Berlin, Staatsbibliothek zu Berlin – Preußischer Kulturbesitz –, Handschriftenabteilung; Ms. germ. qu. 1187
Fastenkrapfen mit Apfel-Rosinen-Füllung
Moderne Übersetzung
Nimm welsche Rosinen und etwa so viele Äpfel dazu. Stoße sie klein und füge [etwas] hinzu. Fülle sie in die Krapfen und lass es weichen. Versalze nicht.
Zutaten
| Original | Modern | Mengenangabe | Wo kaufen | Alternative |
|---|---|---|---|---|
| welhisch weinper | Welsche Rosinen | - | Supermarkt | - |
| ophel | Äpfel | - | - | säuerliche Apfelsorte wie Boskoop |
| tu darczu (Ellipse; Zwillinge w1-235/bgs-060 haben an dieser Stelle Gewürze) | Gewürze | - | Supermarkt | Zucker: Ein paar Rezepte weiter verlangt dieselbe Handschrift für dieselbe Rosinen-Apfel-Füllung ausdrücklich Zucker als Gewürz („zukcher … vnd ander gewurcz“). |
| (erschlossen) | Krapfenteig | - | Supermarkt | - |
| (erschlossen) | Pflanzenöl oder Butterschmalz | - | Supermarkt | - |
| versalcz nicht (erschlossen) | Salz | - | - | - |
Zubereitungshinweis
Welches Gericht ist das? Ein gefüllter Fastenkrapfen: Teigtaschen mit einer klein gestoßenen Apfel-Rosinen-Füllung, im heißen Fett ausgebacken. Er steht näher bei einem heutigen Apfelkrapfen oder Apfelküchlein als beim marmeladengefüllten Berliner - die Füllung besteht aus grob zerkleinertem Obst, nicht aus Konfitüre.
Die offene Stelle „tu darczu”. Der Text sagt an einer Stelle nur, man solle etwas hinzufügen, ohne zu benennen, was. Zwei eng verwandte Fassungen desselben Rezepts - w1-235 und bgs-060 - haben an genau dieser Stelle „Gewürze”. Das Manuskript selbst lässt es offen.
Praxis. Stoße Rosinen und Äpfel im Mörser oder mit dem Blitzhacker zu einer groben Paste, im Verhältnis etwa 1:1. Würze nach Geschmack, zum Beispiel mit Zimt und Ingwer - welche Gewürze genau gemeint waren, ist hier nicht überliefert. Fülle die Paste in vorbereiteten, rohen Krapfenteig und backe die Taschen in heißem Fett aus. Die Salzwarnung am Ende bezieht sich vermutlich auf den Teig, der hier vorausgesetzt, aber nicht extra beschrieben wird.
Der Teig. Das Rezept nennt nur den fertigen Teig und setzt ihn als bekannt voraus. Das Grundrezept steht in den Grundlagen: Mehl, Ei, etwas Wasser oder Wein, warmes Schmalz und Salz zu einem festen, geschmeidigen Teig kneten, ruhen lassen und dünn ausrollen. Für einen Fastenkrapfen passen Ei und Schmalz nicht, beide waren in der Fastenzeit verboten. Dann den Teig nur aus Mehl, Wasser oder Wein, Öl und Salz anmachen - das ist unsere Anpassung, das Grundrezept sagt dazu nichts.
Vollständige Version mit Originaltext, Glossar und Anmerkungen: fyndling.de/rezepte/b4-233/
fyndling.de/rezepte/b4-233/