Berlin, Staatsbibliothek zu Berlin – Preußischer Kulturbesitz –, Handschriftenabteilung; Ms. germ. qu. 1187
Krebsschwänze mit Essig und Gewürz
Moderne Übersetzung
Nimm Krebse und siede sie. Wenn sie gesotten sind, schäle die Schwänze heraus. Lege die Krebsschwänze in ein Reindl und gieße Gewürz und Essig darüber.
Zutaten
| Original | Modern | Mengenangabe | Wo kaufen | Alternative |
|---|---|---|---|---|
| krewssen | Krebse | - | gut sortierter Fischhandel, Wochenmarkt | Garnelen oder Flusskrebse aus Zucht |
| essech | Essig | - | - | - |
| gewurcz | Gewürzmischung | - | - | Pfeffer, Ingwer, Zimt, Nelken |
Zubereitungshinweis
Welches Gericht ist das? Gekochte Krebsschwänze, kalt oder lauwarm mit einer Essig-Gewürz-Marinade übergossen - ein einfaches Vorspeisen-Muster aus gegartem Schalentier und saurer Würzsauce, das an heutige Krebs- und Krabbenvorspeisen mit Essig oder Vinaigrette erinnert, etwa norddeutsche Krabben im Sud oder französische écrevisses à la ravigote. Eine direkte Rezeptlinie lässt sich daraus nicht ableiten, nur das wiederkehrende Zubereitungsmuster. Der nahezu wortgleiche Zwilling w1-048 aus der Wiener Handschrift Cod. 2897 bestätigt die vorliegende Lesart zeilengenau.
Gewürzmischung oder Einzelgewürz? Der Text nennt nur den Sammelbegriff gewurcz, ohne einzelne Sorten zu benennen. Das lässt offen, ob eine feste Mischung (etwa aus Pfeffer, Ingwer, Zimt und Nelken) oder ein einzelnes, dominantes Gewürz gemeint war - der Sammelbegriff spricht eher für eine Mischung.
Praxis. Die Krebse werden lebend in den Sud gegeben - Sieden ist Tötungs- und Garschritt in einem. Erst nach dem Kochen lassen sich die Schwänze mechanisch aus der Schale lösen, das ist einfacher als beim rohen Tier. Die geschälten Schwänze kommen in ein flaches Reindl; Essig und Gewürz werden lediglich darübergegossen, ohne weiteres Binden oder Erhitzen - eine kalte, dünnflüssige Würzmarinade auf bereits fertig gegartem Fleisch, vergleichbar mit einer heutigen Vinaigrette. Mengen, Salz und Serviertemperatur nennt der Text nicht - das ist die knappe Handschrift, keine Lücke, die auszufüllen wäre.
Vollständige Version mit Originaltext, Glossar und Anmerkungen: fyndling.de/rezepte/b4-045/
fyndling.de/rezepte/b4-045/