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Mondseer Kochbuch (Graz, Universitätsbibliothek, Ms. 1609 (CoReMA GR1))

Österreich (Mondsee, Oberösterreich), 2. Hälfte 15. Jh. · Frühneuhochdeutsch (bairisch-österreichisch, 15. Jh.)

Armes Mandelschmalz mit Stör und Grieben

Moderne Übersetzung

Willst du ein armes Schmalz von Mandeln zubereiten, so stoße die Mandeln fein in einem Mörser und streiche sie dick mit Wasser durch. Nimm die Mandelmasse dann in eine Pfanne und koche sie, bis sie dick wie ein Mus wird.

Nimm danach einen feisten Hausen (Stör) und schneide ihn in Würfel. Gib frisches Schmalz dazu und röste ihn darin wie Schweinespeck aus. Nimm die Grieben heraus und gib die Mandelmasse in das ausgelassene Schmalz. Breite sie mit einem Löffel gleichmäßig aus.

Nimm danach Safran und färbe damit die Masse, so viel du möchtest. Halte das Gericht bei Wärme bereit. Wenn du es anrichten willst, hast du ein gutes armes Schmalz von Mandeln.

Zutaten

OriginalModern / MengeWo kaufenAlternative
mandel Mandeln, gemahlen Supermarkt (Backregal) Ganze Mandeln im Blender kurz zermahlen
wasser Wasser Leitung -
aines vaisten hawssen Feister Hausen (Stör) Spezialisierter Fischhändler (Zucht-Wels) Welsfilet (Zucht) oder Hechtfilet
frisch smalz Frisches Schmalz Metzger, gut sortierter Supermarkt Butterschmalz (vegetarisch) oder Pflanzenöl (vegan)
saffrann Safran Gut sortierter Supermarkt, Online-Gewürzhandel -

Zubereitungshinweis

Welches Gericht ist das? Kein bloßes Grieben-Beilagengericht, sondern die Vorstufe einer Fasten-Illusionsspeise - ein „Spiegelei ohne Ei". Der fast wortgleiche Zwilling m5919-018 (Regensburger Kochbuch, Cgm 5919, um 1500) trägt den Titel „Ein Ei im Schmalz von Mandel" und führt genau dieselbe Zubereitung einen Schritt weiter: die safrangefärbte Mandelmasse spielt das Eigelb, die Fischgrieben werden als Eiweiß-Attrappe daneben angerichtet. mon-052 durchläuft exakt dieselbe Kochfolge, bricht aber vor dem letzten Anrichte-Schritt ab. Auch innerhalb des Mondseer Kochbuchs ist diese Ei-Täuschung kein Einzelfall: mon-001 (eine eilose Fastensuppe aus Mandeln und Wein) spielt dieselbe Idee durch. Wer heute vegane „Rühr-Ei"-Attrappen aus Kichererbsenmehl oder Tofu mit Kurkuma-Gelb kennt, sieht hier ihren spätmittelalterlichen Vorfahren - nur mit Mandeln und Safran statt Kurkuma.

Was wird da eigentlich ausgelassen? Der entscheidende Punkt: Im Satz „gib frisches Schmalz dazu und röste ihn darin wie Schweinespeck aus" bezieht sich das „ihn" auf den zuvor gewürfelten Hausen, nicht auf das Schmalz selbst. Der Fisch wird im Schmalz ausgelassen wie Speckwürfel - das Schmalz ist nur das Röstfett dazu. Die entstehenden „Grieben" sind folglich keine gewöhnlichen Fett-Grieben, sondern die knusprig ausgebratenen Fischwürfel-Reste: der Hausen spielt hier buchstäblich den Speck.

Praxis. Mandeln im Mörser fein stoßen, mit Wasser zu einer dicken Mandelmilch verstreichen und in einem Topf einkochen, bis die Masse musartig bindet (kein Rühren nötig, die Mandelmasse bindet durch Verdunstung und ihr eigenes Fett). Parallel Stör- oder Wels-/Hechtfilet würfeln und mit frischem Schmalz in einer Pfanne auslassen, bis die Würfel knusprige Grieben bilden - diese herausnehmen (und als Fastenspeise-„Eiweiß" beiseitestellen, wer die Illusion vollständig nachstellen möchte). Die fertige Mandelmasse ins ausgelassene, fischig aromatisierte Schmalz geben und mit dem Löffel glattstreichen. Mit Safran gelb färben und warmhalten, bis angerichtet wird. Ohne Mengenangaben im Original empfiehlt sich ein Verhältnis von etwa 200 g gemahlenen Mandeln auf 300 ml Wasser als Ausgangspunkt, mit dem sich die Konsistenz beim Einkochen gut steuern lässt.

fyndling.de/rezepte/mon-052/