Rosenhonig in der Sonne
Rezeptbuch der Sarah Longe, Folger Shakespeare Library MS V.a.425 · England · 1610
Nimm rote Rosenknospen und schneide das Weiße davon ab. Nimm etwa 0,5 l (ein Pint) vom besten Honig und rühre so viele Rosenblätter hinein, wie du kannst.
Dann stelle ihn in einen Kochtopf mit Wasser über das Feuer und lass ihn dort stehen, bis er beinahe kocht.
Dann stelle ihn in die Sonne. Wechsle ihn alle zwei Tage, drei- oder viermal, und schlage ihn jedes Mal durch.
| Original | Modern | Mengenangabe | Wo kaufen | Alternative |
|---|---|---|---|---|
| red-rose budds | rote Rosenknospen, so viele wie hineingehen | - | - | - |
| a pint of the best hony | etwa 0,5 l (ein Pint) bester Honig | 500 ml | - | - |
| a Skillett of water | ein Kochtopf mit Wasser | - | - | - |
Was ist das? Ein Rosenhonig: Honig, in den so viele Blätter roter Rosenknospen gerührt werden, wie er aufnimmt. Er wird nur bis kurz vor dem Kochen erwärmt und zieht danach in der Sonne. Die Handschrift nennt weder die Menge der Rosen noch einen Zweck, noch sagt sie, wann der Honig fertig ist und ob die Blätter am Ende herauskommen.
Die Rosen. „Red-rose“ ist wahrscheinlich die rote Rose der Apotheker, die Gerards Herball (1633) als Rosa rubra oder „Rose de Prouins“ führt, heute Rosa gallica. Von den Knospen wird das Weiße abgeschnitten, der helle Ansatz der Blütenblätter. Mit „leaves“ sind die Blütenblätter gemeint.
Das Wechseln. „Shift it 3. or .4 times every 2 day“ ist die offene Stelle. Am wahrscheinlichsten werden die Rosenblätter alle zwei Tage gegen frische getauscht, insgesamt drei- oder viermal, wie im Rosensirup desselben Buchs (lon-031) und im Rosenhonig der Stenglerin (mst-142). Möglich ist auch, dass nur das Gefäß in der Sonne umgesetzt wird. Sicher ist nur, dass der Honig dabei jedes Mal durchgeschlagen wird.
Praxis. Den Honig in einem Gefäß in einen Kochtopf mit Wasser stellen und die Rosenblätter einrühren. Über dem Feuer stehen lassen, bis der Honig beinahe kocht; das ist das Zeichen zum Abnehmen. Dann in die Sonne stellen und alle zwei Tage durchschlagen, drei- oder viermal. Folgt man der Lesart mit frischen Blättern, braucht man entsprechend mehr Rosenknospen. Heute nimmt man für das Wasserbad ein hitzefestes Glas.
Warum steht der Honig im Kochtopf mit Wasser auf dem Feuer?
Einen Grund nennt die Handschrift nicht. Sie verlangt nur, dass der Honig im Kochtopf mit Wasser stehen bleibt, bis er beinahe kocht. Er kommt also nicht direkt an die Flamme und soll nicht kochen.
Eignet sich der Rosenhonig für die Lagerküche?
Ja. Er braucht nur Honig, Rosenknospen, ein Feuer und einen Kochtopf mit Wasser. Danach steht er mehrere Tage in der Sonne und wird alle zwei Tage durchgeschlagen. Frische Rosenknospen gibt es nur zur Rosenblüte.
Aus welcher Zeit und woher stammt dieses Rezept?
Dieses Rezept stammt aus dem Rezeptbuch der Sarah Longe (17. Jh., Nachträge bis 18. Jh., England). Das handschriftliche Haushaltsbuch, das Mrs Sarah Longe im 17. Jahrhundert anlegte, vollständig in seinen drei Schichten: Longes Hauptteil mit eigenem Register (Eingemachtes, Biskuits und Kuchen, Cremes und Possets, einige Fleisch- und Fischgerichte, ein Metheglin und ihre Heilmittel), Nachträge späterer Hände des 17. Jahrhunderts mit Salben, Kräuter-Ales, Obstweinen, China Ale und Usquebaugh, und Spätnachträge des 18. Jahrhunderts mit Weinen, Gelees, Cremes und Kuchen.
- Hony of roses
Rosenhonig, in der lateinischen Sprache der Apotheker mel rosatum.
- white clipt of them
Der weiße Ansatz am Grund der Rosenblütenblätter. Hannah Woolley schreibt 1670 für ihre Konserve aus roten Rosen ebenso „clip off the Whites“; die Rosenkonserve desselben Buchs (lon-003) schneidet ihn auch ab.
Lesarten
Mediävistische Texte sind oft mehrdeutig. Hier die Stellen, an denen wir uns für eine Lesart entscheiden mussten - mit den plausiblen Alternativen.
shift it 3. or .4 times every 2 day
Gewählte Lesart: „Wechseln“, am wahrscheinlichsten: die ausgezogenen Rosenblätter gegen frische tauschen, alle zwei Tage, insgesamt drei- oder viermal. Ludwig (1706) gibt to shift mit „etwas verändern, ändern“; dieselbe Hand schreibt im Rosensirup lon-031 „shift it every second day till it bee 9. times shifted“, Gerards Herball (1633) lässt Blüten in Öl „shifted two or three times“ in der Sonne stehen, und die Stenglerin (mst-142) ersetzt im Rosenhonig die Blätter durch frische Knospen. Frische Rosen nennt der Eintrag selbst aber nicht.
Andere mögliche Lesarten:
- Das Gefäß in der Sonne an eine andere Stelle umsetzen - Ludwig nennt auch „einen von einem ort an einen andern tragen“; das würde zum Stehen in der Sonne passen, erklärt aber nicht, warum die Zahl der Wiederholungen begrenzt ist.
- Drei- oder viermal an jedem zweiten Tag - Wortlaut „3. or .4 times every 2 day“ lässt das zu; lon-031 zählt die Wechsel aber insgesamt („9. times shifted“).
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Stand dieser Fassung: 06.11.2026. Wir überarbeiten die Übersetzungen laufend; beim Zitieren bitte das Datum mit angeben.
