Rasch: Weinbuch (Weinbuch. Das iſt: Vom baw vnd pflege des Weins ... Daneben auch wie man allerley Kreuter und Brantwein/ Eſſig/ Meth/ vnd Bier / machen, erhalten ... Durch Johann Raſch/ Burger zu Wien / an tag geben)
Bier mit Fassgeruch: Rainfarn, Wacholder, Wurzeln und Eier ins Fass
Moderne Übersetzung
Ebenso gegen Bier, das nach dem Fass stinkt: Nimm Rainfarn, das ist ein Kraut, Wacholderbeeren, die Heiliggeistwurzel und die roten Benedikten, von einem so viel wie vom anderen, und vier frische oder harte Eier, und hänge es in das Bierfass oder lege es hinein.
Zutaten
| Original | Modern | Mengenangabe | Wo kaufen | Alternative |
|---|---|---|---|---|
| Rainfal | Rainfarn | - | - | - |
| Wechholderboͤꝛ | Wacholderbeeren | - | - | - |
| des heiligen Geiſts wurtzel | Heiliggeistwurzel | - | Kräuterhandel, Apotheke | - |
| Benedicten die rothen | rote Benedikten | - | Kräuterhandel, Apotheke | - |
| vier friſch oder haͤrte ayr | vier frische oder harte Eier | 4 | - | - |
Zubereitungshinweis
Was ist das? Eine Kellermaßnahme gegen Bier, das nach dem Fass stinkt. Rasch bringt unter dieser Überschrift zwei Anweisungen: erst ein Bündel Weizenkörner (ras-136), dann dieses Gemenge aus einem Kraut, Beeren, zwei Wurzeln und vier Eiern, das ins Bierfass gehängt oder gelegt wird. Eine Wirkung verspricht er beim zweiten Item nicht eigens, die Überschrift gilt für beide.
Die Zutaten. „Rainfal“ ist hier nicht der Süßwein, sondern laut Text ein Kraut, der Rainfarn. Die Heiliggeistwurzel ist die Engelwurz, die roten Benedikten sind am ehesten die Nelkenwurz, deren Wurzel nach Gewürznelken riecht; was „rot“ meint, bleibt offen. Kraut, Beeren und Wurzeln kommen zu gleichen Teilen hinein; eine Gesamtmenge und die Größe des Fasses nennt Rasch nicht.
Die Eier. „Friſch oder haͤrte ayr“ stellt rohe und harte, also hart gekochte, Eier frei. Wozu sie im Fass dienen, sagt der Text nicht.
Hängen oder legen. Ob das Gemenge dazu in einem Beutel steckt, wie lange es im Fass bleibt und ob man es wieder herausnimmt, sagt der Text nicht. Das „oder legs“ lässt auch loses Einlegen zu.
Rainfarn heute. Rainfarn enthält Thujon und gilt als giftig. Er gehört heute nicht in ein Getränk.
Praxis. Wer das nachvollziehen will, lässt den Rainfarn weg, gibt Wacholderbeeren, Engelwurz- und Nelkenwurzwurzel zu gleichen Teilen in ein Leinensäckchen (modern) und hängt es in ein Fässchen oder einen großen Krug mit fertigem Bier; die Eier sind nach dem Text freigestellt, roh oder hart gekocht. Kosten, bis der Geschmack passt. Nach heutiger Einschätzung überdeckt eine solche Würze einen Fassgeruch eher, als dass sie ihn behebt; dagegen hilft vor allem ein sauberes Fass.
Vollständige Version mit Originaltext, Glossar und Anmerkungen: fyndling.de/rezepte/ras-137/
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