Stinkenden Wein mit Weizen im Säckchen bessern
Weinbuch. Das iſt: Vom baw vnd pflege des Weins ... Daneben auch wie man allerley Kreuter und Brantwein/ Eſſig/ Meth/ vnd Bier / machen, erhalten ... Durch Johann Raſch/ Burger zu Wien / an tag geben · Wien / München · 1580
Ein stinkender und verdorbener Wein kann gebessert werden, wenn nach der Größe des Fasses eine angemessene Portion reinen Weizens in ein Säckchen gelegt, in das Fass gehängt und danach wieder herausgezogen wird. Denn alles, was da stinkend ist, zieht er an sich und macht so den Wein klar und sauber.
Pictorius und Mizaldus, C. 4, A. 89.
| Original | Modern | Mengenangabe | Wo kaufen | Alternative |
|---|---|---|---|---|
| ſtinckender vnd verdoꝛbner wein | Stinkender, verdorbener Wein | - | - | - |
| rainen waitzes | Reiner Weizen | - | - | - |
| ſaͤckel | Säckchen | 1 | - | - |
Was ist das? Ein Kellermittel aus Raschs nummerierter Reihe gegen Weinfehler: Reiner Weizen kommt in ein Säckchen, das Säckchen hängt im Fass und wird wieder herausgezogen. Der Weizen bleibt also nicht im Wein. Rasch begründet das Mittel selbst: Der Weizen ziehe alles Stinkende an sich.
Was der Text offenlässt. Die Menge richtet sich nur „nach der Größe des Fasses“, eine Zahl fehlt. Wie lange das Säckchen hängt, sagt Rasch nicht. Offen bleibt auch, ob ganze Körner oder gestoßener Weizen gemeint ist; im Bierteil hängt Rasch gegen Fassgestank ein Bündel von fünfunddreißig Weizenkörnern ins Fass (ras-136), an anderer Stelle zerstößt er den Weizen (ras-134).
Welcher Fehler? Rasch nennt den Wein nur „stinkend und verdorben“. Eine heutige Fehlerbezeichnung lässt sich daraus nicht sicher ableiten.
Praxis. Heutige Einordnung: Dass Weizen im Säckchen einen Fehlgeruch merklich aus dem Wein nimmt, ist nicht belegt. Bedenkliche Zusätze kommen nicht vor. Wer es nachstellen will, muss Menge und Dauer selbst wählen und am Geruch prüfen, wann das Säckchen herauskommt.
Wie viel Weizen gehört ins Säckchen, und wie lange bleibt es im Fass?
Rasch nennt keine Zahl, nur „nach der Größe des Fasses eine rechte Portion“. Eine Dauer nennt er auch nicht: Das Säckchen wird „danach“ wieder herausgezogen.
Ist dieses Rezept für die Lagerküche geeignet?
Nein. Es ist ein Mittel für den Weinkeller und setzt ein Fass mit fehlerhaftem Wein voraus.
Warum gerade Weizen?
Rasch erklärt es selbst: Alles, was stinkend ist, ziehe der Weizen an sich, und so werde der Wein klar und sauber. Der Weizen wird nicht zugesetzt, sondern hängt nur im Säckchen im Fass.
Aus welcher Zeit und woher stammt dieses Rezept?
Dieses Rezept stammt aus dem Rasch: Weinbuch (Wien / München). Weinbuch des Wiener Bürgers Johann Rasch, gedruckt bei Adam Berg in München um 1580: Weingartenbau in Versen, dann ein Kellerbuch - Most und Fässer, Weinfehler beheben, Kräuterweine, Essig, Met und Bier, viele kurze Mittel nach dem Muster „Item ...“.
Lesarten
Mediävistische Texte sind oft mehrdeutig. Hier die Stellen, an denen wir uns für eine Lesart entscheiden mussten - mit den plausiblen Alternativen.
darnach darauß gezogen
Gewählte Lesart: Das Säckchen wird nach einer nicht genannten Zeit wieder aus dem Fass gezogen; der Text gibt keine Dauer an.
Andere mögliche Lesart:
- Herausziehen, sobald der Gestank weg ist - Liegt in der Begründung nahe, steht aber nicht da; als heutige Praxis in der Zubereitungsnotiz genannt.
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Stand dieser Fassung: 03.11.2026. Wir überarbeiten die Übersetzungen laufend; beim Zitieren bitte das Datum mit angeben.
