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Münchner Kochbuchhandschriften (Cgm 384) (München, Bayerische Staatsbibliothek, Cgm 384)

Südwestdeutschland, 2. Hälfte 15. Jh. · Frühneuhochdeutsch (alemannisch, südwestdeutsch, 2. Hälfte 15. Jh.)

Kalbfleischkügelchen auf dreierlei Art

Moderne Übersetzung

Mache Kalbfleischkügelchen wie folgt: Nimm das Kalbfleisch und Brot und ein wenig Eier, damit die Masse gut zusammenhält. Hacke alles fein und würze es gut. Forme die Masse zu runden Kügelchen, ähnlich kleinen Küchlein.

Wirf die geformten Kügelchen in siedendes Wasser und lasse sie darin gut gar sieden.

Serviere die gekochten Kügelchen entweder trocken mit frischer Petersilie, oder in einer kräftigen Brühe. Alternativ kannst du die gekochten Kügelchen auch in Schmalz braten und anschließend in einer würzigen Pfeffersauce anrichten.

Zutaten

OriginalModernMengenangabeWo kaufenAlternative
des flaisches Kalbfleisch - Metzger -
brott Brot - - -
an wenig ayer ein wenig Eier - - -
bewurtz Gewürze - gut sortierter Supermarkt, Online-Gewürzhandel -
peterlin Petersilie - - -
Jusel Jusel - - kräftige Fleischbrühe
schmalcz Schmalz - Metzger Butterschmalz oder Pflanzenöl
pfeffer Pfeffersauce - - Dunkle Brotsauce mit Pfeffer und Essig

Zubereitungshinweis

Welches Gericht ist das? Das sind Kalbfleischkügelchen, im Geiste verwandt mit unseren heutigen Frikadellen oder Fleischpflanzerln, die auf drei klassisch mittelalterliche Arten serviert werden können.

So gelingt es. Der Schlüssel zu zarten Kügelchen liegt in der richtigen Bindung und Garmethode: Für 500g Kalbfleisch nimmst du als Startpunkt etwa 100g altbackenes Weißbrot (ohne Rinde, in Wasser oder Brühe eingeweicht und gut ausgedrückt) und ein mittelgroßes Ei. Das Kalbfleisch muss sehr fein gehackt werden, entweder mit einem scharfen Messer oder durch den Fleischwolf, bevor du es mit dem Brot und dem Ei vermischst und kräftig würzt. Forme die Masse zu walnussgroßen Kügelchen - diese Größe sorgt für gleichmäßiges Garen. Der häufigste Fehler ist zu stark kochendes Wasser: Wirf die Kügelchen nicht in sprudelnd kochendes Wasser, sondern lass sie in siedendem, also leicht wallendem Wasser, sanft gar ziehen, bis sie fest sind und innen nicht mehr roh. So bleiben sie saftig und zerfallen nicht.

So wird es richtig gut. Die Würzung ist entscheidend: Eine Mischung aus frisch gemahlenem schwarzem Pfeffer, etwas Ingwer und Salz ist eine gute Basis. Für mehr Tiefe kannst du auch eine Prise Muskat oder Nelkenpulver hinzufügen. Die drei Servierarten bieten viel Spielraum: Die Variante ‚trocken mit Petersilie‘ lebt von der Qualität des Fleisches und der Würze - hier ist frische Petersilie nicht nur Deko, sondern gibt einen frischen Kontrast. In kräftiger Brühe oder Jus erwärmt, nehmen die Kügelchen den vollen Geschmack der Flüssigkeit auf; hier ist eine gute, hausgemachte Kalbs- oder Hühnerbrühe Gold wert. Die dritte Variante, in Schmalz gebraten und in einer Pfeffersauce angerichtet, ist die raffinierteste: Brate die vorgegarten Kügelchen in heißem Schmalz goldbraun an, das gibt Röstaromen und eine schöne Kruste. Die Pfeffersauce sollte kräftig, aber nicht zu dick sein, mit gutem Pfeffer (historisch wäre Langer Pfeffer oder Kubebenpfeffer spannend) und einer leichten Säurenote von Verjus oder Weißweinessig, um die Würze zu balancieren.

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