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Haus- und Arzneibuch (Ka2) (Karlsruhe, Badische Landesbibliothek, Cod. Donaueschingen 793)

Unteres Inntal (Mühldorf am Inn), Bayern, 15. Jh. · Frühneuhochdeutsch (mittelbairisch, unteres Inntal/Mühldorf am Inn, ca. 1445-1470)

Igel aus Mandeln

Moderne Übersetzung

Gib die sehr fein gestoßenen Mandeln in einen sauberen Topf.

Und rühre sie gut mit einem kleinen Hölzchen um. Schütte die Masse dann auf ein Tuch, sodass sie sich ausbreitet, und lass sie abtropfen, damit sie trocken wird.

Bestreue sie dann mit Zucker. Nimm dann die geviertelten Mandeln, die mit Safran rot gefärbt sind, und stecke sie dann als Stacheln hinein, sodass es wie ein Igel aussieht.

Gieße dann eine dicke Mandelmilch darüber und serviere es auf einer Schüssel.

Zutaten

OriginalModernMengeWo kaufenAlternative
mandel gar wol gestossen Mandeln, gemahlen - Supermarkt (Backregal) Ganze Mandeln im Blender fein mahlen
zuker Zucker - - -
dy virtailten mandel Mandeln (für die Stacheln) - Supermarkt (Backregal) Mandelstifte
saffran Safran - gut sortierter Supermarkt, Online-Gewürzhandel -
ein dike man del milich Mandelmilch, dickflüssig - Supermarkt Selbstgemachte Mandelmilch, reduziert

Zubereitungshinweis

Welches Gericht ist das? Ein kalt zusammengesetztes Schaugericht ganz ohne Herd oder Ofen: sehr fein gestoßene Mandeln werden zu einer streichfähigen Masse verarbeitet, auf einem Tuch getrocknet, gezuckert und mit safranrot gefärbten Mandelstücken als Stacheln zum Igel gestaltet, dann mit dickflüssiger Mandelmilch übergossen. In der Grundidee - eine essbare Tierfigur aus gefärbter Mandelmasse als Tafelschmuck - erinnert das an das, was bis heute als Marzipan-Igel verkauft wird, ohne dass sich daraus eine durchgehende Rezeptlinie belegen ließe.

Die Mandeln für die Stacheln sind gevierteilt, nicht bloß ‚vorbereitet‘. ‚Dy virtailten mandel das dy rot sein mit saffran‘ heißt gevierteilte Mandeln, die mit Safran rot gefärbt werden. Für die Stacheln eines Igels sind Mandelviertel auch küchentechnisch die naheliegendere Wahl als unbestimmt ‚vorbereitete‘ Mandeln.

‚Bestoßen‘ heißt hier hineinstecken, nicht bedecken. Die safranroten Mandelviertel werden als Stacheln in die geformte Masse gesteckt, nicht nur obenauf verteilt - das ‚stoß‘-Verb bezeichnet an dieser Stelle ausnahmsweise das Besetzen/Bestecken, nicht das Zerkleinern.

Praxis. Sehr fein gemahlene Mandeln in einem sauberen Topf mit einem Holzlöffel verrühren, bis sich durch das Eigenöl der Mandeln eine formbare Masse ergibt - zusätzliche Flüssigkeit braucht es dafür nicht. Die Masse dünn auf einem Tuch ausbreiten und antrocknen/abtropfen lassen, dann mit Zucker bestreuen. Mandelviertel mit Safranwasser rot färben und als Stacheln in die geformte Masse stecken, sodass ein Igel entsteht. Zum Schluss dickflüssige Mandelmilch darübergießen und zügig auf einer Schüssel servieren, bevor die Färbung verläuft oder die Stacheln verrutschen.

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