Mondseer Kochbuch (Graz, Universitätsbibliothek, Ms. 1609 (CoReMA GR1))
Fischpastete mit Stör und Apfel-Beeren-Sauce
Moderne Übersetzung
Fischpastete mit Stör: Willst du eine Pastete von Fischen machen, so nimm Hausen (Stör) und Wasser und gib es in die Pastete.
Apfel-Beeren-Gewürz-Sauce: Dann mache eine Brühe aus Weinbeeren, Gewürz und Äpfeln. Serviere diese Sauce zur Fischpastete.
Variante mit anderem Fisch: Und wer es anders machen will, der nehme ein Gehacktes von anderen Fischen und gebe das in die Pastete, wenn sie aus dem Ofen kommt.
Zutaten
| Original | Modern / Menge | Wo kaufen | Alternative |
|---|---|---|---|
| pastel | Pastetenteig | Supermarkt (Kühlregal) oder selbstgemacht | - |
| hausen | Stör | Spezialisierter Fischhändler (Zuchtstör) | Welsfilet |
| wasser | Wasser | Leitung | - |
| weinperren | Weinbeeren (Rosinen) | Supermarkt (Trockenfrüchte) | frische Weintrauben |
| gburcz | Gewürzmischung | gut sortierter Supermarkt, Online-Gewürzhandel | Pfeffer, Ingwer, Zimt, Nelken, Muskat |
| opffel | Äpfel | - | - |
| gehack von anderer vischen | Gehacktes von anderem Fisch | Fischhändler | Hecht, Karpfen oder Wels |
Zubereitungshinweis
Welches Gericht ist das? Eine Fisch-Pastete: Hausen (Stör) wird zusammen mit Wasser in eine Teighülle gegeben und darin gebacken, dazu eine separat gekochte süß-saure Apfel-Weinbeeren-Gewürz-Sauce. Eine zweite, genügsamere Variante ersetzt den ganzen Stör durch ein Gehacktes von anderem Fisch. Das ist die unmittelbare Vorstufe der klassischen Fischpastete im Teigmantel, wie sie sich bis ins 19. Jahrhundert hielt - entfernt verwandt mit der russischen Coulibiac und dem englischen raised pie (heute etwa Lachs im Blätterteig), näher noch mit den Fischpasteten der bürgerlichen Küche des 18./19. Jahrhunderts, die ebenfalls mit einer Weinbeeren-Sauce serviert wurden.
Die Sauce. Die Apfel-Weinbeeren-Gewürz-Brühe reiht sich in die verbreitete spätmittelalterliche Praxis ein, kräftigen Fisch mit einer süß-säuerlichen, gewürzten Sauce zu kontrastieren. Sie wird getrennt vom Backvorgang gekocht: Weinbeeren, Gewürzmischung und klein geschnittene Äpfel köcheln zu einer dicklichen Sauce ein, deren Bindung allein über die Frucht kommt, ohne Mehlschwitze.
Die Variante mit Gehacktem. Der Zeitpunkt, zu dem das Gehackte in die Pastete kommt, ist im Text nicht ganz eindeutig gelöst (siehe Lesart unten) - küchenpraktisch spricht einiges dafür, die Farce nicht erst in die bereits fertig gebackene, auskühlende Hülle zu geben, weil rohes gehacktes Fischfleisch darin nicht mehr durchgart. Wer diese Variante nachkocht, gibt das Gehackte deshalb besser ein, solange die Pastete noch heiß genug ist, um es durchzugaren - etwa indem die Hülle kurz geöffnet, gefüllt und nochmals kurz in den Ofen gegeben wird.
Praxis. Pastetenteig blind backen oder mit rohem Hausen füllen und im Ofen garen, bis die Kruste goldbraun ist. Parallel Weinbeeren mit Gewürzmischung und klein geschnittenen Äpfeln und etwas Wasser einköcheln, bis die Sauce dicklich bindet. Fischpastete warm mit der Sauce servieren. Für die Fisch-Variante: Gehacktes von magerem Fisch (Hecht, Karpfen oder Wels) fein hacken, in die noch heiße Pastete geben und kurz durchziehen bzw. nachgaren lassen, bevor serviert wird.
Vollständige Version mit Originaltext, Glossar und Anmerkungen: fyndling.de/rezepte/mon-107/
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