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Kochbuch des Meisters Hans (Maister Hannsen des von Wirtenberg Koch)

Württemberg / Basel, 1460 · Frühneuhochdeutsch (alemannisch-schwäbisch, 1460)

Goldtinte für die Feder herstellen

Moderne Übersetzung

Willst du mit der Feder Gold schreiben, so nimm geschlagenes Blattgold, so viel du magst.

Nimm einen Reibstein, der sauber und trocken ist, und lege ein wenig Salz darauf, als wäre es schon darauf gezogen. Lege dann ein Blättchen Gold darauf und streue wieder Salz auf das Goldblättchen. So viele Blättchen du auflegst, so viel Salz streue jeweils darüber.

Nimm dann einen Läuferstein und reibe das Gold damit so lange durcheinander, bis du das Gold nicht mehr als einzelne Teilchen erkennen kannst, sondern es zu feinstem Pulver zerrieben ist. Nimm es dann vom Stein und gib es in ein Glas. Fülle das Glas voll Wasser und rühre alles gut durcheinander. So löst sich das Salz vollständig im Wasser auf, und das Gold sinkt ganz zu Boden.

Gieße danach das Wasser vom Gold ab und gieße frisches, klares und sauberes Wasser wieder dazu. Wiederhole das Auf- und Abgießen so lange, bis das abgegossene Wasser ganz klar bleibt. Dann liegt das Gold am Boden wie gelber Lehm.

Nimm das Gold aus dem Glas und fülle es in ein Horn. Temperiere es mit Gummi arabicum und schreibe damit, was du willst. Lass es dann gut trocknen.

Nimm dann einen Wolfszahn und poliere das Gold damit rein und sauber. So wird das Gold klar und rein.

Zutaten

OriginalModernMengeWo kaufenAlternative
geschlagen golt als vil du wild Blattgold (nach Belieben) - Künstlerbedarf, Online-Handel (Vergolder-Bedarf) -
sallcz Salz (als Schleifmittel) - - -
wasser Wasser - Leitung -
gummi Gummi arabicum - Künstlerbedarf, Online-Handel (Restaurierungs-/Malbedarf) -

Zubereitungshinweis

Welches Gericht ist das? Kein Speiserezept, sondern eine Handwerksanleitung zur Herstellung von Schreibgold für Kalligraphie und Buchmalerei. Die gleiche Grundidee - Blattgold zu Pulver zerreiben, mit einem wasserlöslichen Bindemittel anrühren und mit einem harten, glatten Werkzeug polieren - ist bis heute unter dem Namen "Muschelgold" (shell gold) im Kalligraphie- und Buchmalerei-Bedarf erhältlich, hier nur in einem Horn statt in der namensgebenden Muschelschale aufbewahrt.

Ein oder zwei Reibsteine? Im Transkript steht "reib stain" zweimal wortgleich: einmal als saubere, trockene Unterlage für Salz und Blattgold, einmal als das Werkzeug, mit dem darübergerieben wird. Die CoReMA-Glosse übersetzt beide Stellen gleich mit "Reibstein" (quern-stone), ohne zwischen Unterlage und Reibwerkzeug zu unterscheiden. Dass es praktisch zwei getrennte Steine sind - eine Platte und ein Läufer, wie beim Anreiben von Farben üblich - ist naheliegend, bleibt aber eine Interpretation und kein im Text eigens benanntes Detail.

Praxis. Blattgold wird mit Salz als Schleifmittel auf einem sauberen, trockenen Reibstein mit einem zweiten Stein zu feinstem Pulver zerrieben, bis keine einzelnen Goldflitter mehr zu erkennen sind. Das Pulver kommt in ein Glas mit Wasser; das Salz löst sich auf, das schwerere Gold sinkt zu Boden. Das Wasser wird mehrfach abgegossen und durch frisches ersetzt, bis es klar bleibt - erst dann ist das Salz vollständig entfernt und das Gold liegt wie gelber Lehm am Boden. Das gereinigte Pulver wird mit Gummi arabicum angerührt (vergleichbar mit heutiger Aquarellfarbe), zum Schreiben verwendet und nach dem Trocknen mit einem harten, glatten Gegenstand - hier einem Wolfszahn - poliert, bis die Schrift klar und rein ist.

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