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Das Kochbuch der Maria Stenglerin (Augspurger Kochbuoch, worinnen enthalten fürtreffliche Rezepte für Frawen & Junckfrawen)

Augsburg, 1554 · Frühneuhochdeutsch (schwäbisch/augsburgisch, Mitte 16. Jh.)

Gespritzte Mandelmasse

Moderne Übersetzung

Nimm dreiviertel Pfund Mandeln und stoße sie gut. Gib ein Pfund Butterschmalz, ein viertel Pfund Zucker und ein wenig Rosenwasser dazu. Stoße alles miteinander und mache es nicht dünn. Dann setze den Mörser in kaltes Wasser und lasse die Masse gut erstarren. Treibe sie anschließend durch ein Beuteltuch und gib sie in eine Zinnschüssel.

Zutaten

OriginalModernMengenangabeWo kaufenAlternative
drey vierdung mandel Mandeln, gemahlen 375 g Supermarkt (Backregal) Ganze Mandeln im Blender kurz zermahlen
ain pfund puter ſchmaltz Butterschmalz 500 g Supermarkt -
ein vierdung Zucker Zucker 125 g - -
ain wennig Roſennwaſſer Rosenwasser - gut sortierter Supermarkt, Online-Gewürzhandel -

Zubereitungshinweis

Welches Gericht ist das?

Eine kalt angerichtete, feste Mandel-Butterschmalz-Zucker-Masse mit etwas Rosenwasser: eine kühl servierte Süßspeise nahe am Marzipan, durch das Butterschmalz aber deutlich reichhaltiger - das Rezept kennt weder Ofen noch Feuer, nur Mörser, Kühlwasser und Tuch.

Woher kommt der Name „Spritzmillich“?

„Spritzmillich“ ist ein transparentes Kompositum aus „spritzen“ und dem in diesem Buch produktiven Namenssuffix „-milch“ für cremige Gerichte - vgl. mst-021 „Brattne Millich“ (gebratene Milch), ebenfalls ohne dass literal Milch die Hauptzutat wäre. Nur die exakte Zusammensetzung ist sonst im Korpus und in Wörterbüchern nicht belegt, ein rätselhaftes Einzelwort ist es deshalb nicht: Die im kalten Wasser fest gewordene Masse wird durch ein Beuteltuch gedrückt, das „Spritzen“ bezeichnet also diesen Durchpress-Schritt. Deshalb übersetzen wir zurückhaltend als „Gespritzte Mandelmasse“ - ohne das „-milch“ wörtlich zu übernehmen, denn im Text wird keine eigene Mandelmilch angesetzt (kein Wasser, kein Auspressen roher Mandeln zu Flüssigkeit), und das Ergebnis ist nach dem Durchdrücken eher eine feste Paste als eine streichfähige Creme.

Offen bleibt, ob das Tuch nur siebt oder auch formt.

Das Beuteltuch ist als Sieb-/Passiertuch gut belegt. Ob es hier zusätzlich als Spritzform diente - die Masse also in Strängen austrat statt nur glatt durchgedrückt zu werden - lässt der Text offen; beide Lesarten sind mit dem Wortlaut vereinbar.

Praxis.

Mandeln (fertig gemahlen oder im Blender kurz zermahlen) mit Butterschmalz, Zucker und Rosenwasser zu einer dicken, nicht zu dünnen Masse verrühren. Den Mörser oder eine Schüssel in kaltes Wasser stellen und die Masse 30-60 Minuten kühlen, bis sie fest ist - im Kühlschrank geht das zuverlässiger als im reinen Kaltwasserbad, das der Originaltext beschreibt. Die feste Masse durch ein feines Tuch oder Sieb drücken und in eine Schüssel geben. Kalt servieren.

fyndling.de/rezepte/mst-032/