Rosenkonserve im Mörser
Rezeptbuch der Sarah Longe, Folger Shakespeare Library MS V.a.425 · England · 1610
Nimm Rosenknospen und schneide das Weiße am unteren Ende ab. Wiege sie dann und nimm auf etwa 450 g (ein Pfund) Rosen etwa 1,35 kg (drei Pfund) Hutzucker. Stoße den Zucker sehr fein.
Stoße die Rosen in einem steinernen Mörser und streue beim Stoßen den Zucker ein. Stoße sie eine Stunde oder länger, bis sie sehr fein gestoßen sind. Dann fülle sie in deinen Salbentopf.
| Original | Modern | Mengenangabe | Wo kaufen | Alternative |
|---|---|---|---|---|
| a pound of roses | etwa 450 g (ein Pfund) Rosenknospen | 450 g | Eigener Garten oder Wochenmarkt, nur ungespritzt | - |
| 3 pound of lofe sugar | etwa 1,35 kg (drei Pfund) Hutzucker | 1,35 kg | - | Feiner weißer Zucker |
Was ist das? Eine rohe Rosenkonserve: Rosenknospen werden ohne Feuer mit der dreifachen Menge Zucker im steinernen Mörser zu einer feinen Masse gestoßen. Ludwig (1706) gibt conserve mit „Latwerge“ wieder. Eine gekochte Rosenkonserve steht im selben Buch als lon-075.
Das Weiße unten. Vor dem Wiegen wird der weiße Ansatz am Grund der Blütenblätter abgeschnitten, den Gerards Herball (1633) „the nailes or white ends“ nennt. Das Gewichtsverhältnis eins zu drei gilt also für die geputzten Knospen.
Zucker und Stoßen. Der Hutzucker wird zuerst für sich sehr fein gestoßen und dann beim Stoßen der Rosen nach und nach eingestreut. Fertig ist die Masse nach dem Text, wenn die Rosen sehr fein gestoßen sind, nach einer Stunde oder länger. Gekocht wird nicht.
Praxis. Nur ungespritzte, frische Rosenknospen zur Blütezeit nehmen. Heute ersetzt feiner weißer Zucker den Hutzucker; der Text verlangt ihn sehr fein. Statt des Gallipots tut es ein sauberes Glas oder ein glasierter Steinguttopf (beides heutige Wahl). Wie lange die Konserve hält, sagt der Text nicht.
Welche Rosen sind gemeint?
Das Rezept nennt nur Rosenknospen, keine Sorte. Ein anderes Rezept desselben Buchs (lon-075) nimmt Damaszener-Rosen. Für die Küche kommen nur ungespritzte Rosen in Frage; Rosen aus dem Blumenhandel sind meist nicht für Lebensmittel gedacht.
Ist dieses Rezept für die Lagerküche / das Mittelaltermarkt-Lager geeignet?
Ja. Das Rezept braucht kein Feuer, nur einen steinernen Mörser, Zucker und frische Rosenknospen. Das Stoßen dauert nach dem Text eine Stunde oder länger, und frische Knospen gibt es nur zur Rosenblüte.
Aus welcher Zeit und woher stammt dieses Rezept?
Dieses Rezept stammt aus dem Rezeptbuch der Sarah Longe (17. Jh., Nachträge bis 18. Jh., England). Das handschriftliche Haushaltsbuch, das Mrs Sarah Longe im 17. Jahrhundert anlegte, vollständig in seinen drei Schichten: Longes Hauptteil mit eigenem Register (Eingemachtes, Biskuits und Kuchen, Cremes und Possets, einige Fleisch- und Fischgerichte, ein Metheglin und ihre Heilmittel), Nachträge späterer Hände des 17. Jahrhunderts mit Salben, Kräuter-Ales, Obstweinen, China Ale und Usquebaugh, und Spätnachträge des 18. Jahrhunderts mit Weinen, Gelees, Cremes und Kuchen.
- lofe sugar
Hutzucker, der in fester Kegelform gehandelt wurde. Das Rezept lässt ihn vor dem Gebrauch sehr fein stoßen.
- the white at the bottome
Der weiße Ansatz am Grund der Rosenblütenblätter, in Gerards Herball von 1633 „the nailes or white ends“. Auch die Rosenkonserven bei Digby (dig-330, dig-331) schneiden ihn ab; lon-075 desselben Buchs lässt ihn ausdrücklich dran.
- Conserve
Ludwig (1706) übersetzt conserve mit „Latwerge“. Gerard (1633) unterscheidet die rohe, gestoßene Rosenkonserve von der gekochten; diese hier ist die rohe.
- Gally pot
Gallipot, nach Ludwig (1706) „ein weiß irdenes geschirre oder töpffgen, darein man salben, latwergen ꝛc. thut“: ein weißer Irdenwarentopf für Salben und Latwergen, hier für die Konserve.
Lesarten
Mediävistische Texte sind oft mehrdeutig. Hier die Stellen, an denen wir uns für eine Lesart entscheiden mussten - mit den plausiblen Alternativen.
clip of the white
Gewählte Lesart: Die Handschrift schreibt deutlich „clip of“ (clip off, abschneiden). Übersetzt wird deshalb „schneide das Weiße am unteren Ende ab“.
Andere mögliche Lesart:
- „dip of“ (eintauchen) - In der Handschrift stehen c und l getrennt; ein Eintauchmittel fehlt, und Gerard (1633) sowie Digby (dig-330, dig-331) schneiden den weißen Ansatz ab.
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Stand dieser Fassung: 06.11.2026. Wir überarbeiten die Übersetzungen laufend; beim Zitieren bitte das Datum mit angeben.
