Berlin, Staatsbibliothek zu Berlin – Preußischer Kulturbesitz –, Handschriftenabteilung; Ms. germ. qu. 1187
Pflaumenmus mit Honig und Brot
Moderne Übersetzung
Nimm reife Kriechenpflaumen und lege sie in einen irdenen Topf. Gieße Wein oder Wasser darüber, so viel, dass sie gut bedeckt sind, und lass sie sieden.
Stoße sie dann, ohne die Kerne zu zerbrechen, und schlage sie durch ein Sieb.
Gib eine Scheibe Brot und Honig dazu und lass es darin zergehen. Füge Wasser und Wein hinzu und gieße alles zu dem Mus.
Gib trockenes, zerstoßenes Kraut dazu. Ebenso kannst du Kirschmus oder Spenling-Pflaumenmus machen.
Zutaten
| Original | Modern | Mengenangabe | Wo kaufen | Alternative |
|---|---|---|---|---|
| chriechen | Kriechenpflaumen | - | Wochenmarkt, Bio-Laden | Zwetschgen oder reife Pflaumen |
| wein oder wasser | Wein oder Wasser | - | - | - |
| snitten prots | Weißbrot | - | - | - |
| honig | Honig | - | - | - |
| wasser vnd wein | Wasser und Wein | - | - | - |
| trukchen gestossen kraut | Trockenes, zerstoßenes Kraut | - | - | - |
Zubereitungshinweis
Welches Gericht ist das? Ein passiertes Mus aus Kriechenpflaumen, mit Brot gebunden und mit Honig gesüßt. Das Rezept nennt Kirschen und Spenlinge als weitere mögliche Früchte; heutige Pflaumen- oder Kriecherlmuse sind die nächsten lebenden Verwandten, ohne dass damit eine direkte Traditionslinie belegt wäre.
Die Kerne. B4 lässt das Bezugswort in der Wendung „das die nicht presten“ aus. Die nahezu wortgleiche Parallelfassung w1-141 nennt ausdrücklich die Kerne: Beim Zerstoßen sollen sie nicht zerbrechen.
Das Kraut. „Trukchen gestossen kraut“ bezeichnet trockenes oder getrocknetes, zerstoßenes Kraut. Welche Pflanze und welche Funktion gemeint sind, bleibt offen; die Parallelfassung wiederholt die Formulierung, ohne sie zu erklären. Beim Nachkochen sollte deshalb keine bestimmte Pflanze als historische Lösung ausgegeben werden.
Praxis. Reife Früchte in Wein oder Wasser weichsieden, vorsichtig zerstoßen und durch ein Sieb streichen. Brot und Honig in der warmen Masse zergehen lassen, danach Wasser und Wein zugießen. Mengen, Endkonsistenz und eine weitere Erhitzung nennt der Text nicht.
Vollständige Version mit Originaltext, Glossar und Anmerkungen: fyndling.de/rezepte/b4-136/
fyndling.de/rezepte/b4-136/