Rezeptbuch der Sarah Longe (Rezeptbuch der Sarah Longe, Folger Shakespeare Library MS V.a.425)
Aprikosen einmachen und trocknen
Moderne Übersetzung
Pflücke deine Aprikosen, bevor sie reif sind. Einen Tag nach dem Pflücken entsteine sie und schäle sie sehr dünn. Auf etwa 450 g (ein Pfund) Aprikosen nimm etwa 450 g (ein Pfund) Zucker und lass deine Aprikosen zugedeckt 2 Stunden im Zucker liegen, bis der Zucker so feucht ist, dass er ohne Wasser schmilzt.
Dann setze Zucker und Aprikosen auf ein sanftes Feuer, sodass sie in der ersten halben Stunde nicht kochen. Danach lass sie eine halbe Stunde oder länger ganz leise kochen und wende sie oft, damit sie nicht zerbrechen.
Wenn du meinst, sie seien genug, fülle sie in ein tiefes Glas und den Sirup in eine silberne Schale. Lass den Sirup ein wenig sieden, gieße ihn dann über deine Aprikosen und lass es so unbedeckt bis zum nächsten Tag stehen. Dann decke sie zu.
Wenn sie eine Woche im Sirup gelegen haben, nimm sie heraus, lege sie auf eine saubere Glasplatte und stelle sie in eine Trockenstube oder an einen anderen sauberen Ort, wo sie etwas Luft vom Feuer abbekommen. Wende sie jeden Tag auf saubere Glasplatten um, bis sie durch und durch trocken sind.
Zutaten
| Original | Modern | Mengenangabe | Wo kaufen | Alternative |
|---|---|---|---|---|
| a pound of apricocks | etwa 450 g unreife Aprikosen | 450 g | - | - |
| a pound of sugar | etwa 450 g Zucker | 450 g | - | - |
Zubereitungshinweis
Was ist das? Ganze, unreif gepflückte Aprikosen, die zuerst in ihrem eigenen Zuckersaft eingemacht und danach getrocknet werden: trockenes Zuckerwerk aus ganzen Früchten, keine Marmelade. Auf derselben Seite folgt ein zweites Verfahren mit reifen Früchten (lon-024).
Sirup ohne Wasser. Der Text gibt kein Wasser zu. Die geschälten Früchte liegen zwei Stunden zugedeckt im Zucker, bis der Zucker feucht ist und „without water“ schmelzen kann; die Flüssigkeit kommt also aus den Früchten. Dann eine halbe Stunde auf sanftem Feuer, ohne dass es kocht, danach eine halbe Stunde oder länger ganz leise kochen. Das häufige Wenden soll verhindern, dass die Früchte zerbrechen. Ein Endzeichen nennt die Handschrift nicht, nur „when you thinke they be enough“.
Sirup nachsieden. Früchte und Sirup werden getrennt: die Früchte in ein tiefes Glas, der Sirup in eine silberne Schale, wo er ein wenig siedet, bevor er zurück über die Früchte kommt. Wie weit er einkochen soll, sagt der Text nicht. Über Nacht bleibt das Glas offen, dann wird es zugedeckt; eine Woche liegen die Früchte im Sirup.
Trocknen. Die stove ist eine beheizte Trockenstube oder ein Ofen zum Trocknen, kein Kochherd; die Handschrift lässt auch einen anderen sauberen Ort zu, an den etwas Wärme vom Feuer kommt. Die Früchte werden jeden Tag auf saubere Glasplatten umgelegt, bis sie „through dry“ sind. Wärme und Dauer nennt der Text nicht. Dasselbe Umlegen auf saubere Unterlagen steht bei den getrockneten Kirschen (lon-013).
Praxis. Feste, noch nicht reife Aprikosen entsteinen, dünn schälen, abwiegen und mit gleich viel Zucker zugedeckt ziehen lassen. Erst ohne Kochen erwärmen, dann ganz leise kochen und dabei oft wenden. Siedender Zuckersirup verbrüht stark. Heute (modern) kann ein warmer, trockener Platz oder ein Ofen bei niedriger Wärme die Trockenstube ersetzen; maßgeblich bleibt das Endzeichen der Handschrift: die Früchte sind durch und durch trocken.
Vollständige Version mit Originaltext, Glossar und Anmerkungen: fyndling.de/rezepte/lon-023/
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