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Reichenauer Kochbuch (Karlsruhe, Badische Landesbibliothek, Cod. Aug. pap. 125 (Ka1))

Südwestdeutschland (Reichenau/Bodensee), 15. Jh. · Frühneuhochdeutsch (alemannisch, südwestdeutsch, 15. Jh.)

Süße Salse für Forelle, Lachs und Inlanke

Moderne Übersetzung

Bereite eine Forelle, einen Lachs oder einen Inlanke-Fisch für eine süße Salse vor. Gib dazu Fischleber und geriebenen Lebkuchen, oder Pfefferbrot, oder gebranntes Mehl und Honig, wie zuvor beschrieben, in die Salse.

Füge Mandelkerne, beide Arten von Weinbeeren (frisch und/oder getrocknet) und Feigen hinzu. Richte die Salse kalt über den Fisch an oder lege den Fisch darin ein.

Zutaten

OriginalModernMengeWo kaufenAlternative
Ain ferchinn Forelle - Fischhändler, Wochenmarkt Saibling oder eine andere kleine Forellenart
ain lachs Lachs - gut sortierter Supermarkt, Fischhändler -
ain jnlancken Inlanke (Süßwasserfisch) - Fischhändler (nachfragen) Hecht, Karpfen oder Wels
visch lebra Fischleber - Fischhändler (auf Bestellung) Hühnerleber (für ähnliche Textur und Geschmack)
geribnem lepzelten Geriebener Lebkuchen - Supermarkt (Backwaren), Bäckerei Geriebenes, gewürztes Brot (z.B. mit Zimt, Nelken, Ingwer)
pfeffer brot Pfefferbrot - Bäckerei, gut sortierter Supermarkt Altes Weißbrot, gerieben und mit Pfeffer gewürzt
gebrentem mel Gebranntes Mehl - Supermarkt (Mehl), selbst rösten -
hung Honig - - -
mangolt kernen Mandelkerne - Supermarkt (Backregal) -
baiderlay winber Weinbeeren (frisch und/oder getrocknet) - Supermarkt -
figa Feigen - Supermarkt (Obst- oder Trockenfrüchteabteilung) -

Zubereitungshinweis

Welches Gericht ist das? Dies ist eine kalte, sämige Frucht-Nuss-Salse zu Fisch - gebunden über geriebenen Lebkuchen, Pfefferbrot oder geröstetes Mehl mit Honig, angereichert mit Mandeln, Weinbeeren und Feigen. Sie steht in derselben Traditionslinie wie moderne fruchtig-süße Kalt-Saucen zu Fisch (etwa die Cumberland-Sauce-Familie) und lebt in der Bindetechnik mit geriebenem Lebkuchen bis heute fort, etwa in der Sauce des Rheinischen Sauerbratens.

Drei Fischarten, kein Ferkel. Die erste Zutat wurde bisher als „Ferkel“ gelesen. Die nahezu wortgleiche Parallelstelle in der Schwester-Handschrift m384-074 hat an derselben Position jedoch „forchenen“ = Forelle, und der übrige Rezepttext spricht durchgehend nur von „die fisch“. Das Rezept ist damit ein reines Drei-Fisch-Gericht: Forelle, Lachs und ein Inlanke-Fisch (ein nicht mehr sicher identifizierbarer Süßwasserfisch).

Praxis. Für die Fischleber nennt der Text kein eigenes Gar-Verb; die Salse wird kalt angerichtet. Für den heutigen Gebrauch empfiehlt es sich, die Leber vor dem Einrühren kurz anzudünsten oder zu pochieren, statt sie roh zu verarbeiten. Die trockenen Zutaten - Lebkuchen, Pfefferbrot oder geröstetes Mehl, Honig, Mandeln, Weinbeeren, Feigen - werden ohne weiteren Kochvorgang untergerührt. Die fertige Salse kalt über den Fisch geben oder den Fisch darin einlegen.

fyndling.de/rezepte/ka1-067/