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Bier mit Fassgeruch: Weizenbündel ins Fass

Weinbuch. Das iſt: Vom baw vnd pflege des Weins ... Daneben auch wie man allerley Kreuter und Brantwein/ Eſſig/ Meth/ vnd Bier / machen, erhalten ... Durch Johann Raſch/ Burger zu Wien / an tag geben · Wien / München · 1580

RezeptKellerhandwerkLesartViel InterpretationsspielraumEinfachKorrekturBearbeitungsstand 9/10
BuchRasch: Weinbuch (~1580)

Wenn ein Bier nach dem Fass stinkt.

Nimm ein Bündel von fünfunddreißig Weizenkörnern und hänge es in das Fass. Das Bier wird wohlschmeckend zu trinken.

OriginalModernMengenangabeWo kaufenAlternative
fuͤnff vnnd dreiſſig Waitzenkoͤrner ein Bündel von fünfunddreißig Weizenkörnern 35 - -
bier Bier - - -

Was ist das? Ein Hausmittel gegen Bier, das den Geruch des Fasses angenommen hat: ganze Weizenkörner, zu einem kleinen Bündel gebunden, werden ins Fass gehängt. Rasch nennt nur die Zahl der Körner, keine Fassgröße und keine Dauer.

Das Bündel. Wie die Körner zusammengehalten werden, sagt der Text nicht. Beim stinkenden Wein beschreibt Rasch dasselbe Mittel genauer: reiner Weizen in einem Säckchen, eingehängt und danach wieder herausgezogen, weil er „alles was do ſtinckend iſt“ an sich ziehe. Ein Säckchen liegt deshalb nahe; ob das Bündel im Bier bleibt oder wieder herauskommt, bleibt offen.

Wirkung. Für das Bier gibt Rasch keine Begründung. Dass fünfunddreißig Körner in einem ganzen Fass einen Fassgeruch merklich mindern, ist nach heutigem Wissen zweifelhaft; belegt ist es nicht.

Praxis. Heute: ganze, saubere Weizenkörner in ein Leinen- oder Gazesäckchen binden und an einer Schnur ins Fass hängen. Bier, das nicht nur nach dem Fass riecht, sondern verdorben ist, rettet das nicht.

Wie hängt man das Weizenbündel ins Fass?

Der Text sagt nur „hencks in das vaß“. Womit die Körner gebunden werden und wie lange sie im Fass bleiben, steht nicht da. Beim stinkenden Wein legt Rasch den Weizen in ein Säckchen, hängt es ein und zieht es danach wieder heraus; für das Bier sagt er das nicht. Heute nimmt man dafür ein sauberes Leinen- oder Gazesäckchen an einer Schnur.

Ist dieses Rezept für die Lagerküche geeignet?

Nein. Es ist kein Gericht, sondern eine Kellermaßnahme am Bierfass.

Ist das Bündel eine Maßeinheit?

Nein. „Püntel“ heißt hier schlicht ein zusammengebundenes Päckchen. Die Mengenangabe sind die fünfunddreißig Körner.

Aus welcher Zeit und woher stammt dieses Rezept?

Dieses Rezept stammt aus dem Rasch: Weinbuch (Wien / München). Weinbuch des Wiener Bürgers Johann Rasch, gedruckt bei Adam Berg in München um 1580: Weingartenbau in Versen, dann ein Kellerbuch - Most und Fässer, Weinfehler beheben, Kräuterweine, Essig, Met und Bier, viele kurze Mittel nach dem Muster „Item ...“.

Wann ein Bier nach dem vaß ſtinckt. Item, nimb ein puͤntel von fuͤnff vnnd dreiſſig Waitzenkoͤrner, hencks in das vaß, das bier wird wolgeſchmack zu trincken.
puͤntel

Bündel, das Zusammengebundene. Womit die Körner gebunden werden, sagt der Text nicht.

wolgeſchmack

Angenehm schmeckend; die ältere Sprache gebrauchte das Wort auch vom Geruch (Grimm, Deutsches Wörterbuch).

Druck
Weinbuch. Das iſt: Vom baw vnd pflege des Weins ... Daneben auch wie man allerley Kreuter und Brantwein/ Eſſig/ Meth/ vnd Bier / machen, erhalten ... Durch Johann Raſch/ Burger zu Wien / an tag geben
Teil
Vom Bier
Sprache
Frühneuhochdeutsch (bairisch-österreichisch, Wiener Verfasser, Münchner Druck um 1580; ai für ei, nit = nicht)
Entstehung
Wien / München, 1580

Normdaten der Zutaten

Zuordnung der historischen Zutatennamen zu Wikidata-Konzepten, auf Grundlage des CoReMA-Zutatenindex. Mehrere Konzepte bedeuten: die Lesart ist nicht entschieden.

bierbeer Q44

Lesarten

Mediävistische Texte sind oft mehrdeutig. Hier die Stellen, an denen wir uns für eine Lesart entscheiden mussten - mit den plausiblen Alternativen.

Lesartnach dem vaß ſtinckt

Gewählte Lesart: Das Bier hat den Geruch des Fasses angenommen (Fassgeruch). Die fast wortgleiche Fassung bei Rumpolt sagt „nach dem Faß schmaͤckt“ und meint damit den Geschmack nach dem Fass.

Andere mögliche Lesart:

  • Das Bier ist im Fass allgemein verdorben und stinkt. - „nach“ mit Substantiv bezeichnet hier, wonach es riecht; für allgemeinen Verderb hat Rasch eigene Überschriften (verkehrt, sauer).

Originalwerk (~1580) gemeinfrei.

Bildquelle
Scan 111, München, Bayerische Staatsbibliothek (bsb00027343), Public Domain Mark 1.0 Quelle öffnen
Transkription
Eigene Transkription (Kraken-OCR nach den Scans der Bayerischen Staatsbibliothek, je Rezept am Scan korrigiert) Link öffnen
Übersetzung & Anmerkungen
CC BY-SA 4.0 fyndling.de
Permalink
https://w3id.org/fyndling/ras-136
LagerkücheLagerküche
Kein Kochrezept, sondern eine Kellermaßnahme am Bierfass; wie alle Keller-Einträge des Weinbuchs nicht für die Lagerküche.
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Stand dieser Fassung: 04.11.2026. Wir überarbeiten die Übersetzungen laufend; beim Zitieren bitte das Datum mit angeben.