Sirup von Damaszener-Rosen
Rezeptbuch der Sarah Longe, Folger Shakespeare Library MS V.a.425 · England · 1610
Nimm Damaszener-Rosen, zupfe sie und gib so viele davon in eine Flasche Wasser, wie du gut hineindrücken kannst. Halte es in einem dicht verschlossenen Topf an einem warmen Ort und wechsle es alle zwei Tage, bis es neunmal gewechselt ist.
Dann seihe es ab und gib auf etwa 1 l (ein Quart) Flüssigkeit etwa 675 g (anderthalb Pfund) Zucker.
Du musst die Rosen von den Samen trennen.
| Original | Modern | Mengenangabe | Wo kaufen | Alternative |
|---|---|---|---|---|
| Damask roses | Damaszener-Rosen, so viele, wie sich gut in die Flasche drücken lassen | - | Eigener Garten oder Rosengärtnerei, nur ungespritzte Blüten | - |
| a bottle of water | eine Flasche Wasser | - | - | - |
| one pound and halfe of sugar | etwa 675 g (anderthalb Pfund) Zucker auf etwa 1 l (ein Quart) Auszug | 675 g | - | - |
Was ist das? Ein Rosensirup aus einem Wasserauszug, der in Etappen stärker wird: Gezupfte Damaszener-Rosen ziehen in einer Flasche Wasser, die in einem dicht verschlossenen Topf an einem warmen Ort steht. Alle zwei Tage wird gewechselt, neunmal; erst danach wird abgeseiht und gezuckert, anderthalb Pfund Zucker auf ein Quart.
Das Wechseln. Wir lesen shift so, dass die Flüssigkeit jedes Mal auf frische Rosen kommt. Butlers Bienenbuch von 1623 beschreibt dasselbe für seinen Rosensirup ausdrücklich, dort zehnmal und in heißem Wasser über der Glut (but-018). Hier wird kein Feuer genannt, nur ein warmer Ort.
Die Samen. Der Nachsatz „you must shift them from the seeds“ meint die gelbe Mitte der Blüte, die Gerards Herball (1633) „yellow seeds“ nennt: In den Ansatz kommen nur die Blütenblätter.
Zucker. Der Text nennt nur das Verhältnis. Ob der Zucker kalt gelöst oder der Sirup erwärmt wurde, sagt er nicht.
Praxis. Nur frische, ungespritzte Rosen zur Blütezeit nehmen. Die Flaschengröße ist offen; gezuckert wird nach dem Maß, etwa 675 g Zucker auf 1 l abgeseihten Auszug. Den Zucker bei kleiner Hitze im Auszug zu lösen, ist eine heutige Wahl, kein Schritt der Handschrift. Ein Wasserauszug, der rund 18 Tage warm steht, kann gären oder schimmeln; dazu sagt die Handschrift nichts.
Welche Rosen sind gemeint?
Der Text verlangt Damaszener-Rosen, und zwar gezupft, also die Blütenblätter ohne die gelbe Mitte. Für die Küche kommen nur ungespritzte Rosen in Frage; Rosen aus dem Blumenhandel sind meist nicht für Lebensmittel gedacht.
Wird der Sirup gekocht?
Der Text sagt nichts davon. Er verlangt nur, auf ein Quart abgeseihten Auszug anderthalb Pfund Zucker zu geben. Ob die Mischung zum Lösen oder Eindicken erwärmt wurde, bleibt offen.
Ist dieses Rezept für die Lagerküche / das Mittelaltermarkt-Lager geeignet?
Ja, als Sirup, der zu Hause angesetzt und fertig mitgebracht wird. Der Ansatz braucht neunmal zwei Tage, also rund 18 Tage, und frische Damaszener-Rosen gibt es nur zur Rosenblüte.
Aus welcher Zeit und woher stammt dieses Rezept?
Dieses Rezept stammt aus dem Rezeptbuch der Sarah Longe (17. Jh., Nachträge bis 18. Jh., England). Das handschriftliche Haushaltsbuch, das Mrs Sarah Longe im 17. Jahrhundert anlegte, vollständig in seinen drei Schichten: Longes Hauptteil mit eigenem Register (Eingemachtes, Biskuits und Kuchen, Cremes und Possets, einige Fleisch- und Fischgerichte, ein Metheglin und ihre Heilmittel), Nachträge späterer Hände des 17. Jahrhunderts mit Salben, Kräuter-Ales, Obstweinen, China Ale und Usquebaugh, und Spätnachträge des 18. Jahrhunderts mit Weinen, Gelees, Cremes und Kuchen.
- Damask roses
Damaszener-Rosen. Ludwig (1706) gibt damask-rose mit „damasken rose“ wieder, Gerards Herball (1633) nennt sie „of a most sweet smell“.
- a bottle of water
Wie groß die Flasche ist, sagt die Handschrift nicht. Gezuckert wird am Ende nach Maß, anderthalb Pfund auf ein Quart Flüssigkeit.
- seeds
Gemeint ist die gelbe Mitte der Rosenblüte, nicht Samen im heutigen Sinn: Gerards Herball (1633) sagt von den Rosen, sie hätten „certain yellow seeds in the middle“. Die Blütenblätter werden davon gelöst.
Normdaten der Zutaten
Zuordnung der historischen Zutatennamen zu Wikidata-Konzepten, auf Grundlage des CoReMA-Zutatenindex. Mehrere Konzepte bedeuten: die Lesart ist nicht entschieden.
| one pound and halfe of sugar | unrefined cane sugar Q57656231 |
Lesarten
Mediävistische Texte sind oft mehrdeutig. Hier die Stellen, an denen wir uns für eine Lesart entscheiden mussten - mit den plausiblen Alternativen.
shift it every second day till it bee 9. times shifted
Gewählte Lesart: Alle zwei Tage die Flüssigkeit auf frische Rosen geben, neunmal, damit sich der Auszug anreichert. Ludwig (1706) gibt to shift mit „etwas verändern, ändern; einen von einem ort an einen andern tragen … wein ablassen“ wieder; Gerards Herball (1633) gebraucht es für Blüten, die in Öl „shifted two or three times“ werden, und Butler (1623, but-018) beschreibt für seinen Rosensirup dasselbe Verfahren ausdrücklich: „straine out the Roses, and put fresh in their places“.
Andere mögliche Lesart:
- Alle zwei Tage nur das Wasser wechseln, die Rosen bleiben. - So steht shift in lon-005 („shift the water“). Hier heißt es aber „shift it“, und am Ende wird genau diese Flüssigkeit abgeseiht und gezuckert; ein weggegossenes Wasser würde den Auszug verlieren.
put to a quart of liquor one pound and halfe of sugar
Gewählte Lesart: Den Zucker nur zugeben; ein Kochen oder Erwärmen nennt der Text nicht, deshalb steht es nicht in der Übersetzung.
Andere mögliche Lesart:
- Die Mischung zum Sirup einkochen. - Butlers Rosensirup wird mit dem Süßmittel gekocht, bis er dick genug ist (but-018). Für dieses Rezept ist das nicht belegt.
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Stand dieser Fassung: 06.11.2026. Wir überarbeiten die Übersetzungen laufend; beim Zitieren bitte das Datum mit angeben.
