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Pflaumenmus mit Honig und Brot

Berlin, Staatsbibliothek zu Berlin – Preußischer Kulturbesitz –, Handschriftenabteilung; Ms. germ. qu. 1187 · Bairischer Sprachraum, Entstehungsort unbekannt (Datierung 1438/39-Mitte 15. Jh. über Hartliebs "Namenmantik", nach Honold); später im Besitz der Grafen Starhemberg von Riedegg (Oberösterreich) · 1450

DessertNachspeiseLagerkücheLagerküche-tauglichLesartViel InterpretationsspielraumMittelKorrekturBearbeitungsstand 8/10
Zubereitungszeit45 Min.Portionen4-6 PersonenBuchBerlin, Staatsbibliothek zu Berlin – Preußischer Kulturbesitz –, Handschriftenabteilung; Ms. germ. qu. 1187 (~1450)

Nimm reife Kriechenpflaumen und lege sie in einen irdenen Topf. Gieße Wein oder Wasser darüber, so viel, dass sie gut bedeckt sind, und lass sie sieden.

Stoße sie dann, ohne die Kerne zu zerbrechen, und schlage sie durch ein Sieb.

Gib eine Scheibe Brot und Honig dazu und lass es darin zergehen. Füge Wasser und Wein hinzu und gieße alles zu dem Mus.

Gib trockenes, zerstoßenes Kraut dazu. Ebenso kannst du Kirschmus oder Spenling-Pflaumenmus machen.

OriginalModernMengenangabeWo kaufenAlternative
chriechen Kriechenpflaumen - Wochenmarkt, Bio-Laden Zwetschgen oder reife Pflaumen
wein oder wasser Wein oder Wasser - - -
snitten prots Weißbrot - - -
honig Honig - - -
wasser vnd wein Wasser und Wein - - -
trukchen gestossen kraut Trockenes, zerstoßenes Kraut - - -

Welches Gericht ist das? Ein passiertes Mus aus Kriechenpflaumen, mit Brot gebunden und mit Honig gesüßt. Das Rezept nennt Kirschen und Spenlinge als weitere mögliche Früchte; heutige Pflaumen- oder Kriecherlmuse sind die nächsten lebenden Verwandten, ohne dass damit eine direkte Traditionslinie belegt wäre.

Die Kerne. B4 lässt das Bezugswort in der Wendung „das die nicht presten“ aus. Die nahezu wortgleiche Parallelfassung w1-141 nennt ausdrücklich die Kerne: Beim Zerstoßen sollen sie nicht zerbrechen.

Das Kraut. „Trukchen gestossen kraut“ bezeichnet trockenes oder getrocknetes, zerstoßenes Kraut. Welche Pflanze und welche Funktion gemeint sind, bleibt offen; die Parallelfassung wiederholt die Formulierung, ohne sie zu erklären. Beim Nachkochen sollte deshalb keine bestimmte Pflanze als historische Lösung ausgegeben werden.

Praxis. Reife Früchte in Wein oder Wasser weichsieden, vorsichtig zerstoßen und durch ein Sieb streichen. Brot und Honig in der warmen Masse zergehen lassen, danach Wasser und Wein zugießen. Mengen, Endkonsistenz und eine weitere Erhitzung nennt der Text nicht.

Wo bekomme ich Kriechenpflaumen?

Kriechenpflaumen sind eine alte, kleinfrüchtige Pflaumensorte und im normalen Supermarkt selten zu finden. Am ehesten findet man sie auf Wochenmärkten, bei Streuobst-Direktvermarktern oder im Bio-Laden zur Erntezeit im Spätsommer bis Frühherbst. Ersatzweise lassen sich normale Pflaumen oder Zwetschgen verwenden.

Ist dieses Rezept für die Lagerküche / das Mittelaltermarkt-Lager geeignet?

Ja. Ein Topf, ein Sieb, ein Stoßgerät und offenes Feuer reichen aus. Während der Zubereitung ist keine Kühlung nötig; reife Früchte und das fertige Mus sind jedoch verderblich.

Was bedeutet „trukchen gestossen kraut“ im Rezept?

Wörtlich bezeichnet die Wendung trockenes oder getrocknetes, zerstoßenes Kraut. Welche Pflanze oder Mischung und welche Funktion gemeint sind, sagt der Text nicht. Auch die Parallelfassung w1-141 lässt diese Frage offen.

Aus welcher Zeit und woher stammt dieses Rezept?

