Rezeptbuch der Sarah Longe (Rezeptbuch der Sarah Longe, Folger Shakespeare Library MS V.a.425)
Surfeit-Wasser mit Mohn und Anis
Moderne Übersetzung
Nimm etwa 5 l (fünf Quart) Aniswasser und lass etwa 18 l (einen halben Scheffel) Mohn drei Tage darin ziehen. Dann seihe es ab.
Gib etwa 450 g (ein Pfund) entsteinte Sonnenrosinen hinein, etwa 450 g (ein Pfund) Feigen in Scheiben, etwa 225 g (ein halbes Pfund) dünn geschnittenes Süßholz, etwa 60 g (zwei Unzen) Anissamen und etwa 30 g (eine Unze) Fenchelsamen, angestoßen. Lass sie weitere drei oder vier Tage darin ziehen, dann fülle es in Flaschen.
Zutaten
| Original | Modern | Mengenangabe | Wo kaufen | Alternative |
|---|---|---|---|---|
| five quarts of anniseed water | etwa 5 l (fünf Quart) Aniswasser | 5 l | - | - |
| halfe a bushell of Popyes | etwa 18 l (ein halber Scheffel) Mohn | 18 l | - | - |
| a pound of raisons of the sunn stoned | etwa 450 g (ein Pfund) Sonnenrosinen, entsteint | 450 g | - | - |
| a pound of figgs sliced | etwa 450 g (ein Pfund) Feigen, in Scheiben | 450 g | - | - |
| halfe a pound of licorish sliced thin | etwa 225 g (ein halbes Pfund) Süßholz, dünn geschnitten | 225 g | - | - |
| two ounces of anniseeds | etwa 60 g (zwei Unzen) Anissamen, angestoßen | 60 g | - | - |
| one ounce of fennel seed, brused | etwa 30 g (eine Unze) Fenchelsamen, angestoßen | 30 g | - | - |
Zubereitungshinweis
Was ist das? Ein Surfeit Water, nach seinem Namen ein Mittel der Hausapotheke gegen den verdorbenen Magen: Mohn wird in Aniswasser ausgezogen, danach ziehen süße Früchte, Süßholz und angestoßene Samen in derselben Flüssigkeit. Der Eintrag nennt keinen Gebrauch und keine Menge zum Einnehmen, nur die Überschrift gibt den Zweck an.
Zwei Auszüge. Der Mohn liegt drei Tage in der Flüssigkeit und wird dann abgeseiht; erst danach kommen Rosinen, Feigen, Süßholz, Anis und Fenchel für weitere drei oder vier Tage hinein. Wärme, Gefäß und Verschluss nennt der Eintrag nicht, gegoren oder destilliert wird nicht.
Welcher Mohn? Der Eintrag sagt nur „Popyes“. Ludwigs Wörterbuch von 1706 beschreibt das Surfeit-water als Wasser von rotem Mohn, und das Mohnmittel des Mr Triplett in Teil 1 (lon-065) nimmt dieselbe Menge ausdrücklich als rote Mohnblüten. Klatschmohn ist kein Opiummohn; wäre Schlafmohn gemeint, wäre es ein Opiummittel. Die Lesung bleibt eine begründete Deutung.
Aniswasser. Ob ein gebranntes Aniswasser oder ein einfacher Auszug gemeint ist, bleibt offen; die zweite Fassung (lon-116) setzt dafür „Anniseed water or Brandy“.
Einordnung. Ein Surfeit Water der Hausapotheke des 17. Jahrhunderts: es dokumentiert, womit man damals den verdorbenen Magen behandeln wollte, und ist keine Anleitung zum Nachmachen. Die Wirkung ist der Anspruch der Handschrift und ihrer Zeit.
Vollständige Version mit Originaltext, Glossar und Anmerkungen: fyndling.de/rezepte/lon-078/
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