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Kochbuch des Meisters Hans (Maister Hannsen des von Wirtenberg Koch)

Württemberg / Basel, 1460 · Frühneuhochdeutsch (alemannisch-schwäbisch, 1460)

Steinobst-Mus mit Honig

Moderne Übersetzung

Nimm Kriechenpflaumen oder Sauerkirschen oder Mispeln, je nachdem was für Steinobst gerade da ist, und schlage es durch ein Sieb oder Tuch.

Gib Honig hinzu und lass es kurz aufkochen. Setze alles in einen Topf ans Feuer und lass es dick werden.

So machst du aus jeder dieser Früchte ein Mus. Würze es gut ab, wenn du magst.

Zutaten

OriginalModernMengeWo kaufenAlternative
kriechen oder weichseln oder nespel was von stain obs sey Kriechenpflaumen - - Ersatzweise Sauerkirschen oder Mispeln - alle drei sind im Original als gleichwertige, austauschbare Steinobst-Optionen genannt, je nach Saison
hoenig Honig - - -
gewurcz Gewürz nach Wahl - - Zimt oder Ingwer passen gut zu Steinobst

Zubereitungshinweis

Welches Gericht ist das? Ein durch Sieb oder Tuch passiertes Steinobst-Mus, mit Honig gesüßt und ohne Wasserzugabe am Feuer eingedickt - technisch die unmittelbare Vorstufe der heutigen Fruchtmus-Familie. Je nach gewähltem Obst der Vorläufer von Pflaumenmus (Kriechenpflaumen), Kirschmus (Sauerkirschen) oder einem dicken Mus aus Mispeln (im Englischen als „medlar cheese" bekannt). Die Formel „von ainem yeglichen ain muosz" (aus jedem [Obst] ein Mus) beschreibt ein einziges Grundverfahren, das wahlweise auf eine der drei Fruchtarten angewendet wird - kein Mischrezept aus allen dreien.

„prenn darein". Der Honig wird kurz aufgekocht bzw. erhitzt und dann ins passierte Fruchtmus gegeben. Das Verb ist im Korpus als Schreibvariante von „brennen" belegt (nicht von „bringen", wie eine ähnlich klingende Formulierung in einem verwandten Rezept nahelegen könnte); der Grund fürs Vorerhitzen bleibt im Text selbst offen.

Praxis. Reifes Steinobst durch ein Sieb oder Tuch passieren - bei Mispeln muss die Frucht dafür überreif-weich ("bletted") sein, sonst lässt sie sich kaum durchschlagen. Honig kurz aufkochen und unter das Mus rühren, alles gemeinsam im Topf am offenen Feuer unter gelegentlichem Rühren einkochen, bis es andickt. Die Bindung entsteht allein durch Verdunstung und die Eigenviskosität des Honigs, ohne Mehlschwitze oder Ei. Ein Mengenverhältnis von Frucht zu Honig und eine genaue Kochdauer nennt der Text nicht - hier hilft nur Erfahrung und Geschmacksprobe. Fertig in etwa 30-40 Minuten.

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