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Rezeptbuch der Sarah Longe (Rezeptbuch der Sarah Longe, Folger Shakespeare Library MS V.a.425)

England, 17. Jh., Nachträge bis 18. Jh. · Frühneuenglisch, englische Haushaltshandschrift des 17. Jahrhunderts mit Nachträgen bis ins 18. Jahrhundert; Mrs Sarah Longe und spätere Hände

Gekochte Konserve aus Damaszener-Rosenknospen

Moderne Übersetzung

Nimm Knospen der Damaszener-Rose mit den Nägeln daran und schüttle die Samen aus ihnen heraus, etwa 4,5 l (einen halben Peck). Zupfe sie sauber von den äußeren Blättern.

Gib so viel fließendes Wasser dazu, dass es sie bedeckt, wenn sie niedergedrückt und alle zusammengepresst sind. Koche sie gut zugedeckt, bis sie weich sind.

Gib dann das Doppelte ihres Gewichts und noch die Hälfte an feinem Zucker hinein und koche sie zu einer Konserve ein. Den Zucker musst du in zwei Gaben hineingeben. Von der ersten Zuckergabe an, bis sie fertig ist, dauert es eine Stunde; lass sie aber nach der letzten Zuckergabe nicht zu lange kochen. Sobald du anfängst, den Zucker hineinzugeben, darfst du sie nicht mehr zudecken.

Nimm davon jeweils einen Löffel voll früh am Morgen - mehr, je nachdem, wie du sie wirken lassen willst - und bleib in einem warmen Haus; im Haus herumgehen darfst du aber, wenn du willst.

Zutaten

OriginalModernMengenangabeWo kaufenAlternative
Damaske -Rosebudds, with the Nailes upon them etwa 4,5 l (ein halber Peck) Knospen der Damaszener-Rose, mit dem weißen Ansatz der Blütenblätter, ohne die gelbe Mitte und ohne die äußeren Blätter 4½ l Unbehandelte Rosen aus dem Garten, nur zur Rosenblüte -
runing water so viel fließendes Wasser, dass es die zusammengedrückten Knospen bedeckt - - -
fine sugar das Doppelte und noch die Hälfte vom Gewicht der Rosen, in zwei Gaben - - -

Zubereitungshinweis

Was ist das? Eine gekochte Rosenkonserve: Knospen der Damaszener-Rose werden zugedeckt in Wasser weich gekocht und dann offen mit Zucker in zwei Gaben zur Konserve eingekocht. Die rohe, im Mörser gestoßene Konserve desselben Buchs steht als lon-003. Der Schluss ist eine Gebrauchsangabe: ein Löffel voll früh am Morgen, mehr je nach gewünschter Wirkung, danach im warmen Haus bleiben.

Die Knospen. Die Nägel, der weiße Ansatz der Blütenblätter, bleiben ausdrücklich dran; lon-003 und lon-049 desselben Buchs schneiden ihn ab, ebenso Digbys Rosenkonserve nach Doctor Glisson (dig-330). Herausgeschüttelt wird die gelbe Mitte der Blüte, die Gerards Herball (1633) „the yellow chiues, or seeds“ nennt. Die äußeren Blätter werden abgezupft; ob damit die grünen Kelchblätter oder die äußersten Blütenblätter gemeint sind, sagt der Text nicht. Gemessen wird nach Volumen, ein halber Peck Knospen.

Kochen und Zucker. Zuerst wird gut zugedeckt gekocht, bis die Knospen weich sind. Dann kommt der Zucker in zwei Gaben dazu, und von da an bleibt der Topf offen. Von der ersten Zuckergabe bis zur fertigen Konserve rechnet der Text eine Stunde und warnt, nach der letzten Gabe nicht zu lange zu kochen. Woran man das Ende erkennt, sagt er nicht. Die Zuckermenge, das Doppelte und die Hälfte, bezieht sich auf das Gewicht der Rosen; ob roh oder gekocht gewogen wird, bleibt offen.

Die Einnahme. Ludwig (1706) gibt to work mit „wuͤrcken, operiren“ wieder, und Gerards Herball (1633) schreibt der Damaszener-Rose eine lösende Wirkung zu. Die Schlusszeilen lesen sich deshalb als Gebrauch eines milden Abführmittels. Das ist der Anspruch der Handschrift und ihrer Zeit, keine Empfehlung.

Praxis. Nur frische, ungespritzte Damaszener-Rosen zur Blütezeit nehmen. Die Knospen zusammendrücken, knapp mit Wasser bedecken und zugedeckt weich kochen. Dann den Zucker in zwei Gaben hineingeben und offen einkochen; der Text rechnet dafür eine Stunde. Wer nach dem Weichkochen abtropfen lässt und wiegt, hat ein festes Maß für den Zucker; das ist eine heutige Wahl. Siedender Zucker verursacht schwere Verbrennungen. Die Konserve ist heute eine Süßigkeit; die Einnahme als Abführmittel bleibt ein historisches Dokument.

fyndling.de/rezepte/lon-075/