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Regensburger Kochbuch (Cgm 5919) (München, Bayerische Staatsbibliothek, Cgm 5919)

Regensburg, Bayern, um 1500 · Frühneuhochdeutsch (mittelbairisch, Regensburg, um 1500-1510)

Heidnische Kuchen oder Hausen-Blätter

Moderne Übersetzung

Bereite einen Eierteig und rolle ihn mit einer Walze dünn wie eine Oblate aus.

Schneide den Teig drei Finger breit und länger als eine Hand. Backe ihn anschließend in Schmalz aus.

Gieße darauf gepfefferten Honigtrank oder eine Honig-Würze. Serviere die Speise. Man nennt sie Heidnische Kuchen oder Hausen-Blätter.

Zutaten

OriginalModern / MengeWo kaufenAlternative
ain ayr taig Eierteig Supermarkt -
(impliziert) Mehl (implizite Zutat) Supermarkt -
smalcz Schmalz Metzger Pflanzenöl für eine vegetarische Variante
gepfestem honig tranck Honig - -
honig wurcz Gewürze (optional) - Pfeffer, Zimt, Ingwer oder Nelken

Zubereitungshinweis

Welches Gericht ist das? Ein frittiertes süßes Schmalzgebäck und Vorläufer unserer heutigen Krapfen-, Strauben- und Fastnachtsfamilie: hauchdünner Teig, in Streifen geschnitten, in Schmalz schwimmend ausgebacken und warm mit gewürztem Honig übergossen. Italienische Crostoli/Chiacchiere gehören in dieselbe lebende Verwandtschaft.

Der fnhd-Teig heißt nur ayr taig (Eierteig), doch Mehl gehört zwingend dazu - ein reiner Ei-Teig ließe sich nicht oblatendünn ausrollen. Der Schwesterbeleg von Meister Hans flaggt das Mehl ebenfalls als selbstverständliche, im Text ausgelassene Zutat.

Das gepfestem am Honig ist eine offene Schreiber-Stelle; der wortgleiche Meister-Hans-Beleg liest hier gepefferten - ein mit Pfeffer gewürzter, warmer Honig ist also die belegte Form des Toppings. Honig wurcz ist die im Original gleichberechtigt angebotene Alternative: erwärmter Honig mit weiteren Gewürzen.

Praxis. Für zwei Eier (Größe M) etwa 200-250 g Weizenmehl zu einem sehr festen, elastischen Teig kneten, der nicht mehr klebt. Hauchdünn ausrollen - wie eine Oblate -, sonst saugt sich das Gebäck mit Fett voll und wird zäh statt knusprig. In drei Finger breite, gut handlange Streifen schneiden und in reichlich auf 170-175 °C erhitztem Schmalz (oder Pflanzenöl) goldbraun schwimmend frittieren, dann kurz abtropfen lassen. Parallel den Honig sanft erwärmen, mit frisch gemahlenem Pfeffer (oder Zimt, Ingwer, Nelken) abschmecken, eine winzige Prise Salz hebt die Süße. Den warmen Honig sofort über das heiße Gebäck gießen und gleich servieren - frisch ist es am knusprigsten.

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