Koch und Kellermeisterei (Koch vnd Kellermeysterey von allen Speisen vnd Getrencken)
Gepresster Schweinskopf
Moderne Übersetzung
Koche den Schweinskopf in einem sauberen Kessel, bis sich die Knochen leicht ablösen lassen. Säubere ihn danach gründlich, ziehe alle Knochen heraus und schneide die Schwarte ab. Hacke das restliche Fleisch fein. Nimm die Ohren, Wangen und die Zunge und stoße sie in einem Mörser mit etwas Brühe gut zu einer Paste. Würze diese Masse mit Gewürzen und geriebenem Lebkuchen, so viel du benötigst. Lege die Schwarte auf ein feuchtes Tuch, das für Pfeffergerichte bestimmt ist. Gib das gehackte Fleisch in einen Mörser zu der bereits zubereiteten Zungenmischung. Vermische alles gut und achte darauf, dass die Masse nicht zu dünn wird. Streiche die Mischung auf die Schwarte. Du kannst nach Belieben Rosinen hinzufügen. Forme die Masse mit den Händen auf dem Tuch rundherum, schlage das Tuch fest zu und binde es gut mit einem Faden zusammen. Lege das Ganze in eine Presse zwischen zwei ausreichend breite Bretter oder beschwere es mit Steinen. Lasse es Tag und Nacht fest werden. Schneide danach Stücke davon ab und serviere sie in einem Pfeffergericht.
Zutaten
| Original | Modern / Menge | Wo kaufen | Alternative |
|---|---|---|---|
| Kopff | 1 Schweinskopf | Metzger | - |
| Wasser | Ausreichend Wasser | Leitung | - |
| Brüh | Etwas Brühe | - | - |
| würtzen | Gewürze (z.B. Pfeffer, Ingwer, Nelken, Muskat) | - | - |
| gerieben Lebkuchen | Geriebener Lebkuchen | - | ungeglaste Aachener Kräuterprinten (oder ungeglaster Honig-Lebkuchen) |
| Rosin | Rosinen (optional) | - | - |
| Salz | Salz | - | - |
Zubereitungshinweis
Welches Gericht ist das? Ein gepresster Schweinskopf - der direkte Vorfahr von Presskopf, Schwartenmagen und Sülzkopf. Der ganze Kopf wird weichgekocht, entbeint, das Fleisch gewürzt und in die eigene Schwarte als Hülle eingeschlagen, dann über Nacht unter Druck gesetzt, bis ein schnittfester Laib entsteht.
Die Schwarte als essbare Form. Die abgezogene Schwarte (Haut) wird auf ein feuchtes Tuch gelegt und dient als äußere Hülle für die Fleischmasse - eine natürliche, essbare Pasteten-Form. Das Tuch hält beim Pressen alles zusammen und gibt die Rundung; nach dem Festwerden wird es entfernt.
Bindung durch geriebenen Lebkuchen. Der gerieben Lebkuchen ist hier mehr als Würze: Er bindet die Masse (wie Pfefferbrot in den Saucen) und bringt zugleich die typische süß-würzige Lebkuchen-Note (Honig, Pfeffer, Nelke, Zimt) ein - daher die Verwandtschaft zur Lebkuchensauce. Modern eignen sich ungeglaste Honig-Lebkuchen oder Aachener Kräuterprinten, fein gerieben.
Pressen statt Gelieren. Anders als eine Sülze braucht dieser Kopf kein zusätzliches Geliermittel: Die natürliche Gelatine aus Schwarte und Bindegewebe verklebt beim Erkalten unter Druck zum festen Laib. Das trucknen am Ende meint nicht Austrocknen, sondern das Festwerden unter der Presse.
Praxis. Schweinskopf in reichlich Wasser weich kochen, bis sich die Knochen lösen (2-3 Std.). Entbeinen, Schwarte abnehmen, das Fleisch fein hacken. Ohren, Wangen und Zunge mit etwas Brühe im Mörser oder Mixer zu einer Paste, mit Gewürzen und reichlich geriebenem Lebkuchen abschmecken, mit dem gehackten Fleisch (nicht zu dünn) vermengen, nach Belieben Rosinen unter. Auf die ausgebreitete Schwarte streichen, im feuchten Tuch fest einschlagen, mit Faden binden, zwischen zwei Brettern mit Steinen oder Presse beschweren, kalt über Nacht festwerden lassen. In Scheiben schneiden und in einem Pfeffer (dunkle, würzige Sauce) servieren.
Vollständige Version mit Originaltext, Glossar und Anmerkungen: fyndling.de/rezepte/kkm-056/
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