Berlin, Staatsbibliothek zu Berlin – Preußischer Kulturbesitz –, Handschriftenabteilung; Ms. germ. qu. 1187
Reismus mit Mandelmilch
Moderne Übersetzung
Nimm Reis und wasche ihn gründlich mit warmem Wasser. Gib ihn in einen Topf und gieße so viel Wasser darüber, dass es eine Daumenbreite über dem Reis steht. Setze den Topf heiß oder kalt über das Feuer, bis der Reis beginnt, oben aufzuwallen.
Seihe dann die Brühe ab, stelle den Reis zur Seite und lass ihn kalt werden.
Wenn du ihn weiter zubereiten willst, gieße Mandelmilch darüber und setze den Topf auf die Glut. Rühre den Reis, damit er ganz bleibt. Wenn er beginnt einzudicken, mache ihn mit der Mandelmilch schön weiß.
Willst du wissen, ob er gar ist, nimm drei Körner zwischen die Finger und drücke sie, bis sie weich wie Ziger werden und nichts Hartes mehr übrig bleibt. Dann ist er ganz bereit. Serviere ihn mit Zucker.
Zutaten
| Original | Modern | Mengenangabe | Wo kaufen | Alternative |
|---|---|---|---|---|
| Reis | Reis | - | - | - |
| warmm wasser | Wasser | - | Leitung | - |
| mandel milich | Mandelmilch | - | - | Fertige Mandelmilch aus dem Supermarkt, ungesüßt |
| zuker | Zucker | - | - | - |
Zubereitungshinweis
Welches Gericht ist das?
Ein zweistufig gegarter, gezuckerter Reisbrei - der Vorfahre des heutigen Milchreis/Reispuddings (mit internationalen Verwandten wie Riz au Lait oder Kheer). Statt Kuhmilch kommt hier Mandelmilch zum Einsatz, die klassische Fastenzutat für dieselbe Grundspeise.
Die Garprobe mit dem Ziger-Vergleich.
Die Stelle "zu gent die ziger" ist im Transkript nicht restlos eindeutig zu lesen. Am plausibelsten ist ein Vergleich mit Ziger, einem weichen Frischkäse: Die Körner sollen beim Drücken so weich werden wie Ziger. Der eng verwandte Zwilling w1-113 trägt exakt dieselbe Formulierung ("zu gent dy cziger") - das macht die Ziger-Lesart deutlich wahrscheinlicher als eine vereinzelte Verschreibung, auch wenn eine Lesart als "zergênt" (zergehen) nicht ganz auszuschließen ist.
Wann beginnt der Reis "aufzuwallen"?
Der Text sagt, der Reis solle "vornn auff werffen" beginnen - hier gelesen als "oben/an der Oberfläche aufwallen", sobald das Wasser zu kochen anfängt. Das Wort "vornn" fehlt allerdings im Zwilling w1-113 ganz, dessen Transkript an dieser Stelle nur "so er begynnet auf weriffen" hat. Es könnte sich um einen B4-spezifischen Zusatz ohne eigene Textgrundlage handeln.
Praxis.
Reis in warmem Wasser gründlich waschen, dann im Topf mit reichlich Wasser (eine Daumenbreite über dem Reis) aufsetzen, bis er oben aufzuwallen beginnt. Wasser abseihen, Reis beiseitestellen und nur kurz beziehungsweise handwarm abkühlen lassen - je länger gekochter Reis bei Raumtemperatur steht, desto größer das Risiko unerwünschter Keimvermehrung. Danach mit Mandelmilch auf die Glut (nicht die offene Flamme) setzen und rühren, damit die Körner ganz bleiben; beim Eindicken mit weiterer Mandelmilch die Farbe aufhellen. Gar ist der Reis, sobald sich drei zwischen die Finger genommene Körner mühelos zerdrücken lassen und nichts Hartes mehr spürbar ist. Mit Zucker servieren.
Vollständige Version mit Originaltext, Glossar und Anmerkungen: fyndling.de/rezepte/b4-108/
fyndling.de/rezepte/b4-108/