Dieses Rezept stammt aus dem Berlin, Staatsbibliothek zu Berlin – Preußischer Kulturbesitz –, Handschriftenabteilung; Ms. germ. qu. 1187 (Mitte 15. Jh.). CoReMA-Handschrift B4 (Berlin, Staatsbibliothek, Ms. germ. qu. 1187): bairisches Kochbuch der Mitte des 15. Jahrhunderts, 112 Blatt Papier. Enthält u.a. ein Paar-Rezept für "grünen Met" und ein Grundrezept "Wie du mett solt machen" (Honig-Wasser-Ansatz mit Hopfen und Hefe-Nachgärung) - textlich eng verwandt mit W1 (Wien, Cod. 2897), das dieselben zwei Met-Rezepte fast wortgleich überliefert.

Ein essen Von phlawm gemuess NYm chriechen So sy zeittig sein vnd tue sy In ein Irdein haffen . vnd gews darauff wein oder wasser das . Sy wol zu kumen . vnd lass syeden vnd . stozz Sy dann . das die nicht presten vnd slach Sy durch ein syb vnd tue ein snitten prots . dar= zu vnd honig vnd lazz es zergeen vnd tue dar zu wasser vnd wein vnd gews es zu dem muss vnd tue darczu trukchen gestossen kraut also machstu auch wol machen kersenmuss oder . spenling muss .
chriechen

Kriechenpflaumen, auch Kriecherl genannt - eine alte, kleinfrüchtige Pflaumensorte mit intensivem Aroma, heute vor allem in Süddeutschland und Österreich noch bekannt.

irdein haffen

Ein Topf aus gebranntem Ton, das Standardgefäß der mittelalterlichen Küche.

trukchen gestossen kraut

Trockenes beziehungsweise getrocknetes, zerstoßenes Kraut. Welche Pflanze oder Mischung gemeint ist, bleibt offen.

spenling

Spenling oder Spilling bezeichnet eine Pflaumenform, nicht den Speierling.

kersenmuss

Kirschmus - dasselbe Verfahren, nur mit Kirschen anstelle von Kriechenpflaumen.

Handschrift
Berlin, Staatsbibliothek zu Berlin – Preußischer Kulturbesitz –, Handschriftenabteilung; Ms. germ. qu. 1187
Folio
Fol. 092v
Sprache
Frühneuhochdeutsch (bairisch)
Entstehung
Bairischer Sprachraum, Entstehungsort unbekannt (Datierung 1438/39-Mitte 15. Jh. über Hartliebs "Namenmantik", nach Honold); später im Besitz der Grafen Starhemberg von Riedegg (Oberösterreich), 1450
CoReMA

Normdaten der Zutaten

Zuordnung der historischen Zutatennamen zu Wikidata-Konzepten, auf Grundlage des CoReMA-Zutatenindex. Mehrere Konzepte bedeuten: die Lesart ist nicht entschieden.

chriechendamson Q149195
wein oder wasserwine or water Q282 · Q283
honighoney Q10987

Lesarten

Mediävistische Texte sind oft mehrdeutig. Hier die Stellen, an denen wir uns für eine Lesart entscheiden mussten - mit den plausiblen Alternativen.

Lesartpresten

Gewählte Lesart: Die Kerne sollen beim Zerstoßen der Pflaumen nicht zerbrechen.

Lesarttrukchen gestossen kraut

Gewählte Lesart: Trockenes oder getrocknetes, zerstoßenes Kraut beziehungsweise Krautpulver; die konkrete Pflanze und Funktion bleiben offen.

Andere mögliche Lesart:

  • Trockenes, zerstoßenes Würzkraut oder Krautpulver. - Die grammatische Fügung und die CoReMA-Sachglosse „herb“ stützen diese Möglichkeit, bestimmen aber keine konkrete Pflanze.

Originalwerk (~1450) gemeinfrei.

Bildquelle
Fol. 092v, Berlin, Staatsbibliothek zu Berlin - Preußischer Kulturbesitz -, Handschriftenabteilung; Ms. germ. qu. 1187; bereitgestellt durch CoReMA - Cooking Recipes of the Middle Ages, Universität Graz
Transkription
CoReMA - Cooking Recipes of the Middle Ages (Uni Graz), B4 (Berlin, Staatsbibliothek zu Berlin - Preußischer Kulturbesitz -, Handschriftenabteilung; Ms. germ. qu. 1187), CC BY 4.0 Link öffnen
Übersetzung & Anmerkungen
CC BY-SA 4.0 fyndling.de
LagerkücheLagerküche · ⭐ Gold - vollständig lagerküchentauglich
Topf, Feuer, Stoßgerät und Sieb genügen. Während der Zubereitung ist keine Kühlung nötig; reife Früchte und das fertige Mus sind jedoch verderblich und sollten nicht pauschal als bei Raumtemperatur haltbar gelten.
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Stand dieser Fassung: 26.08.2026. Wir überarbeiten die Übersetzungen laufend; beim Zitieren bitte das Datum mit angeben.