Berlin, Staatsbibliothek zu Berlin – Preußischer Kulturbesitz –, Handschriftenabteilung; Ms. germ. qu. 1187
Feigensülze mit Hausenblase
Moderne Übersetzung
Nimm ein Pfund Feigen und wasche sie gründlich. Lasse sie einmal aufkochen und die Stiele daran. Setze sie dann in eine Schüssel, sodass die Stiele nach oben zeigen. Wenn sie nun gesotten sind, sollst du ein Lot Hausenblase haben und diese in gutem Welschwein sieden.
Nun nimm die Brühe, in der die Feigen gesotten wurden. Nimm davon so viel, wie du für die Feigen benötigst. Mische dies mit guten Gewürzen und Safran, aber nicht zu viel, sodass die Feigen mit der Brühe bedeckt sind. Gib sie dann hin.
Zutaten
| Original | Modern | Mengenangabe | Wo kaufen | Alternative |
|---|---|---|---|---|
| ein phuntt veygen | Feigen | 500 g | - | - |
| haussen plater ein lott | Hausenblase | 15 g | ⚠ nicht legal erhältlich (Artenschutz) | Gelatine oder Agar-Agar (im Supermarkt erhältlich) |
| gutten wein der welhischer wein sey | Welscher Wein (südländischer Importwein) | - | Weinhandel | Malvasier, Vernaccia oder ein anderer kräftiger Süßwein aus dem Süden |
| gutten gewurcz | Gewürze | - | - | - |
| Saffran das nicht zuvil | Safran | - | gut sortierter Supermarkt, Online-Gewürzhandel | - |
Zubereitungshinweis
Welches Gericht ist das? Eine Feigensülze: ganze Feigen werden kurz aufgekocht und anschließend in ein mit Hausenblase gebundenes, gewürztes Weingelee eingebettet - mit aufrecht stehenden Stielen dekorativ angerichtet. Das Verfahren steht in der Tradition der Aspik-Küche, in der statt Fleisch oder Fisch ganze Früchte in eine gelierte, gewürzte Flüssigkeit eingelegt werden; heutige Weingelee-Desserts mit ganzen Früchten sind entfernte Nachfahren dieser Machart.
Die Anweisung, die Feigen mit den Stielen nach oben in die Schüssel zu setzen, ist rein dekorativ gemeint - sie hat keine Garfunktion, sondern sorgt für den Schauwert beim Stürzen aus der Form. Der nahezu wortgleiche Zwillingstext W1-192 bestätigt diese Lesart.
Weder hier noch im Zwillingstext wird ausdrücklich gesagt, dass der Hausenblase-Weinsud mit der gewürzten Feigenbrühe zusammengeführt wird, bevor beides über die Feigen gegossen wird - beide Fassungen setzen das offenbar als selbstverständlich voraus. Ohne diese Zusammenführung würde die Flüssigkeit aber gar nicht gelieren.
Praxis. Feigen waschen, mit den Stielen kurz aufwallen lassen und mit den Stielen nach oben in eine Schüssel setzen. Die Hausenblase (etwa 15 g) in gutem Welschwein bei milder Hitze auflösen. Die Kochbrühe der Feigen mit Gewürzen und Safran abschmecken, mit dem Hausenblase-Weinsud vermengen und über die Feigen gießen, sodass sie vollständig bedeckt sind. Kühl stellen, bis das Gelee fest ist.
Vollständige Version mit Originaltext, Glossar und Anmerkungen: fyndling.de/rezepte/b4-188/
fyndling.de/rezepte/b4-188/