Berlin, Staatsbibliothek zu Berlin – Preußischer Kulturbesitz –, Handschriftenabteilung; Ms. germ. qu. 1187
Fastenfladen mit Mandeln, Rosinen und Fischrogen
Moderne Übersetzung
Für weiche Fastenspeisen: Nimm Mandeln und hacke sie klein. Färbe die Hälfte davon mit Safran und lege beide Hälften getrennt voneinander in eine Schüssel.
Nimm gut verlesene Rosinen und lasse sie aufkochen, bis sie prall und rund geworden sind. Lege sie ebenfalls getrennt neben die Mandeln in die Schüssel.
Nimm allerlei Fischrogen, nur keinen Barbenrogen, und gib ihn in den Mörser mit etwas Weißmehl, bis eine Masse entsteht wie ein Straubenteig. Färbe diese Masse und gieße sie über die Fladen. Backe alles im Ofen.
Zutaten
| Original | Modern | Mengenangabe | Wo kaufen | Alternative |
|---|---|---|---|---|
| Mandel | Mandeln, gehackt | - | Supermarkt (Backregal) | Ganze Mandeln kurz im Blender zermahlen, wenn du die Frische bevorzugst |
| Saffran | Safran, zum Färben der Hälfte der Mandeln | - | gut sortierter Supermarkt, Online-Gewürzhandel | - |
| weinper wol erlesen | gut verlesene Rosinen | - | - | - |
| aller visch rogen denn der perbem Rogen nicht | Fischrogen (kein Barbenrogen) | - | Fischhändler (Barbenrogen historisch als schädlich bekannt und hier ausdrücklich ausgeschlossen) | Heringsrogen oder Karpfenrogen |
| weissen melb | etwas Weißmehl | - | - | - |
| fladen | Fladen (dünne Kuchen als Basis) | - | - | - |
Zubereitungshinweis
Welches Gericht ist das? Ein Fasten-Fladen mit einem dreiteiligen Belag aus gefärbten und ungefärbten Mandeln, aufgekochten Rosinen und einer Fischrogen-Mehl-Masse in Straubenteig-Konsistenz, der im Ofen gebacken wird. Die Rogenmasse übernimmt dabei die deckende und bindende Funktion, die außerhalb der Fastenzeit ein Ei-Sahne-Guss hätte - Eier und Milchprodukte waren an Fastentagen untersagt, Fisch und Fischrogen nicht. Eine direkt fortlebende Rezeptlinie lässt sich nicht benennen; strukturell am nächsten kommen heutige Rogen-Tartes, bei denen Rogen allerdings meist als Topping dient und nicht wie hier als Guss selbst.
Die Bindung ist zeittypisch: die rohe Rogenmasse wird kalt mit wenig Weißmehl vermengt, es handelt sich also nicht um eine vorgekochte Mehlschwitze. Das Vergleichsmaß "strauben taig" bezieht sich allein auf die Konsistenz - ein dünnflüssiger, gießbarer Ausbackteig, wie der Text selbst zwei Wörter später bestätigt ("gewzz auff die fladen").
Der zweite Färbeschritt bei der Rogenmasse bleibt im Text ohne benanntes Mittel. Naheliegend ist die Wiederverwendung von Safran wie zuvor bei den Mandeln, zwingend belegt ist das aber nicht.
Praxis. Der Text nennt weder Mengen noch Ofentemperatur noch Backzeit. Empfehlenswert: die belegten Fladen backen, bis der Belag sichtbar fest geworden und leicht gebräunt, also durchgegart ist - roher Fischrogen sollte aus Gründen der Lebensmittelsicherheit nicht nur kurz erwärmt werden. Für das Aufkochen der Rosinen nennt der Text kein Flüssigkeitsmedium; Wasser ist die naheliegende Wahl. Das Mischungsverhältnis von Rogen zu Mehl ergibt sich am besten durch Ausprobieren bis zur gewünschten, gießbaren Konsistenz.
Vollständige Version mit Originaltext, Glossar und Anmerkungen: fyndling.de/rezepte/b4-043/
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