starkbier und Ale als Schaden, weil Malz und Cider sich nicht vertragen. Dünnbierfässer sind gut ausgebrüht brauchbar. Weißwein- und Rheinweinfässer setzen nach seiner Erfahrung eine zu starke Gärung in Gang; eine heutige Deutung wäre, dass Reste und Hefe der vorigen Füllung im Holz sitzen - Worlidge selbst begründet es nicht.
Das muffige Fass. Beim Pfefferwasser wird das Fass siedend heiß gefüllt und bleibt zwei oder drei Tage so stehen. Ob der Pfeffer ganz oder gestoßen gekocht wird und wie das Mittel wirkt, sagt Worlidge nicht. Beim zweiten Mittel kommen Branntkalk und Wasser in das Fass; das Wälzen bringt die Lösung an alle Dauben, bis der Kalk ganz gelöscht ist. Heute erklärt man die Wirkung damit, dass gelöschter Kalk stark alkalisch ist und Schimmel und Gerüche im Holz angreift; das ist eine moderne Erklärung, nicht Worlidges. Was two or three Stones meint, ist offen: Stücke Kalk, wie sie aus dem Ofen kommen, oder das Gewicht Stone, das nach Ludwig 1706 in London acht und in Hereford zwölf Pfund wog.
Gefahren. Branntkalk ätzt Haut und Augen und erhitzt sich beim Löschen stark; in einem dicht verschlossenen Fass entstehen dabei Hitze und Druck. Siedendes Wasser beim Einfüllen und Ausbrühen verbrüht. Kalkreste im Fass würden den Cider verderben.
Praxis. Ein neues Eichenfass heute vor dem ersten Befüllen mit heißem Wasser füllen oder ausbrühen und das Wasser ablassen, wenn es braun geworden ist; das wiederholen, bis es kaum noch Farbe annimmt. Nach einer Kalkbehandlung, die Worlidge nicht weiterführt, das Fass mit klarem Wasser ausspülen, bis kein Kalk mehr austritt, und am Geruch prüfen; ein Fass, das muffig bleibt, nicht für Cider verwenden. Branntkalk nur mit Schutzbrille und Handschuhen anfassen und das Fass beim Löschen nicht ganz verschließen - das ist heutige Vorsicht, nicht Worlidges Anweisung.
Vollständige Version mit Originaltext, Glossar und Anmerkungen: fyndling.de/rezepte/wor-026/
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