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Rezeptbuch der Sarah Longe (Rezeptbuch der Sarah Longe, Folger Shakespeare Library MS V.a.425)

England, 17. Jh., Nachträge bis 18. Jh. · Frühneuenglisch, englische Haushaltshandschrift des 17. Jahrhunderts mit Nachträgen bis ins 18. Jahrhundert; Mrs Sarah Longe und spätere Hände

Veilchensirup

Moderne Übersetzung

Nimm eine angemessene Menge Veilchen, verlies sie und wiege sie dann. Nimm auf ein Viertel Veilchen etwa 225 g (ein halbes Pfund) Zucker und etwa 250 ml (ein halbes Pint) Wasser.

Dann schneide die Veilchen sehr klein und stoße den Zucker sehr fein. Dann nimm etwa 250 ml (ein halbes Pint) Wasser, bring es in einem sauberen Kochtopf zum Kochen, gib den Zucker hinein und schäume es sehr sauber ab.

Dann gib die Veilchen in einen Salbentopf, gieß die Flüssigkeit siedend heiß darauf und rühre es um. Deck es dicht zu und lass es so bis zum nächsten Morgen stehen. Dann seihe es ab, koche es zu einem Sirup ein und bewahre ihn so auf.

Anmerkung: Etwa 125 ml (ein Viertel Pint) Veilchen ergeben etwa 0,5 l (ein Pint) Sirup.

Zutaten

OriginalModernMengenangabeWo kaufenAlternative
a reasonable quantity of Violetts eine angemessene Menge Veilchen, verlesen und gewogen - Eigener Garten, nur ungespritzte Blüten (Frühjahr) -
halfe a pound of sugar etwa 225 g (ein halbes Pfund) Zucker auf ein Viertel Veilchen, sehr fein gestoßen 225 g - -
halfe a pint of water etwa 250 ml (ein halbes Pint) Wasser 250 ml - -

Zubereitungshinweis

Was ist das? Ein Veilchensirup aus einem heißen Aufguss: Zuckerwasser wird gekocht, abgeschäumt und siedend über die klein geschnittenen Veilchen gegossen. Der Ansatz steht zugedeckt bis zum nächsten Morgen, wird abgeseiht und zum Sirup eingekocht. Die Blüten selbst kochen nicht mit.

Die Veilchen. Das englische violet ist nach Britten und Holland (1886) der Sammelname der Veilchen, besonders des Duftveilchens (Viola odorata), das Lyte „Sweet Violet“ nennt. Welche Art gemeint ist, sagt die Handschrift nicht. Verlesen und gewogen werden die Blüten vor dem Schneiden.

Das Viertel. Wie viel Veilchen auf das halbe Pfund Zucker kommen, hängt am Wort quarterne: ein Viertel Pint, ein Viertelpfund oder ein Viertelhundert. Die Schlussnotiz rechnet mit einem Viertel Pint Veilchen für ein Pint Sirup.

Das Einkochen. Wie weit eingekocht wird, sagt der Text nur mit „boyle it up to a Sirrope“; eine Probe nennt er nicht. Die Stenglerin prüft ihren Veilchensaft (1554, mst-110) mit einer Ahle, von der er langsam abrinnen soll; für dieses Rezept ist das nicht belegt.

Einordnung. Das Register des Buchs führt den Sirup unter den Arzneien („Phisike & Chirurgery“), der Eintrag selbst nennt aber weder eine Krankheit noch eine Gabe. Er steht hier als Zubereitung, nicht als Hausmittel. Siedendes Zuckerwasser verbrüht beim Aufgießen und Einkochen leicht.

fyndling.de/rezepte/lon-048/