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Mondseer Kochbuch (Graz, Universitätsbibliothek, Ms. 1609 (CoReMA GR1))

Österreich (Mondsee, Oberösterreich), 2. Hälfte 15. Jh. · Frühneuhochdeutsch (bairisch-österreichisch, 15. Jh.)

Gefüllte Feigen mit Rosinen-Gewürz-Paste

Moderne Übersetzung

Willst du gefüllte Feigen machen, so gehe so vor: Mache in Feigen an der dicksten Stelle ein Loch.

Nimm weitere Feigen und Rosinen, stoße beides im Mörser zusammen und vermenge es gut miteinander. Würze die Masse mit guten Gewürzen.

Fülle diese Paste in die vorbereiteten Feigen. Drücke die Füllung danach fest hinein und brate die Feigen.

Zutaten

OriginalModern / MengeWo kaufenAlternative
veigen Feigen (zum Füllen) - -
veigen Feigen (für die Fülle) - -
weinpern Rosinen - -
guetten geburcz Gewürze - Klassische Mischung aus Pfeffer, Ingwer, Zimt und Nelken

Zubereitungshinweis

Welches Gericht ist das? Ein doppeltes Feigen-Konfekt: Ganze getrocknete Feigen werden an der dicksten Stelle aufgeschnitten und mit einer im Mörser gestoßenen Paste aus weiteren Feigen, Rosinen und Gewürzen gefüllt, zugedrückt und anschließend gebraten. Im Kern also Feigen gefüllt mit Feigen-Rosinen-Konfekt - eine Süßspeise für festliche Anlässe, keine Alltagskost. Die nächsten lebenden Verwandten dieser Technik sind die süditalienischen Fichi mandorlati (auch Crocette di fico), bei denen ganze getrocknete Feigen aufgeschnitten, mit einer Paste gefüllt, zugedrückt und geröstet werden - bis heute ein klassisches süditalienisches Weihnachtskonfekt. Auch die heute auf Weihnachtsmärkten verkauften gefüllten Datteln folgen derselben Konfekt-Idee, nur mit anderer Frucht und Füllung.

Zum Hapax 'ortein'. Das Wort ist im Korpus sonst unbelegt und lässt sich als Zusammenschreibung von 'ort' (Stelle) und 'ein' (unbestimmter Artikel) lesen: an der dicksten Stelle ein Loch. Diese Lesart wird indirekt durch das verwandte italienische Rezept mar-173 gestützt, das dieselbe Technik als 'geöffnet und durchlocht von unten' beschreibt.

Zu den 'weinpern'. Rosinen oder frische Trauben? Der Korpus liest die Zutat meist als Rosinen, weil sie sich besser zu einer gestoßenen, lagerfähigen Fülle verarbeiten lassen als wasserreiche frische Trauben - eine Lesart, die auch das Zwillingsrezept mar-173 stützt, das für dieselbe Fülltechnik ausdrücklich 'uva passa' (Rosinen) nennt.

Praxis. Weitere Feigen und Rosinen im Mörser zu einer klebrigen Paste stoßen - die Zuckerklebrigkeit der Trockenfrüchte selbst hält die Masse zusammen, ein zusätzliches Bindemittel braucht es nicht. Mit guten Gewürzen abschmecken, in die aufgeschnittenen Feigen füllen und die Öffnung fest zudrücken, damit die Fülle beim Braten nicht herausquillt. Der Mondsee-Text nennt für das abschließende Braten weder Fett noch Hitzegrad - eine zuckerreiche Masse brennt in der trockenen Pfanne aber leicht an. Etwas Fett und mäßige Hitze, wie sie das verwandte Rezept mar-173 ausdrücklich verlangt, sind daher ratsam.

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