Hausbuch aus Dietramszell (Cgm 467) (München, Bayerische Staatsbibliothek, Cgm 467)
Sülze schnell fest werden lassen
Moderne Übersetzung
Wie man Sülze macht, dass sie schnell fest wird: Nimm die Blüte vom Korn und gib sie in die kühle Brühe, in der das Fleisch liegt und gekocht wird - oder Fisch. Und gib ein wenig davon hinein, so wird die Sülze schnell fest, und das sogar in einer warmen Stube.
Zutaten
| Original | Modern / Menge | Wo kaufen | Alternative |
|---|---|---|---|
| die kuelle suppen da das fleisch inne leit ... oder visch | kühle Brühe, in der das Fleisch (oder der Fisch) gekocht wird | selbst auskochen (Kalbsfuß, Schwarte, Knochen, Gräten) | Fond plus etwas Speisegelatine oder Agar-Agar |
| das plueden von korn | ein wenig ‚Blüte vom Korn‘ | Mehl/Speisestärke (Reform-/Supermarkt) bzw. Kornblumen (Kräuterhandel) | Zum sicheren Binden: 1 TL Speisestärke oder Mehl |
| (salz, implizit) | Salz nach Bedarf | Supermarkt | - |
Zubereitungshinweis
Kuriosum, kein Nachkoch-Rezept. Das ist ein halb verständlicher Haushalts-Kniff, kein Gericht: Er verspricht, dass Sülze mit einem Zusatz - der ‚Blüte vom Korn‘ - schnell fest wird, sogar in einer warmen Stube. Genau das funktioniert so aber nicht.
Warum es nicht aufgeht. Sülze (Aspik) geliert allein durch das Kollagen aus dem mitgekochten Fleisch oder Fisch (Knochen, Haut, Füße), das beim Erkalten zu Gelatine wird - in einer warmen Stube bleibt sie flüssig. Kein Zusatz ändert das grundlegend.
Was die ‚Blüte vom Korn‘ ist, bleibt unklar. Entweder die Kornblume (so Ehlert) - ohne jede Gelierwirkung, also reiner Volksglaube - oder ‚Mehlblüte‘ = feinstes Mehl/Stärke, das die Brühe immerhin etwas binden würde. Beides macht aus dem Tipp aber kein verlässliches Verfahren.
Einordnung. Wir geben den Eintrag als historisches Kuriosum wieder - aufschlussreich für den Alltagsglauben einer bairischen Hausküche um 1477, nicht als Anleitung. Wer echte Sülze will, kocht eine kollagenreiche Brühe (Kalbsfuß, Schwarte, Gräten) aus, klärt sie und lässt sie kalt stocken.
Vollständige Version mit Originaltext, Glossar und Anmerkungen: fyndling.de/rezepte/m467-001/
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