Reichenauer Kochbuch (Karlsruhe, Badische Landesbibliothek, Cod. Aug. pap. 125 (Ka1))
Pastete mit wechselnder Füllung
Moderne Übersetzung
Auch macht man eine Pastete aus Eiern, Käse und anderen Dingen. Die Füllung kann trocken oder feucht sein.
Mit Feigen und Weinbeeren: Auch werden Pasteten gut, wenn man Feigen und Weinbeeren (Rosinen) hineingibt.
Mit Birnen: Ebenso macht man sie mit guten Birnen und Gewürz.
Mit Morcheln: Auch wären Morcheln darin gut, und überhaupt ist allerlei Gewürz dazu gut.
Zutaten
| Original | Modern / Menge | Wo kaufen | Alternative |
|---|---|---|---|
| ayger | Eier | - | - |
| kaeß | Käse | - | - |
| andern dingen | weitere Zutaten | - | - |
| figan | Feigen | - | Getrocknete Feigen sind historisch wahrscheinlicher als frische, da Feigen im alemannischen Raum importiert werden mussten. |
| winber | Weinbeeren (Rosinen) | - | - |
| bieren | Gute Birnen | - | Feste, säuerliche Birnensorten wie Conference halten beim Backen die Form besser als sehr weiche Sorten. |
| gewurtz | Gewürz | - | - |
| morouch | Getrocknete Morcheln (vom Vorjahr) | - | Getrocknete Morcheln vor der Verwendung in warmem Wasser einweichen. Lexikalisch bleibt „morouch" im Mittelhochdeutschen mehrdeutig (Möhre oder Morchel) - siehe die Lesarten-Diskussion im Rezepttext. |
Zubereitungshinweis
Welches Gericht ist das? Eine offene Pasteten-Formel mit Ei-Käse-Grundmasse, die je nach Wunsch süß (mit Feigen, Rosinen oder Birnen) oder herzhaft (mit Morcheln) gefüllt wird - ein entfernter Vorfahr der heutigen Quiche, besonders weil der Text die Füllung ausdrücklich als austauschbares Baukasten-Prinzip beschreibt. Die Schwester-Handschrift Cgm 384 überliefert in m384-018 fast denselben Rezepttext.
Möhren oder Morcheln? Bei der vierten Füllung bleibt „morouch" nicht restlos gesichert. Die beste verfügbare Konkordanz-Evidenz - das Schwester-Rezept in Cgm 384 (Ehlert-gestützt) sowie ein weiteres Rezept aus derselben Handschriftenfamilie mit demselben Wortstamm für Pilze - spricht für getrocknete Morcheln vom Vorjahr statt für Möhren. Praktisch macht das einen Unterschied: getrocknete Morcheln müssen vor der Verwendung eingeweicht werden, geschälte Möhren nicht.
Praxis. Eier mit geriebenem Käse verrühren - für eine festere Füllung mehr Käse und weniger Ei, für eine saftigere umgekehrt. Danach nach Wunsch mit eingeweichten Feigen und Rosinen süßen, mit gewürfelten Birnen und Gewürz füllen, oder mit eingeweichten, getrockneten Morcheln und Gewürz herzhaft machen. Die Masse in eine Teighülle füllen und backen - der Text selbst nennt keine Kruste und keine Hitze- oder Zeitangabe. Im Lager funktioniert das im Dutch Oven mit Glut oben und unten, braucht aber etwas Übung in der Feuerführung.
Vollständige Version mit Originaltext, Glossar und Anmerkungen: fyndling.de/rezepte/ka1-002/
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