Kochbuch des Meisters Hans (Maister Hannsen des von Wirtenberg Koch)
Grüne Hühner-Sülze mit Petersilie
Moderne Übersetzung
Für eine grüne Hühnersülze zunächst Hausenblase (Fischblase vom Stör) nehmen und in der Hühnerbrühe aufkochen. Safran dazugeben und die Brühe mit gutem Gewürz fertig würzen. Diese Masse auf eine Schüssel gießen und mäßig Essig untermischen.
Sobald die Sülze fest geworden ist, sie in der Mitte durchschneiden. Eine Hälfte herausnehmen, die andere Hälfte in der Schüssel liegen lassen.
Petersilie nehmen und fein zerstoßen. Willst du daraus eine Salse machen, presse die zerstoßene Petersilie zusammen mit Hausenblasen-Brühe durch ein Tuch. Die Hühnerstücke wieder in die Schüssel legen, die gewürzte, nun grün gefärbte Brühe erneut darübergießen. So wird die Sülze wieder grün.
Zutaten
| Original | Modern / Menge | Wo kaufen | Alternative |
|---|---|---|---|
| hausen plater | Hausenblase (Fischblase) | Online-Gewürzhandel, Spezialversand für Isinglass | Blattgelatine (ca. 6-8 Blatt pro Liter Flüssigkeit) |
| huner | Hühnerfleisch, gegart | - | - |
| prue | Hühnerbrühe | - | - |
| Saffran | Safran | Gewürzhandel | - |
| guotem gewurcz | Gewürzmischung | - | - |
| essigk | Essig | - | - |
| petersill | Petersilie | - | - |
Zubereitungshinweis
Welches Gericht ist das? Eine zweifarbige Schau-Sülze aus Hühnerfleisch in Hausenblasen-Gallerte: eine safrangelbe Basisschicht, darüber eine zweite, mit zerstoßener Petersilie grün gefärbte Schicht - reine Oberflächenoptik, kein durchgefärbtes Gericht. Verwandt mit der bis heute bekannten Aspik-/Sülzeplatte des kalten Buffets sowie, technisch, mit der Chaud-Froid-Glasur der klassischen Garde-Manger-Küche: beide arbeiten mit klarer Gelatine, die allein für die Optik eingefärbt wird.
Welche Hausenblasen-Brühe ist gemeint? Für die grüne Deckschicht nennt der Text erneut ‚hausen plater', ohne zu sagen, ob damit eine frisch angesetzte zweite Brühe gemeint ist oder die zuvor entnommene Hälfte der ersten Gallerte, wieder verflüssigt und mit der Petersilie durchgepresst. Beide Lesarten sind sprachlich möglich; praktisch einfacher ist eine eigens für die grüne Schicht angesetzte kleinere zweite Brühe.
Wann kommt das Huhn in die Schüssel? Der Text nennt die Hühnerstücke ausdrücklich erst, als sie nach dem Halbieren der Gallerte ‚wieder' in die Schüssel gelegt werden - wann sie ursprünglich hineinkamen, wird nicht beschrieben. Naheliegend, aber nicht wörtlich belegt, ist, dass die gegarten Hühnerstücke schon vor dem ersten Übergießen mit der safrangelben Gallerte in der Schüssel lagen.
Praxis. Gegarte Hühnerstücke in eine Schüssel legen. Hausenblase in der Hühnerbrühe auflösen, mit Safran und einer Gewürzmischung abschmecken, mit wenig Essig würzen und über das Huhn gießen. Im Kühlschrank fest werden lassen - das Original nennt weder Kühlmethode noch Standzeit, ein Kühlschrank oder kühler Keller sind der naheliegende moderne Ersatz für einen im Text nicht beschriebenen Schritt. Sobald die Gallerte fest ist, in der Mitte durchschneiden und eine Hälfte entnehmen. Für die grüne Deckschicht Petersilie fein zerstoßen, mit einer zweiten Hausenblasen-Brühe durch ein Tuch pressen, über die verbliebene Hälfte samt Hühnerstücken gießen und erneut kühl fest werden lassen.
Vollständige Version mit Originaltext, Glossar und Anmerkungen: fyndling.de/rezepte/mha-053/
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